Vier Milliarden Euro für neuen KI-Datenstandort
Der US-Investor Blackstone plant eine der größten Rechenzentrumsinvestitionen, die Deutschland bislang gesehen hat. Rund vier Milliarden Euro sollen in einen neuen Datenstandort im westfälischen Lippetal fließen. Nach Angaben des Unternehmens wurde bereits ein Kaufvertrag für ein Grundstück in einem Industriegebiet unterzeichnet. Die Umsetzung des Projekts ist allerdings an Bedingungen geknüpft: Der Vertrag tritt erst in Kraft, wenn sämtliche vertraglich festgelegten Voraussetzungen erfüllt sind. Mit der Fertigstellung der Anlage wird erst in den frühen 2030er Jahren gerechnet.

Cloud- und KI-Anwendungen im Mittelpunkt
Das geplante Rechenzentrum soll Cloud-Dienste und Anwendungen der Künstlichen Intelligenz bedienen. Die operative Umsetzung übernimmt Quality Technology Services (QTS), eine Tochtergesellschaft von Blackstone. QTS hat bereits zahlreiche Rechenzentren in den USA realisiert, betreibt einen Standort in den Niederlanden und errichtet derzeit eine Anlage in Großbritannien. Die von QTS gebauten Rechenzentren werden Unternehmensangaben zufolge unter anderem von Amazon Web Services und Microsoft genutzt.
Genehmigungsverfahren noch offen
Trotz der bereits unterzeichneten Verträge ist das Projekt noch nicht endgültig beschlossen. Das Plan- und Genehmigungsverfahren steht erst am Anfang und soll zeitnah eingeleitet werden. In diesem Zusammenhang wurden die Anwohnerinnen und Anwohner der Region bereits in einer Informationsveranstaltung über das Vorhaben informiert. Die Dimension des Projekts und der lange Planungshorizont machen deutlich, dass es sich um eine strategische Investition mit langfristiger Wirkung handelt.

Region setzt auf nachhaltige Standortstärkung
In der Kommunalpolitik stößt das Vorhaben auf breite Zustimmung. Lippetals Bürgermeister Tobias Nillies (CDU) erklärte: „Mit dieser möglichen Investition stärken wir unseren Standort langfristig.“ Auch Hamms Oberbürgermeister Marc Herter (SPD) sieht in dem Projekt ein klares Signal für die Zukunftsfähigkeit der Region. Als Aufsichtsratsvorsitzender der Industriegebiet Westfalen GmbH wertet er die Ansiedlung als Beleg für das Innovationspotenzial des Wirtschaftsraums Hamm/Lippetal.
Energieversorgung als entscheidender Faktor
Ausschlaggebend für die Standortwahl war nach Informationen aus Investorenkreisen vor allem die Energieinfrastruktur. Bereits heute steht in der Region ausreichend Stromkapazität zur Verfügung. Zudem soll der Standort perspektivisch mit grünem Strom versorgt werden können. Auf dem Gelände des ehemaligen RWE-Kraftwerks Westfalen ist vorgesehen, dass eine Höchstspannungsleitung des Netzbetreibers Amprion endet. Über diese Leitung soll künftig Windstrom aus der Nordsee nach Westfalen transportiert werden. Blackstone-Managerin Britta Harper betonte in diesem Zusammenhang, dass die Verfügbarkeit von Energie und der Zugang zu erneuerbaren Quellen zentrale Kriterien für die Investitionsentscheidung gewesen seien.
Deutschland im Wettbewerb um KI-Infrastruktur
Sollte das Projekt realisiert werden, zählt es zu den größten Rechenzentrumsinvestitionen in Deutschland. Der Wettbewerb um leistungsfähige Datenstandorte nimmt spürbar zu. Microsoft investiert bereits mehrere Milliarden Euro in neue Rechenzentren im Rheinischen Revier westlich von Köln. Die Schwarz-Gruppe, Muttergesellschaft von Lidl und Kaufland, kündigte im vergangenen Jahr sogar eine Investition von rund elf Milliarden Euro für ein Rechenzentrum im brandenburgischen Lübbenau an.
Strategische Bedeutung für den Digitalstandort NRW
Das geplante Rechenzentrum unterstreicht die wachsende Bedeutung von Nordrhein-Westfalen als Standort für digitale Großprojekte. Die Kombination aus industrieller Fläche, leistungsfähiger Netzinfrastruktur und zukünftigem Zugang zu erneuerbarer Energie macht die Region attraktiv für internationale Investoren. Gleichzeitig zeigt das Projekt, wie stark Cloud-Computing und KI-Anwendungen den Bedarf an leistungsfähigen Rechenzentren in Europa antreiben.
