Eine aktuelle Befragung zur möglichen politischen Zukunft der Union zeigt deutliche Unterschiede zwischen Hendrik Wüst und Markus Söder. Während der nordrhein-westfälische Ministerpräsident bei der Frage nach der Eignung für das Kanzleramt vergleichsweise gut abschneidet, fällt die Bewertung des bayerischen Regierungschefs erheblich kritischer aus. Gleichzeitig besitzt Söder weiterhin den klar höheren Bekanntheitsgrad.
Wüst erreicht deutlich bessere Eignungswerte
Nach den Ergebnissen des RTL/ntv-Trendbarometers trauen 47 Prozent derjenigen Befragten, die Hendrik Wüst kennen, dem CDU-Politiker grundsätzlich das Amt des Bundeskanzlers zu. Damit erreicht der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen einen deutlich höheren Wert als Markus Söder.
Beim CSU-Vorsitzenden liegt der entsprechende Anteil lediglich bei 26 Prozent. Somit fällt der Abstand zwischen beiden Politikern bei der wahrgenommenen Kanzlertauglichkeit erheblich aus.
Die Zahlen beziehen sich jeweils auf jene Befragten, denen die Politiker bekannt sind. Dadurch wird nicht allein die allgemeine Popularität gemessen, sondern vor allem die Frage, wie Bürgerinnen und Bürger eine mögliche Eignung für das höchste Regierungsamt einschätzen.
Söder besitzt den größeren Bekanntheitsvorsprung
In einem anderen Punkt liegt Markus Söder jedoch deutlich vor seinem möglichen Konkurrenten. 95 Prozent der Befragten gaben an, den bayerischen Ministerpräsidenten zu kennen. Damit verfügt Söder über einen nahezu flächendeckenden Bekanntheitsgrad.
Bei Hendrik Wüst lag dieser Wert bei 75 Prozent. Immerhin jeder vierte Befragte kannte den nordrhein-westfälischen Regierungschef demnach nicht.
Dieser Unterschied ist für die politische Bewertung von Bedeutung. Söder gehört seit Jahren zu den prominentesten Politikern der Union und tritt regelmäßig bundespolitisch in Erscheinung. Wüst ist dagegen bislang stärker mit der Landespolitik Nordrhein-Westfalens verbunden, auch wenn seine Rolle innerhalb der CDU zunehmend über das Bundesland hinaus wahrgenommen wird.
Sieben von zehn halten Söder für ungeeignet
Besonders auffällig ist die negative Bewertung des CSU-Vorsitzenden. Unter den Befragten, die Markus Söder kennen, erklärten 70 Prozent, dass sie ihn für das Bundeskanzleramt für ungeeignet halten.

Sieben von zehn halten Söder für ungeeignet
Damit steht einem Anteil von lediglich 26 Prozent, der Söder das Amt zutraut, eine klare Mehrheit gegenüber, die seine Kanzlertauglichkeit kritisch beurteilt.
Bei Hendrik Wüst fällt dieses Verhältnis wesentlich ausgeglichener aus. 41 Prozent der Menschen, denen Wüst bekannt ist, halten ihn für ungeeignet. Demgegenüber stehen die bereits genannten 47 Prozent, die sich den CDU-Politiker grundsätzlich als Bundeskanzler vorstellen können.
Die Ergebnisse zeigen damit nicht nur einen Vorsprung Wüsts bei den positiven Bewertungen. Auch sein Anteil an ablehnenden Einschätzungen liegt deutlich niedriger als bei Söder.
Debatte über die Zukunft nach Merz
Die Befragung erhält zusätzliche politische Bedeutung vor dem Hintergrund möglicher Diskussionen über die langfristige Nachfolge von Bundeskanzler Friedrich Merz. Merz führt derzeit die Bundesregierung und hat zuletzt die Bedeutung politischer Stabilität hervorgehoben. Am 4. Oktober 2026 erklärte er zur Zusammenarbeit innerhalb der Regierung wörtlich: „Wir müssen in der Regierung zusammenbleiben. Wir müssen das Land nach vorne bringen.“
Eine konkrete Nachfolgeentscheidung steht derzeit nicht an. Dennoch gehört die Frage, welche Politiker innerhalb der Union perspektivisch für das Kanzleramt infrage kommen könnten, zu den strategisch wichtigen Themen für CDU und CSU.
Sowohl Wüst als auch Söder führen große Bundesländer und verfügen über umfangreiche Regierungserfahrung. Ihre Ausgangspositionen unterscheiden sich allerdings deutlich: Söder ist bundesweit nahezu jedem bekannt, während Wüst bei seiner Bekanntheit noch erhebliches Wachstumspotenzial besitzt.
Wüst könnte von geringerer Polarisierung profitieren
Die Umfragewerte lassen erkennen, dass ein hoher Bekanntheitsgrad nicht automatisch zu einer positiven Bewertung führt. Bei Söder kennen ihn zwar 95 Prozent, doch zugleich bewertet eine deutliche Mehrheit seine mögliche Eignung für das Kanzleramt negativ.
Wüst ist weniger bekannt, wird von denjenigen, die ihn kennen, aber wesentlich häufiger positiv beurteilt. Für den CDU-Politiker könnte dies politisch von Vorteil sein, falls er seine Bekanntheit auf Bundesebene steigern kann, ohne gleichzeitig ähnlich hohe Ablehnungswerte aufzubauen.
Gerade bei bundesweiten Wahlen spielt neben der Zustimmung der eigenen politischen Anhängerschaft auch die Fähigkeit eine Rolle, Wähler außerhalb des eigenen Kernlagers anzusprechen.
Söder bleibt eine zentrale Figur der Union
Trotz der schwächeren Umfragewerte bleibt Markus Söder einer der einflussreichsten Politiker innerhalb der Union. Als CSU-Vorsitzender und bayerischer Ministerpräsident besitzt er sowohl innerhalb seiner Partei als auch auf bundespolitischer Ebene erhebliches Gewicht.
Seine politische Zukunft wird auch deshalb aufmerksam verfolgt, weil Söder bereits in der Vergangenheit mit bundespolitischen Ambitionen verbunden wurde. Gleichzeitig steht er in Bayern weiterhin im Zentrum der politischen Auseinandersetzung. Ende September wurde im bayerischen Landtag erneut über eine Begrenzung der Amtszeit des Ministerpräsidenten diskutiert. Der entsprechende Vorstoß fand jedoch keine Mehrheit.
Die aktuelle Befragung zeichnet deshalb ein differenziertes Bild: Söder verfügt über einen Bekanntheitsgrad von 95 Prozent, erreicht bei der Kanzlertauglichkeit jedoch nur 26 Prozent Zustimmung. Wüst ist 75 Prozent bekannt, erhält innerhalb dieser Gruppe aber von 47 Prozent eine positive Bewertung.