Die USA machen einen wichtigen Schritt beim Ausbau der Kernenergie. Die amerikanische Atomaufsichtsbehörde NRC (Nuclear Regulatory Commission) hat die Errichtung des ersten kommerziellen Small Modular Reactor (SMR) des Landes genehmigt. Gebaut werden soll die Anlage am Standort Clinch River im Roane County im Bundesstaat Tennessee.
Hinter dem Projekt steht die Tennessee Valley Authority (TVA). Das Unternehmen plant dort einen neuartigen Kernreaktor mit einer Leistung von 300 Megawatt. Zum Einsatz kommen soll ein Siedewasserreaktor von GE Vernova Hitachi Nuclear Energy.

300 Megawatt für steigenden Strombedarf
Mit dem geplanten Reaktor will die TVA auf den wachsenden Energiebedarf in der Region reagieren. Die Anlage soll Strom erzeugen, indem die bei der Kernspaltung entstehende Wärme Wasser direkt im Reaktordruckbehälter zum Sieden bringt.
Der dabei entstehende Dampf treibt anschließend eine Turbine an. Diese wandelt die mechanische Energie in elektrische Energie um. Anders als bei konventionellen Kraftwerken entsteht der Strom dabei ohne Verbrennung fossiler Energieträger.
Die geplante Leistung von 300 Megawatt liegt deutlich unter der Kapazität vieler klassischer Großreaktoren. Genau diese geringere Größe ist ein wesentliches Merkmal sogenannter Small Modular Reactors.
Aufwendige Prüfung über 14 Monate
Der Genehmigung ging ein umfangreiches Prüfverfahren voraus. Nach Angaben der NRC dauerte die Überprüfung des Bauantrags 14 Monate.
Für die amerikanische Atomaufsicht ist die Entscheidung zugleich die zweite bedeutende Reaktorgenehmigung des Jahres 2026. Mit der nun erteilten Baugenehmigung kann die TVA den nächsten Schritt bei der Realisierung des Projekts einleiten.
Die NRC erklärte dazu: „TVA plans to build a 300-megawatt GE Vernova Hitachi boiling-water reactor to help meet growing regional power demand.“
Damit steht insbesondere die Versorgung einer Region im Mittelpunkt, in der der Strombedarf nach Einschätzung der Projektverantwortlichen weiter zunimmt.
Baubeginn bedeutet noch keinen Betriebsstart
Die erteilte Genehmigung berechtigt allerdings noch nicht dazu, den Reaktor in Betrieb zu nehmen.
Bevor Brennstoff in die Anlage geladen werden darf und die Stromproduktion beginnen kann, benötigt die TVA eine separate Betriebsgenehmigung der NRC. Zwischen der Genehmigung für den Bau und der tatsächlichen Inbetriebnahme liegen daher weitere Prüfungen und regulatorische Schritte.
Die amerikanische Atomaufsicht weist ausdrücklich darauf hin, dass zunächst die bauliche Umsetzung des Projekts im Mittelpunkt steht. Erst danach kann über die Voraussetzungen für den späteren Betrieb entschieden werden.
Standort bereits seit Jahren vorbereitet
Der Standort am Clinch River ist für die amerikanische Kernenergiepolitik nicht neu. Die TVA erhielt bereits 2019 eine sogenannte frühzeitige Standortgenehmigung für das Gelände.
Damit konnten grundlegende Voraussetzungen für eine spätere nukleare Anlage an diesem Standort bereits vorab geprüft und genehmigt werden. Die nun erteilte Baugenehmigung stellt einen weiteren konkreten Schritt auf dem Weg zum geplanten SMR dar.
Für das Projekt bedeutet dies, dass die Standortfrage nicht mehr im Mittelpunkt des aktuellen Genehmigungsverfahrens steht. Stattdessen geht es nun um die konkrete Errichtung des vorgesehenen Reaktors.
Siedewasserreaktor als technisches Konzept
Der geplante Reaktor basiert auf dem Prinzip eines Siedewasserreaktors. Bei diesem Reaktortyp wird die Wärme aus der kontrollierten Kernspaltung genutzt, um Wasser direkt innerhalb des Reaktors zu erhitzen.
Der entstehende Wasserdampf wird anschließend unmittelbar zur Turbine geleitet. Dort wird die Energie des Dampfes in elektrische Energie umgewandelt.
Das von GE Vernova Hitachi entwickelte Konzept gehört damit zu einer Reaktorfamilie, die auf einem seit Jahrzehnten bekannten technischen Grundprinzip aufbaut. Die Besonderheit des geplanten Projekts liegt vor allem in der kleineren und modularen Auslegung.
SMR-Technologie gewinnt an Bedeutung
Small Modular Reactors gelten in mehreren Ländern als mögliche Ergänzung zu großen Kernkraftwerken. Befürworter setzen dabei insbesondere auf kleinere Leistungseinheiten und standardisierte Bauweisen.
Das Tennessee-Projekt besitzt deshalb auch über die konkrete Anlage hinaus Bedeutung. Mit der Genehmigung erhält ein kommerzielles SMR-Vorhaben in den USA einen weiteren wichtigen regulatorischen Meilenstein.
Gleichzeitig ist der Reaktor noch nicht fertiggestellt. Zwischen dem jetzt genehmigten Bau und der späteren Stromproduktion stehen weitere technische, regulatorische und organisatorische Schritte.
Zweite wichtige Reaktorentscheidung 2026
Für die NRC ist das Projekt am Clinch River bereits die zweite große Reaktorentscheidung im Jahr 2026. Die Behörde setzt damit ihre Prüfung neuer Kernenergieprojekte fort.
Für die TVA steht dagegen zunächst die Errichtung der Anlage im Mittelpunkt. Erst nach einer weiteren Prüfung und einer zusätzlichen Betriebslizenz darf der Reaktor mit Brennstoff beladen und anschließend in Betrieb genommen werden.
Die Genehmigung markiert damit den Übergang von der langjährigen Standort- und Planungsphase zu einem konkreteren Bauvorhaben.