Edeka übernimmt Tegut-Märkte 

September 30, 2026
Edeka übernimmt Tegut-Märkte

178 Filialen wechseln den Betreiber

Die geplante Übernahme zahlreicher Tegut-Märkte durch Edeka sorgt in der deutschen Lebensmittelbranche für eine kontroverse Debatte. Das Bundeskartellamt hat den Zusammenschluss zwar grundsätzlich genehmigt, den Umfang der Übernahme jedoch begrenzt.

Edeka darf zunächst 178 Tegut-Filialen übernehmen. Das sind 24 Märkte weniger als ursprünglich vorgesehen. Nach Einschätzung der Wettbewerbshüter reichen die vorgenommenen Einschränkungen aus, um mögliche Nachteile für Verbraucher in den betroffenen Regionen zu vermeiden.

Die Transaktion betrifft damit einen weiteren wichtigen Schritt im Umbau des deutschen Lebensmitteleinzelhandels. Branchenexperten sehen gleichzeitig die Gefahr, dass sich die Marktmacht der größten Handelsunternehmen weiter konzentriert.

Monopolkommission warnt vor weniger Wettbewerb

Besonders kritisch äußert sich die Monopolkommission. Ihr Präsident Tomaso Duso sieht den Rückzug eines weiteren eigenständigen Händlers aus dem Markt mit Sorge.

„Für den Wettbewerb ist es schmerzlich, dass ein weiterer Händler vom Markt verschwindet“, erklärte Duso.

Seiner Einschätzung zufolge müssen die zuständigen Behörden die Entwicklung der großen Handelsunternehmen besonders genau beobachten. „Die Behörden werden jetzt noch intensiver darauf achten müssen, dass die großen Vier die Preise nicht hochtreiben oder Innovationen verhindern.“

Mit den sogenannten großen Vier sind Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe gemeint. Zur Schwarz-Gruppe gehören unter anderem Lidl und Kaufland.

Die Monopolkommission verweist darauf, dass diese vier Unternehmensgruppen bereits heute mehr als 90 Prozent der Umsätze im deutschen Lebensmitteleinzelhandel auf sich vereinen.

Edeka verteidigt die Übernahme

Edeka weist die Kritik zurück und verweist auf die umfassende Prüfung durch das Bundeskartellamt.

Ein Unternehmenssprecher erklärte: „Das Bundeskartellamt hat die Übernahme in jedem einzelnen regionalen Absatzmarkt sorgfältigst geprüft und für alle freigegebenen Tegut-Filialen festgestellt, dass der Wettbewerb in ihrem Umfeld nicht beeinträchtigt wird.“

Nach Darstellung des Unternehmens seien bei der Prüfung sogar strengere Maßstäbe angewandt worden als in früheren Verfahren.

Für Edeka geht es neben Marktanteilen auch um die Sicherung von Arbeitsplätzen. „Mit der Übernahme sichern wir rund 3.700 Arbeits- und Ausbildungsplätze und erhalten die wohnortnahe Nahversorgung“, betonte der Sprecher.

Damit stellt Edeka vor allem die regionalen Auswirkungen der Transaktion in den Mittelpunkt.

Weitere Tegut-Bereiche wechseln ebenfalls

Zum vereinbarten Übernahmepaket gehören nicht ausschließlich Supermärkte. Edeka soll auch das Tegut-Logistikzentrum in Hünfeld-Michelsrombach übernehmen.

Hinzu kommen die Bäckerei Herzberger sowie 41 personallose Teo-Minimärkte.

Tegut verfügt in Deutschland insgesamt über rund 300 Standorte. Die nun genehmigte Übernahme umfasst somit einen erheblichen Teil des bisherigen Filialnetzes, während für andere Märkte weiterhin nach Lösungen gesucht werden muss.

Die Schweizer Migros Zürich, zu deren Unternehmensgruppe Tegut seit 2013 gehört, hatte bereits im März angekündigt, sich von der deutschen Supermarktkette trennen zu wollen.

Wettbewerb im Lebensmittelhandel konzentriert sich

Die Kritik der Monopolkommission richtet sich nicht ausschließlich gegen den konkreten Tegut-Verkauf. Im Mittelpunkt steht vielmehr die langfristige Entwicklung des gesamten deutschen Lebensmittelhandels.

Nach Angaben des Gremiums liegen bereits heute mehr als 90 Prozent des Branchenumsatzes bei den vier größten Handelsgruppen. Dadurch befindet sich ein zentraler Bereich der täglichen Versorgung in den Händen vergleichsweise weniger Unternehmen.

Duso formulierte es so: „Ein zentraler Bereich der Versorgung in Deutschland ist damit in den Händen von nur vier Unternehmen“.

Besonders problematisch könne die Situation nach Einschätzung der Monopolkommission für kleinere und mittlere Lieferanten werden. Diese seien in hohem Maße auf die großen Handelskonzerne angewiesen und könnten deshalb davor zurückschrecken, sich gegen mögliche Forderungen der Händler zu wehren.

Bundeskartellamt sieht keine kollektive Beherrschung

Das Bundeskartellamt bewertet die Wettbewerbslage differenzierter. Die hohe Konzentration allein sei nach Auffassung der Behörde kein ausreichender Grund, um einen Zusammenschluss kartellrechtlich zu untersagen.

Präsident Andreas Mundt hatte bereits Ende Juli erklärt: „Auch lässt sich hieraus allein nicht ableiten, dass die vier großen Handelskonzerne den Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland kollektiv beherrschen“.

Die bisherigen Ermittlungen hätten zudem keine Hinweise auf einen fehlenden wirksamen Wettbewerb ergeben.

Damit stehen sich zwei unterschiedliche Betrachtungen gegenüber: Die Monopolkommission warnt vor einer zunehmenden Konzentration und möglichen Folgen für Verbraucher und Lieferanten. Das Kartellamt beurteilt dagegen konkret, ob einzelne Zusammenschlüsse den Wettbewerb in den jeweiligen regionalen Märkten beeinträchtigen.

Rewe wartet auf Entscheidung

Edeka ist nicht das einzige Unternehmen, das sich für Tegut-Filialen interessiert. Auch andere Handelsketten wollen Standorte übernehmen und weiterführen.

Die Smart-Store-Kette Tante Enso erhielt bereits im Juni die Freigabe für die Übernahme von 36 Supermärkten.

Noch offen ist dagegen der Antrag der Rewe-Gruppe. Rewe möchte nach den bisherigen Plänen bis zu 40 Tegut-Filialen übernehmen. Eine Entscheidung der Wettbewerbsbehörden steht hierzu noch aus.

Damit ist weiterhin nicht abschließend geklärt, welche Betreiber die übrigen Tegut-Standorte übernehmen werden.

Tegut steht vor dem Ende als eigenständige Marke

Die Geschichte des Unternehmens reicht weit zurück. Tegut wurde 1947 in Fulda gegründet und gehört seit 2013 zur Schweizer Migros-Gruppe.

Heute ist die Supermarktkette in sechs Bundesländern vertreten. Der Schwerpunkt des Filialnetzes liegt in Hessen.

Nach Angaben von Migros beschäftigt Tegut insgesamt knapp 7.500 Menschen. Mit dem Verkauf der Standorte steht nun auch das Ende der Marke in ihrer bisherigen Form bevor.

Während Edeka bereits einen großen Teil des Filialnetzes übernehmen darf und Rewe sowie weitere Anbieter um andere Standorte konkurrieren, bleibt damit insbesondere die weitere Entwicklung der noch nicht vergebenen Märkte offen.

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