Bund blockiert Verkauf von Zippel an Cosco

Oktober 7, 2026
Bund blockiert Verkauf von Zippel an Cosco

Die Bundesregierung hat die geplante Übernahme der Hamburger Zippel-Gruppe durch die chinesische Staatsreederei Cosco untersagt. Ausschlaggebend waren nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums sicherheitspolitische Erwägungen. Die Regierung sieht die Gefahr, dass ein Verkauf des Logistikunternehmens an den chinesischen Konzern bestehende Abhängigkeiten verstärken und wichtige Lieferketten in Deutschland und der Europäischen Union anfälliger machen könnte.

Damit greift der Bund erneut in eine geplante chinesische Beteiligung an deutscher Infrastruktur ein. Schon der Einstieg von Cosco am Hamburger Containerterminal Tollerort hatte vor einigen Jahren eine intensive politische Debatte ausgelöst.

Regierung sieht Risiken für Lieferketten

Das Bundeswirtschaftsministerium begründete die Entscheidung ausdrücklich mit Sicherheitsinteressen. In der Mitteilung hieß es: „Grund für die Untersagung sind Sicherheitsbedenken.“

Nach Einschätzung der Bundesregierung hätte eine Übernahme der Zippel-Gruppe durch Cosco die Abhängigkeit von einem chinesischen Staatskonzern in einem strategisch bedeutsamen Bereich weiter vergrößert. Besonders im Blick stehen dabei Transportketten zwischen deutschen Seehäfen, Industriezentren und europäischen Absatzmärkten.

Das Ministerium betonte zugleich, dass Deutschland ausländischen Investitionen grundsätzlich offen gegenüberstehe. Als größte Volkswirtschaft Europas sei das Land auf internationalen Kapitalverkehr angewiesen. Die Behörde stellte jedoch klar: „Gleichzeitig kann es Investitionen geben, die die Sicherheit des Landes gefährden.“

Als nächster formaler Schritt soll ein sogenannter Untersagungsbescheid erlassen werden.

Zippel verbindet Häfen mit Ostdeutschland

Die Zippel-Gruppe nimmt im deutschen Güterverkehr eine besondere Rolle ein. Das Unternehmen befördert Container sowie Stückgut von den großen Seehäfen Hamburg und Bremerhaven zu Wirtschafts- und Handelsstandorten in Ostdeutschland sowie in andere europäische Länder.

Als Stückgut gelten unter anderem Paletten, Maschinen und Möbel. Hamburg und Bremerhaven sind gemessen am Güterumschlag die wichtigsten deutschen Seehäfen und damit zentrale Knotenpunkte für die internationale Versorgung von Industrie und Handel.

Nach eigenen Angaben beschäftigt Zippel rund 350 Mitarbeiter.

Besonders stark ist das Unternehmen an mehreren Binnenstandorten vertreten. An Terminals in Berlin, Schkopau in Sachsen-Anhalt und Elsterwerda in Brandenburg soll Zippel auf Umschlagsanteile zwischen 35 und 90 Prozent kommen. Damit besitzt die Gesellschaft in einzelnen Regionen eine erhebliche Bedeutung für den Weitertransport von Waren.

Cosco wollte 80 Prozent übernehmen

Die geplante Transaktion sah vor, dass Cosco 80 Prozent der Anteile an Zippel übernimmt. Geschäftsführer Axel Plaß wollte die übrigen 20 Prozent behalten und weiterhin an der Spitze des Unternehmens stehen.

Plaß zeigte sich nach der Entscheidung der Bundesregierung enttäuscht. Er erklärte wörtlich: „Wir hätten uns ein anderes Ergebnis gewünscht und halten unsere unternehmerische Entscheidung nach wie vor für richtig.“

Nach seinen Angaben hat die Untersagung zunächst keine unmittelbaren Auswirkungen auf den laufenden Betrieb. Das Tagesgeschäft werde fortgesetzt, für Kunden und Beschäftigte ändere sich nichts.

Während der staatlichen Prüfung hatte Plaß die geplante Beteiligung bereits verteidigt. Damals sagte er: „Das Geschäft bleibt in Hamburg, alle Arbeitsplätze werden erhalten.“ Nach seiner Darstellung sollte der Einstieg von Cosco dazu beitragen, zusätzliche Ladungsmengen für das Unternehmen zu gewinnen und bestehende Transporte langfristig zu sichern.

Cosco zählt zu den größten Reedereien der Welt

Cosco gehört zu den bedeutendsten Linienreedereien im internationalen Containerverkehr. Gemessen am Transportvolumen belegt der Konzern weltweit Rang vier und liegt damit noch vor der größten deutschen Reederei Hapag-Lloyd.

Die chinesische Unternehmensgruppe läuft regelmäßig deutsche Häfen an und ist bereits direkt an deutscher Hafeninfrastruktur beteiligt.

Am Containerterminal Tollerort in Hamburg hält Cosco einen Anteil von 24,99 Prozent. Diese Beteiligung hatte bereits 2022 zu erheblichen Spannungen innerhalb der Bundesregierung geführt.

Ursprünglich beabsichtigte Cosco, 35 Prozent des Terminals zu erwerben. Nach politischen Auseinandersetzungen wurde der Anteil jedoch auf weniger als 25 Prozent begrenzt. Der entsprechende Vertrag wurde schließlich im Juni 2023 unterzeichnet.

Hamburger Terminaldeal bleibt politischer Präzedenzfall

Der Streit um Tollerort hat die Diskussion über chinesische Investitionen in kritische Infrastruktur maßgeblich geprägt. Die damalige Entscheidung machte deutlich, wie schwierig die Abwägung zwischen wirtschaftlichen Interessen und sicherheitspolitischen Risiken geworden ist.

Bei einem Anteil unter 25 Prozent erhielt Cosco keine umfassenden Kontrollrechte. Dennoch sorgte die Beteiligung für Kritik, weil chinesische Staatsunternehmen weltweit verstärkt in Häfen und Logistiknetze investieren.

Die nun untersagte Zippel-Übernahme wäre deutlich weitergegangen. Mit 80 Prozent hätte Cosco die klare Mehrheit an einem deutschen Logistikunternehmen erhalten, das Verbindungen zwischen den größten deutschen Seehäfen und wichtigen Binnenstandorten organisiert.

China baut Hafenpräsenz in Europa aus

Cosco ist nicht nur in Deutschland aktiv. Der Konzern ist auch an Hafen- und Terminalgesellschaften in mehreren europäischen Staaten beteiligt, darunter Griechenland, Spanien und Belgien.

Besonders große strategische Bedeutung besitzt der griechische Hafen Piräus. Von dort aus werden große Mengen chinesischer Waren in verschiedene Teile Europas weitertransportiert. Der Hafen gilt seit Jahren als wichtiger Baustein der chinesischen Wirtschafts- und Handelsstrategie auf dem europäischen Kontinent.

Piräus dient zugleich als logistisches Tor zu zahlreichen Märkten in Südost- und Osteuropa. Der Ausbau chinesischer Positionen in europäischen Häfen wird deshalb nicht nur wirtschaftlich, sondern zunehmend auch geopolitisch betrachtet.

Kartellamt hatte keine Wettbewerbsbedenken

Interessant ist, dass die geplante Zippel-Übernahme bereits eine andere staatliche Prüfung bestanden hatte. Das Bundeskartellamt hatte dem Vorhaben im Februar grundsätzlich zugestimmt.

Kartellamtspräsident Andreas Mundt erklärte damals: „Aus wettbewerblicher Sicht bestehen gegen das Vorhaben keine Bedenken.“

Die Behörde argumentierte, dass Zippel lediglich einen relativ kleinen Teil des gesamten Frachtvolumens in Hamburg und Bremerhaven bewege. Eine erhebliche Einschränkung des Wettbewerbs sei deshalb nicht zu erwarten.

Die Prüfung des Bundeskartellamts unterscheidet sich jedoch grundlegend von der Investitionskontrolle der Bundesregierung. Während die Kartellbehörde Wettbewerb und Marktstrukturen untersucht, stehen beim Wirtschaftsministerium öffentliche Ordnung, nationale Sicherheit und strategische Abhängigkeiten im Mittelpunkt.

Verfassungsschutz äußerte frühzeitig Bedenken

Im Laufe des Prüfverfahrens wurden auch Vorbehalte des Bundesamts für Verfassungsschutz bekannt. Der Inlandsnachrichtendienst hatte seine Bedenken schriftlich gegenüber den zuständigen Stellen vorgebracht.

Im Zentrum standen demnach die „kumulativen Erwerbsvorhaben“ des chinesischen Staatskonzerns in Deutschland und anderen Staaten der Europäischen Union.

Dabei geht es weniger um eine einzelne Beteiligung als vielmehr um die Frage, welche Folgen entstehen können, wenn ein staatlich kontrollierter ausländischer Konzern schrittweise Positionen an mehreren Teilen derselben Liefer- und Infrastrukturkette aufbaut.

Nur wenige Übernahmen werden tatsächlich untersagt

Die Bundesregierung kann den Erwerb deutscher Unternehmen durch ausländische Investoren überprüfen, wenn mögliche Gefahren für die öffentliche Ordnung oder die Sicherheit bestehen.

Nach Regierungsangaben werden jährlich im Durchschnitt etwa 300 Fälle einer solchen Prüfung unterzogen. Tatsächlich untersagt wurde ein Kauf bislang lediglich in acht Fällen.

Die geringe Zahl zeigt, dass ein vollständiges Verbot weiterhin eine Ausnahme darstellt. Im Fall der Zippel-Gruppe kam die Bundesregierung jedoch zu dem Ergebnis, dass die sicherheitspolitischen Risiken schwerer wiegen als die wirtschaftlichen Vorteile der geplanten Transaktion.

Verkauf war seit Ende 2025 bekannt

Die Übernahmepläne waren bereits Ende des vergangenen Jahres öffentlich geworden. Der Hintergrund war, dass sich der Geschäftspartner von Axel Plaß aus dem Unternehmen zurückziehen wollte.

Daraufhin wurde Cosco als möglicher Mehrheitsinvestor ins Spiel gebracht. Plaß plante, selbst mit 20 Prozent beteiligt zu bleiben und weiterhin Geschäftsführer zu sein.

Mit der Entscheidung des Bundes ist dieses Modell nun vorerst gescheitert. Die Zippel-Gruppe bleibt unabhängig von Cosco und führt nach Angaben ihrer Geschäftsleitung den laufenden Betrieb mit ihren rund 350 Beschäftigten unverändert fort.

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