Die Wohnungsnot in Deutschland nimmt nach Einschätzung des Deutschen Mieterbundes dramatische Ausmaße an. Rund 1,4 Millionen Wohnungen fehlen bundesweit. Gleichzeitig steigen die Wohnkosten für zahlreiche Haushalte weiter an. Was für viele Menschen zunächst wie eine Belastung des monatlichen Budgets aussieht, entwickelt sich damit zu einem Problem, das zunehmend andere Bereiche des Lebens erreicht.
Besonders brisant ist die Entwicklung bei den Sozialwohnungen. Deren Bestand ist laut Mieterbund auf lediglich rund eine Million Wohnungen und damit auf einen historischen Tiefstand gefallen. Für Haushalte mit niedrigen Einkommen wird es dadurch immer schwieriger, bezahlbaren Wohnraum zu finden.
Der Deutsche Mieterbund sieht deshalb nicht mehr ausschließlich eine Krise des Wohnungsmarktes. Nach seiner Einschätzung droht daraus eine grundlegende soziale Krise zu entstehen.
1,4 Millionen Wohnungen fehlen bundesweit
Die Zahlen aus dem aktuellen Mietenreport 2026 zeichnen ein deutliches Bild: Deutschland verfügt nicht über genügend Wohnraum, um den bestehenden Bedarf zu decken. Das Defizit von etwa 1,4 Millionen Wohnungen verschärft den Druck auf Mieterinnen und Mieter.
Wohnungssuchende treffen in vielen Regionen auf einen angespannten Markt. Wo das Angebot knapp ist, können Vermieter höhere Preise verlangen. Für Menschen, deren Einkommen nicht im gleichen Maße wächst wie die Wohnkosten, wird die Suche nach einer bezahlbaren Wohnung damit zu einer existenziellen Herausforderung.
Besonders betroffen sind Haushalte, die bereits einen großen Teil ihres verfügbaren Einkommens für die Miete ausgeben. Steigende Wohnkosten lassen ihnen immer weniger finanziellen Spielraum für andere notwendige Ausgaben.
Mieter müssen bereits bei Lebensnotwendigem sparen
Wie ernst die Situation ist, zeigen die Ergebnisse einer Umfrage, die für den Mietenreport durchgeführt wurde. 58 Prozent der Befragten gaben an, dass ihre Wohnkosten deutlich zu hoch seien oder innerhalb der vergangenen zwölf Monate gestiegen seien.
Die Konsequenzen gehen weit über den Verzicht auf Freizeit oder größere Anschaffungen hinaus. Mehr als die Hälfte der Betroffenen konnte nach eigenen Angaben weniger Geld für Rücklagen oder die private Altersvorsorge zurücklegen.
Damit trifft die Wohnkostenkrise nicht nur die Gegenwart. Wer heute gezwungen ist, seine Sparbeträge zu reduzieren, kann gleichzeitig seine finanzielle Absicherung für die Zukunft schwächen.
Gesunde Ernährung wird für manche zum Luxus
Besonders alarmierend sind die Angaben zu den Einsparungen im Alltag. Jeder vierte Betroffene spart demnach bereits bei gesunden Lebensmitteln.
Das bedeutet: Die steigenden Kosten für das Wohnen führen bei einem Teil der Bevölkerung dazu, dass selbst bei grundlegenden Bedürfnissen Abstriche gemacht werden müssen.
Noch drastischer wird die Situation beim Thema Gesundheit. 15 Prozent der Betroffenen sparen nach den Angaben des Reports bei ihrer eigenen gesundheitlichen Versorgung – beispielsweise bei Medikamenten oder Zahnersatz.
Damit wird aus einer angespannten finanziellen Situation ein Problem mit potenziell langfristigen Folgen. Wenn Menschen notwendige Ausgaben aus Kostengründen aufschieben oder reduzieren, kann sich eine finanzielle Belastung in eine gesundheitliche Belastung verwandeln.
Fast jeder Dritte fürchtet die nächste Mietzahlung
Besonders deutlich wird die Unsicherheit bei einem weiteren Wert: 29 Prozent der Mieter sorgen sich laut Report, dass sie ihre Miete künftig nicht mehr bezahlen können.
Fast drei von zehn Mietern mit entsprechenden Sorgen blicken damit nicht lediglich auf eine unangenehme Preissteigerung, sondern auf die Möglichkeit, dass die eigene Wohnung finanziell nicht mehr gehalten werden kann.
Die Angst vor steigenden Wohnkosten wird damit zu einer Frage der sozialen Sicherheit. Denn eine Wohnung ist keine beliebige Konsumausgabe, auf die sich kurzfristig verzichten lässt. Wer seine Miete nicht mehr bezahlen kann, riskiert den Verlust seines Lebensmittelpunkts.
Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt zur Miete
Die Dimension der Entwicklung wird zusätzlich dadurch deutlich, wie viele Menschen überhaupt vom Mietmarkt abhängig sind. Nach den Angaben des Mietenreports leben 52,3 Prozent der Bevölkerung in Deutschland zur Miete.
Damit betrifft die Entwicklung einen erheblichen Teil der Bevölkerung unmittelbar.
Wenn Mieten steigen und gleichzeitig nicht genügend neuer Wohnraum entsteht, verschärft sich der Wettbewerb um verfügbare Wohnungen. Besonders schwierig ist die Situation für Menschen mit geringem oder mittlerem Einkommen, die bei steigenden Preisen kaum Möglichkeiten haben, ihre finanzielle Situation kurzfristig auszugleichen.
Mieterbund fordert härteres Eingreifen der Politik
Der Deutsche Mieterbund fordert angesichts der Entwicklung politische Konsequenzen. Die Bundesregierung müsse nach Ansicht des Verbandes unter anderem Mieten stärker begrenzen und den Bau von mehr Sozialwohnungen vorantreiben.
Melanie Weber-Moritz, Präsidentin des Deutschen Mieterbundes, warnte bei der Vorstellung des Reports ausdrücklich vor den gesellschaftlichen Folgen. Der Mieterbund bezeichnet die Entwicklung als eine Situation, in der sich die Wohnungskrise zunehmend zu einer Krise des Sozialstaates ausweitet.
Die Forderung nach zusätzlichem sozialen Wohnungsbau zielt dabei auf einen zentralen Engpass: Selbst wenn insgesamt neue Wohnungen entstehen, bedeutet das nicht automatisch, dass genügend Wohnungen für Haushalte mit niedrigen Einkommen verfügbar sind.
Sozialwohnungsbestand erreicht historischen Tiefstand
Besonders problematisch ist deshalb der Rückgang des geförderten Wohnraums. Der Bestand an Sozialwohnungen liegt laut Mieterbund nur noch bei rund einer Million.
Gerade Sozialwohnungen sollen Menschen mit geringeren Einkommen vor den Auswirkungen eines vollständig angespannten Wohnungsmarktes schützen. Sinkt deren Zahl jedoch gleichzeitig mit steigenden Mieten und wachsendem Wohnungsbedarf, nimmt der Druck auf die betroffenen Haushalte weiter zu.
Die Kombination aus Wohnungsmangel, steigenden Mieten und schrumpfendem Sozialwohnungsbestand verschärft damit die Situation auf mehreren Ebenen gleichzeitig.
Wohnkosten fressen finanzielle Reserven auf
Die Folgen reichen auch in die langfristige finanzielle Planung hinein. Wenn Haushalte einen immer größeren Anteil ihres Einkommens für die Wohnung benötigen, bleiben weniger Mittel für Rücklagen, Altersvorsorge, Ernährung und Gesundheit.
Genau darin liegt die besondere Brisanz der aktuellen Entwicklung: Die Wohnkostenbelastung wirkt nicht isoliert. Sie kann andere Lebensbereiche verdrängen und die finanzielle Widerstandsfähigkeit von Haushalten schwächen.
Der jährlich erscheinende Mietenreport des Deutschen Mieterbundes soll die aktuelle Situation der Mieterinnen und Mieter in Deutschland dokumentieren. Die aktuellen Zahlen zeigen dabei einen Wohnungsmarkt, auf dem fehlender Wohnraum und steigende Belastungen für Millionen Menschen zunehmend miteinander verschmelzen.