Drei neue Gemeinschaftsunternehmen geplant
Volkswagen vertieft seine Zusammenarbeit mit dem chinesischen Batteriehersteller Gotion. Beide Unternehmen wollen ihre Aktivitäten rund um Batteriezellen und wichtige Vormaterialien in Europa und Nordafrika stärker miteinander verzahnen. Dafür sind drei Gemeinschaftsunternehmen in Spanien, der Slowakei und Marokko vorgesehen.
Die entsprechenden Vereinbarungen wurden nach Angaben der beteiligten Unternehmen unterzeichnet. Allerdings stehen die Pläne teilweise noch unter dem Vorbehalt der erforderlichen behördlichen Genehmigungen.
Im Mittelpunkt steht der Aufbau einer stärker integrierten Batterieproduktion. Volkswagen will damit seine Position in einem für Elektrofahrzeuge entscheidenden Technologiebereich ausbauen, während Gotion seine Präsenz auf dem europäischen Markt erweitern kann.

Batteriestandorte werden neu organisiert
In Valencia in Spanien soll die derzeit entstehende Batteriezellfabrik der Volkswagen-Batteriesparte PowerCo in ein gemeinsames Unternehmen eingebracht werden. Auch die Gotion-Fabrik im slowakischen Surany soll künftig Teil eines Joint Ventures sein.
In Marokko planen Volkswagen und Gotion darüber hinaus eine neue Produktionsstätte für Materialien, die zur Herstellung von Batteriezellen benötigt werden.
Die drei Gesellschaften sollen gemeinsam von den Partnern geführt werden. Damit entsteht eine Struktur, bei der Volkswagen und Gotion ihre jeweiligen technologischen, finanziellen und industriellen Stärken zusammenführen.
Hunderte Millionen für Slowakei und Marokko
Volkswagen will für die Beteiligungen erhebliche Mittel bereitstellen. Die Batteriesparte PowerCo plant, bis 2030 rund 470 Millionen Euro in die Standorte in der Slowakei und in Marokko zu investieren.
Im Gegenzug soll PowerCo jeweils 49 Prozent an den dortigen Gemeinschaftsunternehmen erwerben.
Gotion wiederum will rund 1,1 Milliarden Euro in das spanische Projekt investieren. Dafür soll der chinesische Konzern ebenfalls 49 Prozent an dem Unternehmen erhalten, das die Batteriefabrik in Valencia betreiben soll.
Damit fließen insgesamt rund 1,57 Milliarden Euro in die drei geplanten Beteiligungen.
VW erhält Zugang zu Batterietechnik
Für Volkswagen geht es bei der Kooperation nicht allein um eine Aufteilung von Investitionskosten. Der Konzern erwartet auch einen schnelleren Zugang zu bestimmten Technologien für Batterien.
Thomas Schmall, Technikvorstand von Volkswagen und Aufsichtsratschef von PowerCo, beschreibt das Ziel der Kooperation mit den Worten: „Wir wollen Technologiestärkung bei gleichzeitiger finanzieller Entlastung“.
Schmall bezeichnete das Vorhaben zudem als „Win-win-Situation“ für beide Unternehmen. Volkswagen könne seine technologischen Möglichkeiten erweitern, während Gotion einen besseren Zugang zum europäischen Markt erhalte.
Aus Sicht von Volkswagen stellt die Vereinbarung damit einen wichtigen Schritt beim Aufbau einer wettbewerbsfähigen Batterieindustrie in Europa dar.
Marokko soll Versorgung absichern
Eine besondere strategische Bedeutung kommt dem geplanten Werk in Marokko zu. Dort soll Material für die Herstellung von Batteriezellen produziert werden.
Nach den Angaben von Schmall könnte die Anlage zu den wenigen Fabriken für sogenanntes Kathodenmaterial außerhalb Chinas gehören.
Kathodenmaterial ist ein wesentlicher Bestandteil moderner Batteriezellen. Eine eigene Produktionsbasis außerhalb Chinas kann deshalb für die Versorgungssicherheit der europäischen Batterieindustrie eine wichtige Rolle spielen.
Volkswagen will seine Abhängigkeit von einzelnen Lieferketten verringern und gleichzeitig die verschiedenen Stufen der Batterieproduktion enger miteinander verbinden.
Valencia steht im Zentrum des Projekts
Das Werk in Valencia nimmt innerhalb der neuen Struktur eine zentrale Position ein. Die dort entstehende PowerCo-Fabrik wird in das gemeinsame Unternehmen mit Gotion eingebracht.
Gotion beteiligt sich mit rund 1,1 Milliarden Euro und übernimmt dafür 49 Prozent.
Die Zusammenarbeit soll nach den Vorstellungen von Volkswagen auch dazu beitragen, die Industrialisierung der Batteriezellproduktion schneller voranzutreiben.
Der Standort soll dabei als wichtiger Bestandteil des europäischen Batteriegeschäfts des Konzerns dienen.
Produktionsstart in der Slowakei abhängig von Valencia
Auch das Werk im slowakischen Surany ist Bestandteil der Vereinbarung. Allerdings soll die dortige Produktion nach den Angaben von Schmall erst anlaufen, wenn die Fabrik in Valencia vollständig ausgelastet ist.
Damit wird die Reihenfolge der geplanten Produktionsentwicklung deutlich: Zunächst soll die Kapazität in Spanien genutzt und hochgefahren werden, anschließend soll die slowakische Anlage ihren Betrieb aufnehmen.
Für Volkswagen und Gotion bietet dieses Vorgehen die Möglichkeit, die vorhandenen Produktionskapazitäten schrittweise auszubauen.
PowerCo baut eigenes Batteriegeschäft auf
Volkswagen hatte seine Batteriesparte PowerCo im Jahr 2022 gegründet. Sie bündelt innerhalb des Konzerns unter anderem die Entwicklung und Herstellung von Batteriezellen.
Ein wichtiger Schritt wurde Ende 2025 erreicht. In Salzgitter nahm die erste PowerCo-Fabrik die Produktion auf.
Ein weiteres Werk entsteht im kanadischen St. Thomas. Beide Standorte sind von der jetzt vereinbarten Zusammenarbeit mit Gotion ausdrücklich ausgenommen.
Damit verfolgt Volkswagen mehrere Produktionsprojekte parallel und baut gleichzeitig seine internationale Batteriepräsenz aus.
Zusammenarbeit zwischen VW und Gotion besteht seit Jahren
Die Verbindung zwischen Volkswagen und Gotion ist nicht neu. Der deutsche Autokonzern stieg bereits 2020 bei dem chinesischen Batteriehersteller ein und ist dessen größter Aktionär.
Gotion unterstützte Volkswagen zudem beim Aufbau der Batteriezellproduktion in Salzgitter.
Die nun vereinbarte Zusammenarbeit geht jedoch deutlich über die bisherige Kooperation hinaus. Mit den drei Gemeinschaftsunternehmen sollen Produktion, Technologie und Lieferketten über mehrere Länder hinweg miteinander verbunden werden.
Für Volkswagen entsteht dadurch ein breiter aufgestelltes Batteriegeschäft, das von der Entwicklung und den benötigten Materialien bis zur Herstellung der Batteriezellen reicht.
Batterie-Wertschöpfungskette im Blick
Nach Einschätzung von Schmall deckt Volkswagen mit der neuen Struktur als erster europäischer Autohersteller die gesamte Batterie-Wertschöpfungskette ab – von der Entwicklung über Vormaterialien bis zur Produktion von Batteriezellen.
Die geplanten Standorte in Spanien, der Slowakei und Marokko sollen dabei unterschiedliche Funktionen übernehmen.
Gleichzeitig bleibt die Zusammenarbeit mit Gotion ein wichtiger Bestandteil der Strategie. Volkswagen bringt Kapital, industrielle Infrastruktur und seinen Zugang zum europäischen Automobilmarkt ein. Gotion steuert Batterietechnologie und zusätzliche Investitionen bei.