Deutsche Industrie verliert international an Boden

August 19, 2026
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Die deutsche Industrie steht auf den internationalen Märkten zunehmend unter Druck. Mehr als jedes vierte Industrieunternehmen sieht seine Wettbewerbsfähigkeit außerhalb der Europäischen Union inzwischen gefährdet. Im Juli 2026 äußerten 25,4 Prozent der befragten Unternehmen entsprechende Sorgen.

Besonders problematisch ist die Entwicklung dort, wo deutsche Unternehmen traditionell stark aufgestellt sind. Vor allem die Automobilindustrie, die Metallbranche, die Chemieindustrie und der Maschinenbau melden eine Verschlechterung ihrer Position auf Märkten außerhalb der EU.

Damit verschärft sich ein Problem, das für die exportorientierte deutsche Wirtschaft von zentraler Bedeutung ist: Wenn deutsche Produkte international an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, drohen nicht nur geringere Exportchancen. Unter Druck geraten langfristig auch Produktion, Investitionen und Arbeitsplätze.

International wird die Luft für deutsche Firmen dünner

Die aktuellen Zahlen des ifo-Instituts zeichnen ein ernüchterndes Bild. 25,4 Prozent der befragten Industrieunternehmen sehen ihre Wettbewerbsposition außerhalb der EU geschwächt.

Das bedeutet: Mehr als ein Viertel der Unternehmen betrachtet die eigene Stellung auf internationalen Märkten mit Sorge.

Besonders relevant ist dabei der Blick über die Grenzen Europas hinaus. Deutschland ist in hohem Maße von Exporten abhängig. Maschinen, Fahrzeuge, Chemieprodukte, elektrische Ausrüstung und zahlreiche industrielle Spezialprodukte werden weltweit verkauft.

Wenn Konkurrenten aus anderen Ländern günstiger produzieren oder schneller auf veränderte Marktbedingungen reagieren können, wächst der Druck auf deutsche Hersteller.

Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen, formuliert die Lage deutlich:

„Die deutsche Industrie kann auf den internationalen Märkten weiterhin keinen Boden gutmachen.“

Seine zweite Einschätzung fällt ebenfalls alarmierend aus:

„Gerade außerhalb Europas bleibt der Wettbewerbsdruck hoch.“

Automobilbranche besonders schwer getroffen

Am stärksten fällt die Verschlechterung in der Automobilindustrie aus.

Hier sehen 43,0 Prozent der Unternehmen ihre Wettbewerbsposition auf Märkten außerhalb der EU als schlechter an. Damit liegt die Branche deutlich über dem Durchschnitt der gesamten Industrie.

Die Zahl ist besonders brisant, weil die deutsche Autoindustrie zu den wichtigsten Säulen des industriellen Standorts gehört. Deutsche Hersteller und Zulieferer stehen weltweit im Wettbewerb und müssen sich gleichzeitig gegen etablierte Konkurrenten und neue Anbieter behaupten.

Dass fast jedes zweite Unternehmen der Branche eine Verschlechterung seiner internationalen Position meldet, verdeutlicht die Schärfe des Problems.

Metallindustrie ebenfalls unter erheblichem Druck

Auch die Metallerzeugung und -bearbeitung kämpft mit einer schlechteren Ausgangslage.

Hier berichten 29,1 Prozent der Unternehmen von einer Verschlechterung ihrer Wettbewerbsposition außerhalb der EU.

Die Branche ist für zahlreiche andere Industriezweige von entscheidender Bedeutung. Stahl, Metalle und verarbeitete Werkstoffe bilden die Grundlage für Fahrzeuge, Maschinen, Anlagen und zahlreiche industrielle Produkte.

Wenn Unternehmen in diesem Bereich international an Boden verlieren, kann sich der Druck über die gesamte industrielle Wertschöpfungskette ausbreiten.

Chemieindustrie verliert an Wettbewerbsstärke

In der chemischen Industrie sehen 26,0 Prozent der Unternehmen ihre Position auf internationalen Märkten außerhalb der EU geschwächt.

Damit liegt auch diese Branche über dem Durchschnitt aller befragten Industrieunternehmen.

Die deutsche Chemieindustrie ist traditionell stark exportorientiert und liefert Vorprodukte für zahlreiche andere Wirtschaftsbereiche. Eine Verschlechterung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit kann deshalb weitreichende Folgen haben.

Nicht nur Chemieunternehmen selbst sind betroffen. Auch Branchen, die auf deren Produkte und Vorleistungen angewiesen sind, können mittelbar unter einer Verschlechterung der Standortbedingungen leiden.

Maschinenbauer geraten ebenfalls ins Hintertreffen

Der Maschinenbau meldet ebenfalls wachsende Probleme. 25,5 Prozent der Unternehmen sehen ihre internationale Wettbewerbsposition außerhalb der EU schlechter als zuvor.

Damit liegt der Maschinenbau praktisch auf dem Niveau des gesamten Industriesektors.

Gerade dieser Bereich gilt als wichtiger Bestandteil der deutschen Exportwirtschaft. Hoch spezialisierte Maschinen und Anlagen aus Deutschland werden weltweit eingesetzt.

Eine sinkende Wettbewerbsfähigkeit ist deshalb besonders kritisch, weil sich Marktanteile im internationalen Maschinenbau nicht ohne Weiteres zurückgewinnen lassen.

Elektronikbranche bleibt ebenfalls nicht verschont

Auch die Hersteller von elektrischen Ausrüstungen spüren den zunehmenden Druck.

Hier berichten 24,5 Prozent der Unternehmen von einer geschwächten Wettbewerbsposition auf Märkten außerhalb der Europäischen Union.

Damit sieht auch hier nahezu jedes vierte Unternehmen seine internationale Position gefährdet.

Die Entwicklung zeigt, dass die Probleme nicht auf einen einzigen Wirtschaftszweig begrenzt sind. Unterschiedliche Teile der industriellen Wertschöpfungskette melden ähnliche Schwierigkeiten.

Europa bereitet weniger Sorgen als der Rest der Welt

Ein bemerkenswerter Unterschied zeigt sich beim Vergleich zwischen dem europäischen Binnenmarkt und Märkten außerhalb der EU.

Auf dem europäischen Markt sehen 17 Prozent der Industrieunternehmen eine Verschlechterung ihrer Wettbewerbsposition.

Außerhalb der EU liegt dieser Anteil dagegen bei 25,4 Prozent.

Die Differenz zeigt, dass der internationale Konkurrenzdruck insbesondere auf den globalen Märkten zunimmt. Deutsche Unternehmen haben dort mit Wettbewerbern zu tun, die teilweise unter völlig anderen Kosten- und Regulierungsbedingungen produzieren.

Damit verschärft sich der Druck gerade auf jene Unternehmen, die stark vom weltweiten Exportgeschäft abhängig sind.

Der Standortdruck erreicht zentrale Industriezweige

Die Zahlen des ifo-Instituts zeichnen ein breites Muster. Betroffen sind nicht nur einzelne Unternehmen, sondern mehrere Kernbereiche der deutschen Industrie.

Im Überblick:

  • 43,0 Prozent der Automobilunternehmen sehen eine Verschlechterung außerhalb der EU.
  • 29,1 Prozent melden dies in der Metallerzeugung und -bearbeitung.
  • 26,0 Prozent sind es in der chemischen Industrie.
  • 25,5 Prozent entfallen auf den Maschinenbau.
  • 24,5 Prozent melden eine Verschlechterung bei elektrischen Ausrüstungen.
  • Insgesamt sehen 25,4 Prozent der Industrieunternehmen ihre Wettbewerbsposition außerhalb der EU geschwächt.
  • Auf dem europäischen Markt liegt der entsprechende Anteil bei 17 Prozent.

Die Unterschiede zwischen den Branchen sind erheblich, doch der gemeinsame Trend ist unverkennbar.

Der globale Wettbewerb wird härter

Für die deutsche Industrie bedeutet die Entwicklung zusätzlichen Anpassungsdruck. Unternehmen müssen international nicht nur mit ihren Produkten überzeugen, sondern gleichzeitig bei Kosten, Technologie, Innovation und Produktionsgeschwindigkeit konkurrenzfähig bleiben.

Gerade außerhalb Europas entscheidet sich zunehmend, welche Industriestandorte Marktanteile gewinnen und welche verlieren.

Die Aussage von Klaus Wohlrabe, die deutsche Industrie könne international weiterhin „keinen Boden gutmachen“, macht deutlich, dass sich die Situation aus Sicht der Unternehmen bislang nicht entscheidend verbessert hat.

Der internationale Wettbewerb bleibt damit eine der größten Herausforderungen für die deutsche Industrie – und besonders außerhalb Europas scheint der Abstand zu den Konkurrenten für viele Unternehmen weiter problematisch zu sein.

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