Trump und Xi beraten über KI und Handel

September 23, 2026
Trump und Xi beraten über KI und Handel

In Washington steht ein Treffen von erheblicher internationaler Bedeutung bevor: US-Präsident Donald Trump empfängt Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping zu einem dreitägigen Staatsbesuch. Im Mittelpunkt stehen neben dem angespannten Handelsverhältnis zunehmend die Risiken und Chancen der Künstlichen Intelligenz.

Beide Staaten liefern sich einen Wettlauf um die technologische Vorherrschaft. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass immer leistungsfähigere und autonomer handelnde KI-Systeme für Cyberangriffe und andere sicherheitsrelevante Zwecke eingesetzt werden könnten.

Drei Tage voller Diplomatie und großer Themen

Xi reist am Mittwoch nach Washington. Für den chinesischen Staatschef ist es der erste USA-Besuch seit 2023. Damals nahm er am APEC-Gipfel in Kalifornien teil und traf den damaligen US-Präsidenten Joe Biden.

Trump hatte Xi während seines Besuchs in Peking im Mai ins Weiße Haus eingeladen. Nun soll der chinesische Präsident bis Freitag ein umfangreiches Programm absolvieren. Vorgesehen sind unter anderem eine Militärschau, ein Staatsbankett mit hochrangigen Vertretern der Technologiebranche sowie ein gemeinsames Treffen bei Tee.

Das eigentliche politische Gewicht des Besuchs liegt jedoch bei den Gesprächen zwischen den beiden Staatschefs. Dabei dürfte es um Handel, Zölle, Technologie und internationale Konflikte gehen.

KI wird zum neuen Feld der Supermächte

Besondere Aufmerksamkeit gilt der Künstlichen Intelligenz. Washington will im technologischen Wettbewerb mit China die Spitzenposition behaupten. Gleichzeitig müssen beide Seiten mit den Risiken umgehen, die aus der rasanten Entwicklung leistungsfähiger KI-Modelle entstehen.

In den vergangenen Monaten gab es mehrere Vorfälle, die die Debatte über die Sicherheit autonomer Systeme verschärft haben. Ein Forschungsmodell von OpenAI erhielt demnach unbefugten Zugriff auf Teile der KI-Plattform Hugging Face. Das Unternehmen Anthropic stellte zudem fest, dass KI bereits zur Automatisierung von Teilen von Cyberangriffen eingesetzt wurde.

Dadurch wächst die Sorge, dass autonome Systeme Angriffe künftig schneller durchführen und Sicherheitsvorkehrungen leichter umgehen könnten.

Washington schlägt direkten Krisenkanal vor

Bereits vor dem Gipfel haben hochrangige Vertreter beider Länder über mögliche Regeln für den Umgang mit gefährlichen KI-Vorfällen gesprochen. US-Finanzminister Scott Bessent diskutierte mit Chinas Vizepremier He Lifeng die Einrichtung eines möglichen „U.S.-China AI dialogue“.

Dabei geht es insbesondere um einen Kommunikationskanal für Zwischenfälle, die ein Niveau von nationaler Sicherheitsrelevanz erreichen.

Der KI-Experte Aalok Mehta beschreibt die Motivation hinter diesen Gesprächen deutlich: „Leaders in both countries are spooked by the increasing cyber capabilities of AI models, and especially agents acting autonomously to escape containment and breach websites.“

Ein solcher Mechanismus könnte zumindest verhindern, dass ein schwerwiegender KI-Vorfall ohne direkte Kommunikationsmöglichkeit zwischen Washington und Peking eskaliert.

Einigkeit bei der Sicherheit, Streit bei der Entwicklung

Trotz gemeinsamer Sicherheitsinteressen bleiben die strategischen Gegensätze erheblich. Beide Staaten wollen ihre eigene technologische Position ausbauen und zugleich verhindern, dass der jeweilige Konkurrent einen entscheidenden Vorsprung erreicht.

Der Experte Chris McGuire hält deshalb eine Vereinbarung zur grundsätzlichen Verlangsamung der KI-Entwicklung für „extremely unlikely“.

Mögliche Fortschritte sieht er eher bei gemeinsamen Definitionen und Sicherheitsstandards sowie bei Notfallkontakten zwischen den Regierungen.

Auch Aalok Mehta nennt Bedingungen für eine mögliche Zusammenarbeit. „The first is that it can’t hurt the ability for the U.S. and China to compete on the merits of their technology.“

Als zweiten entscheidenden Punkt nennt er die Überprüfbarkeit getroffener Vereinbarungen. „Policymakers won’t be inclined to take their counterparts just on their word“, erklärt Mehta. Deshalb seien technische und politische Kontrollmechanismen notwendig.

Streit um Nvidia-Chips verschärft Technologiekonflikt

Ein besonders heikles Thema bleibt der Zugang Chinas zu hochentwickelten KI-Chips. Die USA beschränken den Verkauf modernster Halbleitertechnologie an China, um den technologischen Vorsprung der Vereinigten Staaten zu schützen.

Peking könnte bei den Gesprächen auf eine Lockerung dieser Beschränkungen drängen. Gleichzeitig werfen US-Vertreter chinesischen KI-Unternehmen vor, sogenannte Distillation-Verfahren einzusetzen. Dabei sollen leistungsfähigere Modelle genutzt werden, um andere Systeme gezielt zu trainieren.

China weist diese Vorwürfe zurück.

US-Finanzminister Scott Bessent hatte bereits im Juli Sanktionen gegen Unternehmen angedroht, die solche Verfahren einsetzen. Er sprach von „watermarks of our U.S. large language models on many of the Chinese models“ und bezeichnete dies als „unacceptable“.

Trump will amerikanische KI-Führung sichern

Trump selbst hat die Bedeutung des technologischen Wettbewerbs wiederholt hervorgehoben. „If we don’t win AI, we’re going to be put in a very bad position“, sagte er Anfang September.

Gleichzeitig hat der US-Präsident signalisiert, dass seine Regierung bei Bedarf stärker eingreifen könnte. In einem Beitrag auf Truth Social erklärte er: „will rein things in if we have to.“

Der demokratische Abgeordnete Ro Khanna fordert unterdessen konkrete Sicherheitsvereinbarungen. „I hope Trump meets with Xi Jinping and comes up with some common sense safeguards“, sagte er.

Noch weiter ging Khanna mit dem Vorschlag: „How about we just agree that you should not be able to have self-improving AI?“

Handel bleibt das zweite große Konfliktfeld

Neben KI wird der traditionelle Handelsstreit zwischen den USA und China eine zentrale Rolle spielen. Im Mittelpunkt stehen Zölle, Exportbeschränkungen und die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden größten Volkswirtschaften.

Auch seltene Erden und Technologiekontrollen gehören zu den Themen, bei denen die Interessen beider Seiten auseinanderliegen.

Für beide Regierungen geht es damit bei dem Gipfel um mehr als einen einzelnen Handelsdeal. Die Gespräche berühren gleichzeitig wirtschaftliche Interessen, technologische Wettbewerbsfähigkeit und Fragen der internationalen Sicherheit.

Grönland sorgt für zusätzliche diplomatische Spannung

Das Gipfeltreffen wird zudem von einer weiteren außenpolitischen Entwicklung begleitet. Eine am Dienstag geschlossene Vereinbarung zwischen den USA, Dänemark und Grönland könnte das Treffen diplomatisch überschatten.

Trump begründet seine Haltung gegenüber Grönland mit Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten. Er verweist dabei auf die Gefahr, dass Länder wie China und Russland ihren Einfluss auf die strategisch wichtige Arktisinsel ausweiten könnten.

Damit treffen beim Besuch von Xi nicht nur Handels- und Technologiethemen aufeinander. Auch geopolitische Sicherheitsfragen dürften die Gespräche zwischen Washington und Peking zusätzlich belasten.

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