Bund plant neuen Schuldenrekord

September 24, 2026
Bund plant neuen Schuldenrekord

525,5 Milliarden Euro für Bundeswertpapiere

Die deutsche Staatsverschuldung erreicht neue Dimensionen. Bereits 2026 soll der Bund Bundeswertpapiere im Umfang von 525,5 Milliarden Euro ausgeben. Damit würde die bisherige Größenordnung der staatlichen Kreditaufnahme erneut übertroffen.

Auch für 2027 zeichnet sich nach Angaben der für das Schuldenmanagement zuständigen Finanzagentur des Bundes eine weitere Rekordaufnahme ab. Hinter der Entwicklung stehen mehrere Faktoren: auslaufende Altverbindlichkeiten müssen ersetzt werden, gleichzeitig steigt der Finanzierungsbedarf für den Bundeshaushalt sowie für staatliche Sondervermögen.

Die Entwicklung zeigt, wie stark sich die Finanzierung des Bundes in einer Phase deutlich höherer staatlicher Ausgaben verändert.

Hunderte Milliarden Euro müssen refinanziert werden

Ein erheblicher Teil der neuen Kreditaufnahme dient nicht dazu, zusätzliche Ausgaben zu finanzieren. Vielmehr muss der Bund bestehende Schulden ersetzen, sobald diese fällig werden.

Allein 2026 stehen Rückzahlungen von rund 309 Milliarden Euro an die Gläubiger an. Diese Verbindlichkeiten müssen über neue Finanzierungen bedient werden.

Für das darauffolgende Jahr erwartet Finanzagentur-Geschäftsführer Tammo Diemer sogar einen weiteren Anstieg. „Diese Zahl wird höher sein“, erklärte Diemer mit Blick auf den Refinanzierungsbedarf.

Damit entsteht ein beträchtlicher Teil des Finanzierungsvolumens bereits durch die Umschuldung früherer Kreditaufnahmen.

Drei Faktoren treiben die Kreditaufnahme

Nach Einschätzung der Finanzagentur lassen sich die steigenden Finanzierungsanforderungen im Wesentlichen auf drei Entwicklungen zurückführen.

  • Refinanzierung alter Schulden: Fällige Bundesanleihen und andere Verbindlichkeiten müssen durch neue Schuldtitel ersetzt werden.
  • Höhere Nettokreditaufnahme: Der eigentliche zusätzliche Finanzierungsbedarf des Bundeshaushalts nimmt ebenfalls zu.
  • Sondervermögen: Auch die Finanzierung staatlicher Sondervermögen erhöht den Kapitalbedarf des Bundes.

Die Rekordhöhe der Emissionen ist deshalb nicht ausschließlich mit neuen staatlichen Ausgaben gleichzusetzen. Ein wesentlicher Anteil entfällt auf die Rückzahlung und anschließende Refinanzierung bereits bestehender Schulden.

Deutschland fährt seine Ausgaben deutlich hoch

Parallel zur Refinanzierung alter Verbindlichkeiten befindet sich der Bund nach Einschätzung Diemers in einer Phase deutlich ausgeweiteter Staatsausgaben.

„Der Bund befindet sich in einer expansiven Phase, was seine Fiskalpolitik angeht“, sagte der Geschäftsführer der Finanzagentur.

Das Haushaltsdefizit bewegt sich demnach bei etwa drei bis vier Prozent der Wirtschaftsleistung. Für Deutschland stellt dies einen vergleichsweise hohen Wert dar.

Eine zentrale Rolle spielen dabei Investitionen in die Infrastruktur sowie höhere Ausgaben für die Verteidigung. Der Staat benötigt damit nicht nur Geld für laufende Aufgaben, sondern mobilisiert erhebliche zusätzliche Mittel für langfristige Investitionen und den Ausbau seiner Verteidigungsfähigkeit.

Infrastruktur und Verteidigung als zentrale Ausgaben

Die Ausweitung der Kreditaufnahme wird von der Finanzagentur vor allem mit den politischen Prioritäten bei Infrastruktur und Landesverteidigung in Verbindung gebracht.

Diemer argumentiert, dass die zusätzlichen Ausgaben langfristig wirtschaftliche Effekte erzeugen können. Insbesondere Investitionen in die Infrastruktur sollen die wirtschaftlichen Voraussetzungen verbessern, während höhere Verteidigungsausgaben unter anderem Aufträge für deutsche Unternehmen und die Rüstungsindustrie schaffen.

„Entscheidend ist, dass daraus nachhaltiges Wirtschaftswachstum erwächst und eben auch unsere Verteidigungsfähigkeit gesichert wird“, erklärte Diemer.

Damit verbindet die Finanzagentur die derzeit höhere Verschuldung mit der Erwartung, dass ein Teil der zusätzlichen Staatsausgaben langfristig wirtschaftliche Erträge erzeugt.

Höhere Schulden trotz bester Bonitätsnote

Die zunehmende Verschuldung hat bislang nicht dazu geführt, dass Deutschland seine höchste Bonitätsbewertung verliert. Die Ratingagentur Scope bestätigte die deutsche Kreditwürdigkeit mit der Bestnote AAA.

Diemer sieht in den Investitionen zudem einen möglichen positiven Effekt auf die langfristige Bewertung der Bundesrepublik. „Insofern sind das Ziele, die nachvollziehbar sind, die wichtig sind, die auch für unsere Zukunftsfähigkeit wichtig sind und die letztlich natürlich auch die Kreditwürdigkeit des Bundes stärken“, sagte er.

Gleichzeitig steigen mit der höheren Verschuldung auch die finanziellen Belastungen durch Zinsen. Je größer der Schuldenbestand wird, desto stärker hängt die künftige Haushaltsbelastung von den jeweiligen Finanzierungskosten ab.

Schuldenquote soll bis 2031 deutlich steigen

Auch bei der Schuldenquote zeichnet sich eine erhebliche Veränderung ab. Ende 2025 lag die deutsche Schuldenquote bei 63,5 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Bis 2031 könnte sie auf 73,9 Prozent steigen. Damit würde Deutschland einen beträchtlichen Anstieg verzeichnen, allerdings weiterhin unter dem historischen Krisenwert von 81 Prozent aus dem Jahr 2010 bleiben.

Die Entwicklung verdeutlicht zugleich den Unterschied zwischen der absoluten Höhe neuer Kredite und der Schuldenquote. Entscheidend für Letztere ist nicht nur die Neuverschuldung, sondern auch die Entwicklung der Wirtschaftsleistung.

Rekordaufnahme wird zum neuen Normalfall

Mit den geplanten 525,5 Milliarden Euro an Bundeswertpapier-Emissionen im Jahr 2026 erreicht die staatliche Kreditaufnahme einen neuen Höchststand. Für 2027 wird bereits mit einer weiteren Steigerung gerechnet.

Neben der Finanzierung neuer staatlicher Vorhaben bleibt dabei die Refinanzierung bestehender Schulden ein wesentlicher Bestandteil des Finanzierungsbedarfs. Gleichzeitig erhöhen Infrastrukturprogramme, Verteidigungsausgaben und Sondervermögen den zusätzlichen Kapitalbedarf des Bundes.

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