Der wohl bekannteste Investor der Welt sendet ein unmissverständliches Signal: Warren Buffett richtet sein Portfolio neu aus – und der Technologiesektor verliert dabei deutlich an Gewicht. In seinem letzten Quartal als CEO von Berkshire Hathaway hat der 94-jährige Börsenpionier umfangreiche Verkäufe bei großen Tech-Beteiligungen vorgenommen. Besonders betroffen ist Amazon, aber auch Apple wurde weiter reduziert. Parallel dazu sorgt ein unerwarteter Einstieg in ein traditionsreiches Medienunternehmen für Aufmerksamkeit.


Der Strategiewechsel wird an den Märkten genau beobachtet. Buffett gilt seit Jahrzehnten als Maßstab für langfristiges, wertorientiertes Investieren. Seine Entscheidungen werden häufig als Indikator für grundlegende Trends interpretiert – insbesondere dann, wenn sie so deutlich ausfallen wie aktuell.
Massiver Abbau der Amazon-Beteiligung
Im abgelaufenen Quartal trennte sich Berkshire Hathaway von mehr als 75 Prozent seiner Amazon-Position. Konkret wurden rund 7,7 Millionen Aktien verkauft. Der Wert der Beteiligung sank dadurch von zuvor etwa 2,1 Milliarden US-Dollar auf nur noch rund 457 Millionen US-Dollar.
Amazon gehörte zwar nie zu Buffetts größten Kernbeteiligungen, doch der Umfang des Verkaufs gilt als klares Signal. Der Konzern steht wie viele andere Technologieriesen vor enormen Investitionen in neue Rechenzentren, KI-Infrastruktur und Cloud-Kapazitäten. Diese Ausgaben belasten kurzfristig Margen und freien Cashflow – zwei Kennzahlen, die für Buffett traditionell von zentraler Bedeutung sind.
Auch Apple weiter reduziert
Parallel zum Amazon-Verkauf setzte Buffett seine schrittweise Reduzierung bei Apple fort. Weitere 10,3 Millionen Apple-Aktien wurden abgestoßen. Apple war über viele Jahre hinweg Buffetts mit Abstand größte Einzelbeteiligung.
Zeitweise hatte die Apple-Position einen Wert von mehr als 175 Milliarden US-Dollar. Inzwischen liegt sie noch bei rund 60 Milliarden US-Dollar. Trotz dieses deutlichen Rückgangs bleibt Apple weiterhin einer der größten Posten im Berkshire-Portfolio, doch die Richtung ist klar: Buffett reduziert sein Engagement in großen Tech-Konzernen.
Skepsis gegenüber milliardenschweren KI-Offensiven
Hinter den Verkäufen steht weniger eine negative Einschätzung einzelner Unternehmen als vielmehr grundsätzliche Vorsicht gegenüber der aktuellen Investitionsdynamik im Technologiesektor. Viele Konzerne investieren zweistellige Milliardenbeträge pro Jahr in den Ausbau von KI-Infrastruktur.
Für Buffett, der seit Jahrzehnten Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen, hoher Vorhersehbarkeit und verlässlichen Cashflows bevorzugt, bergen diese Entwicklungen Risiken. Hohe Vorabinvestitionen können kurzfristig Gewinne drücken und erhöhen die Abhängigkeit von zukünftigen Wachstumserwartungen.
Der Starinvestor formulierte in der Vergangenheit immer wieder seine Grundhaltung klar: „Ich investiere lieber in ein großartiges Unternehmen zu einem fairen Preis als in ein durchschnittliches Unternehmen zu einem großartigen Preis.“ Diese Philosophie spiegelt sich auch in den aktuellen Entscheidungen wider.
Überraschender Einstieg bei der New York Times
Während Buffett Tech-Aktien abbaut, sorgte ein anderer Schritt für Verwunderung: Berkshire Hathaway kaufte rund 5 Millionen Aktien der New York Times im Gesamtwert von mehr als 350 Millionen US-Dollar.
Der Einstieg passt jedoch zu Buffetts langjähriger Vorliebe für starke Marken mit stabilen Erlösstrukturen. Die New York Times zählt zu den wenigen Medienhäusern weltweit, die den Übergang ins digitale Zeitalter erfolgreich gemeistert haben. Das Unternehmen verfügt über mehrere Millionen Digital-Abonnenten und erzielt einen wachsenden Anteil seiner Umsätze aus wiederkehrenden Abonnementgebühren.
Zudem hat Buffett eine persönliche Verbindung zur Branche. Er begann seine Karriere als Zeitungsbote und investierte über Jahrzehnte in Zeitungsverlage. In früheren Interviews sagte er: „Zeitungen waren mein erstes Geschäft – und sie haben mir gezeigt, wie wichtig Vertrauen und Markentreue sind.“

Stabile Geschäftsmodelle statt Wachstumswagnisse
Der Kontrast zwischen Tech-Verkäufen und Medienkauf unterstreicht Buffetts aktuelle Prioritäten. Statt auf spektakuläre Zukunftsvisionen setzt er auf Geschäftsmodelle mit:
- planbaren Einnahmen
- starker Markenbindung
- hoher Preissetzungsmacht
- langfristiger Kundenloyalität
Medien mit erfolgreichem Digitalabonnement-Modell erfüllen viele dieser Kriterien. Gleichzeitig sind sie weniger kapitalintensiv als große Technologieplattformen, die Milliarden in Infrastruktur investieren müssen.
Signalwirkung für den Gesamtmarkt
Buffetts Umschichtungen werden von Marktteilnehmern als mögliches Warnsignal interpretiert. Sie deuten darauf hin, dass selbst langfristig orientierte Großinvestoren vorsichtiger gegenüber überhitzten Bewertungen und extremen Investitionsprogrammen werden.
Gleichzeitig zeigen die Käufe, dass Buffett keineswegs grundsätzlich pessimistisch ist. Er verlagert Kapital lediglich in Bereiche, die aus seiner Sicht besser kalkulierbare Erträge bieten.
Warren Buffett bleibt seinem Stil treu
Trotz seines Rückzugs von der CEO-Position bleibt Buffett als Leitfigur für Berkshire Hathaway aktiv. Sein Nachfolger wird ein Unternehmen übernehmen, das weiterhin stark von Buffetts Prinzipien geprägt ist: Geduld, Disziplin und Fokus auf Qualität.
Die jüngsten Transaktionen unterstreichen noch einmal, wofür Buffett seit Jahrzehnten steht: nicht dem Zeitgeist folgen, sondern Kapital dort einsetzen, wo langfristig solide Renditen möglich erscheinen.
