Die internationalen Aktienmärkte bleiben zum Ende der Woche unter Druck. Sowohl an der Wall Street als auch in Europa bestimmen steigende Ölpreise, Zweifel an hohen KI-Bewertungen und zunehmende geopolitische Spannungen das Handelsgeschehen. Besonders Technologieaktien geraten erneut ins Visier der Anleger.



In den USA verlor der Dow Jones im frühen Handel 1,0 Prozent auf 52.348 Punkte. Der S&P 500 gab um 0,5 Prozent nach, der Nasdaq Composite um 0,4 Prozent. Auch in Europa setzte sich die Schwäche fort: Der Dax fiel am Vormittag um rund 0,5 Prozent auf 25.135 Punkte, der EuroStoxx 50 sank ebenfalls um etwa 0,5 Prozent auf 6.042 Punkte.
Anleger reduzieren erneut ihre KI-Positionen
Bereits am Vortag hatten Marktteilnehmer deutliche Umschichtungen aus KI-bezogenen Aktien in defensivere Werte beobachtet.
Eine nachhaltige Erholung im Technologiesektor ist bislang nicht erkennbar. Zwar treten vereinzelt Anleger auf, die nach den starken Kursverlusten gezielt günstigere Technologiewerte kaufen, von einem breiten Richtungswechsel kann jedoch noch keine Rede sein.
Die entscheidende Frage bleibt, ob die enormen Investitionen in künstliche Intelligenz künftig ausreichend hohe Erträge liefern können.
Viele Technologieunternehmen investieren derzeit Milliardenbeträge in:
- Rechenzentren
- Halbleiter
- KI-Infrastruktur
- Cloud-Kapazitäten
- Softwareentwicklung
Steigende Finanzierungskosten und hohe Bewertungen verstärken deshalb die Sorge, dass sich manche Investitionen langsamer auszahlen könnten als bislang erwartet.
SK Hynix sorgt für zusätzliche Nervosität
Besonders aufmerksam verfolgen Investoren die Entwicklung beim südkoreanischen Speicherchip-Hersteller SK Hynix.
Der weltweit zweitgrößte Produzent von Speicherchips hat seine Pläne gestoppt, die betreffende Speicherchip-Sparte an die US-Börse zu bringen.
Als Begründung verwies das Unternehmen auf die aktuellen Marktbedingungen und die allgemeine Entwicklung der Aktienkurse.
Marktteilnehmer sehen darin ein mögliches Warnsignal für den gesamten Technologiesektor.
Wenn ein großer Halbleiterhersteller einen geplanten Börsengang wegen ungünstiger Marktbedingungen auf Eis legt, kann dies darauf hindeuten, dass die Bereitschaft der Investoren zur Finanzierung hoch bewerteter Technologieunternehmen nachlässt.
40 Prozent der S&P-500-Aktien tief unter ihren Hochs
Obwohl der Gesamtmarkt noch weit von einem klassischen Bärenmarkt entfernt ist, zeigt sich unterhalb der Indexoberfläche bereits erhebliche Schwäche.
Nach den vorliegenden Daten notieren rund 40 Prozent der Unternehmen im S&P 500 mindestens 20 Prozent unter ihren jeweiligen 52-Wochen-Hochs.
Ein Rückgang von 20 Prozent oder mehr wird an den Finanzmärkten häufig als Schwelle zu einem Bärenmarkt betrachtet.
Damit befinden sich zahlreiche Einzelwerte bereits in deutlich schwächeren Marktphasen, obwohl die großen Indizes insgesamt noch vergleichsweise stabil erscheinen.
Besonders betroffen sind zyklische Unternehmen und Aktien mittelgroßer Gesellschaften.
Dax-Erholung endet bereits nach kurzer Zeit
Auch am deutschen Aktienmarkt hielt die jüngste Erholung nicht lange an.
Der Dax fiel am Freitagvormittag auf 25.135 Punkte zurück.
Der Marktstratege Jürgen Molnar beschrieb die Lage mit den Worten:
„Die Erholung ist schon wieder Geschichte, denn steigende Ölpreise und das Meta-Debakel haben den Nasdaq 100 erneut um fast drei Prozent nach unten geschickt.“
Damit treffen derzeit zwei Belastungsfaktoren unmittelbar aufeinander: höhere Energiepreise und erneuter Verkaufsdruck bei großen Technologiewerten.


Ölpreis steigt auf mehr als 114 Dollar
Zusätzliche Unsicherheit kommt vom Rohölmarkt.
Die Nordsee-Sorte Brent verteuerte sich um rund 1 Prozent auf 114,10 Dollar je Barrel.
US-Leichtöl der Sorte WTI stieg ebenfalls um etwa 1 Prozent auf 100,86 Dollar je Fass.
Damit bewegen sich die Ölpreise weiterhin auf sehr hohem Niveau.
Die wichtigsten Preise:
- Brent: 114,10 Dollar je Barrel
- WTI: 100,86 Dollar je Barrel
- Anstieg: jeweils rund 1 Prozent
Höhere Ölpreise können den Inflationsdruck verstärken und gleichzeitig Unternehmen sowie Verbraucher mit zusätzlichen Kosten belasten.


Saudi Aramco räumt Hauptsitz in Dhahran
Hinter dem erneuten Ölpreisanstieg stehen wachsende geopolitische Risiken.
Saudi Aramco hat nach den vorliegenden Angaben seinen Hauptsitz in Dhahran evakuiert.
Hintergrund sind die sich verschärfenden Spannungen zwischen Saudi-Arabien und den vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen.
Die Sorge vor einer weiteren Eskalation am Persischen Golf sorgt deshalb für zusätzliche Risikoaufschläge auf den Ölpreis.
Marktexperten erklärten:
„Die Märkte sind zunehmend besorgt über eine erneute Eskalation am Persischen Golf.“
Da Saudi-Arabien zu den wichtigsten Rohölexporteuren der Welt gehört, reagieren die Energiemärkte besonders empfindlich auf sicherheitspolitische Entwicklungen in der Region.
SAP und Atoss geraten unter Verkaufsdruck
Auch europäische Technologieaktien bleiben schwach.
Der europäische Branchenindex für Technologiewerte verlor erneut rund 0,5 Prozent.
Unter Druck stand unter anderem das Dax-Schwergewicht SAP.
Deutlich stärker traf es Atoss Software. Die Aktie verlor 6,6 Prozent, obwohl das Unternehmen zuvor seine Margenprognose angehoben hatte.
Die Reaktion zeigt, dass Anleger derzeit selbst positive Unternehmensmeldungen kritischer bewerten, wenn die grundsätzliche Skepsis gegenüber hohen Technologie-Bewertungen überwiegt.
Kering verliert zwölf Prozent
Auch außerhalb des Technologiesektors gab es deutliche Kursverluste.
Der französische Luxuskonzern Kering brach um 12 Prozent ein.
Belastend wirkte die Entwicklung der Marke Gucci, deren Zahlen im dritten Quartal hinter den Erwartungen zurückblieben.
Damit geraten auch Luxusaktien erneut stärker unter Druck.
Holcim gewinnt fünf Prozent
Ein Gegenbeispiel lieferte Holcim.
Die Aktie des Baustoffkonzerns stieg um rund 5 Prozent.
Grund dafür waren starke Geschäftszahlen und eine angehobene Prognose.
Damit gehörte Holcim zu den wenigen größeren europäischen Werten, die sich dem allgemeinen Abwärtstrend entziehen konnten.
Moody’s-Entscheidung zu Frankreich im Fokus
Zusätzliche Spannung herrscht am europäischen Anleihemarkt.
Am Abend wird eine neue Bewertung Frankreichs durch Moody’s erwartet.
Das Land wird derzeit mit Aa3 und einem negativen Ausblick bewertet.
Sollte es zu einer Herabstufung kommen, könnte dies mehrere Märkte gleichzeitig belasten.
Mögliche Folgen wären:
- Druck auf französische Staatsanleihen
- höhere Finanzierungskosten
- Belastungen für den Euro
- Kursverluste bei Bankaktien
- zusätzliche Unsicherheit an europäischen Börsen
Damit bleibt Frankreich ein weiterer Risikofaktor für die europäischen Finanzmärkte.
Mehrere Belastungen treffen gleichzeitig auf die Börsen
Die aktuelle Schwäche lässt sich nicht auf einen einzigen Auslöser zurückführen.
Derzeit wirken mehrere Faktoren zusammen:
- hohe Bewertungen im KI-Sektor
- Zweifel an der Rentabilität großer KI-Investitionen
- erneuter Verkaufsdruck bei Technologieaktien
- steigende Ölpreise
- geopolitische Spannungen im Nahen Osten
- schwache Einzelwerte im S&P 500
- Sorgen über Frankreichs Kreditwürdigkeit
Diese Kombination sorgt dafür, dass Anleger weiterhin vorsichtig agieren und häufiger Kapital aus risikoreicheren Bereichen abziehen.