Brüssel zieht Notbremse bei Handelsdeal mit Washington
Das Europäische Parlament hat die Umsetzung des geplanten Zollabkommens zwischen der Europäischen Union und den USA erneut offiziell ausgesetzt. Ausschlaggebend sind die jüngsten Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump, neue Importabgaben zu verhängen. Der Vorsitzende des Handelsausschusses im Europäischen Parlament, Bernd Lange, erklärte, dass unter diesen Umständen keine Grundlage für eine Ratifizierung bestehe. Die politischen Signale aus Washington sorgten für neue Zweifel an der Verlässlichkeit der US-Handelspolitik.
Nach Angaben aus Brüssel sehen viele Abgeordnete das Risiko, dass ein Abkommen sofort durch neue einseitige Maßnahmen der USA unterlaufen würde. Die EU wolle daher abwarten, ob sich die handelspolitische Linie der US-Regierung stabilisiere. Die Entscheidung bedeutet eine weitere Verzögerung in einem ohnehin langwierigen Prozess, der ursprünglich für mehr Planungssicherheit im transatlantischen Handel sorgen sollte.
Zollchaos belastet Stimmung an der Wall Street
Die Unsicherheiten rund um die US-Zollpolitik spiegeln sich auch an den Finanzmärkten wider. An der Wall Street zeigten sich die großen Indizes kurz nach Handelsbeginn schwächer. Der Dow-Jones-Index verlor 1,3 Prozent und fiel auf 48.986 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 sowie der technologieorientierte Nasdaq 100 gaben jeweils 0,7 Prozent nach.

Hintergrund ist das Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA, der die zuvor verhängten globalen Zölle von Trump am Freitag für rechtswidrig erklärt hatte. Statt für Entspannung zu sorgen, folgte umgehend die nächste Eskalationsstufe. Trump kündigte neue Importabgaben an und setzte diese nach eigenen Angaben zügig in Kraft. Für Anleger bedeutet dies weiterhin ein hohes Maß an Unberechenbarkeit.
Viele Marktbeobachter sprechen von einem Umfeld, in dem Investoren größere Engagements meiden und stattdessen auf Sicht fahren. Solange keine Klarheit über Umfang, Dauer und rechtliche Basis der Zölle herrscht, dürfte die Risikobereitschaft begrenzt bleiben.
Dax sendet trotz Rücksetzer konstruktive Signale
Während die US-Börsen unter Druck stehen, zeigt sich der deutsche Leitindex vergleichsweise stabil. Der Dax verlor am Nachmittag 0,4 Prozent und notierte bei 25.158 Punkten. Technisch betrachtet bleibt das Gesamtbild aus Sicht vieler Analysten positiv.
Der Charttechniker Marcel Mußler erklärte wörtlich:
„Schon jetzt fällt die Erholung seitdem so stark aus, dass die Konsolidierungsphase seit dem Jahreshoch als zwingend trendbestätigend bullish gilt. Das gilt auch dann noch, wenn diese Konsolidierung zunächst noch etwas länger andauert.“

Mußler verweist darauf, dass der Index zuvor drei Wochen in Folge die wichtige langfristige Unterstützungszone bei 24.479 Punkten getestet habe. Diese Phase sei nun abgeschlossen. Die Stoßrichtung zeige wieder klar nach oben. Als nächstes Kursziel nannte er neue Rekordstände oberhalb von 25.508 Punkten.
Aus technischer Sicht sei nach den sogenannten False Breakouts auf der Unterseite nun ein Ausbruchsversuch nach oben wahrscheinlich. Das deutet darauf hin, dass internationale Handelsrisiken zwar kurzfristig belasten können, der übergeordnete Aufwärtstrend im Dax jedoch intakt bleibt.
Anleger zwischen Politikrisiko und Chartoptimismus
Das aktuelle Marktumfeld wird von zwei gegensätzlichen Kräften geprägt. Auf der einen Seite stehen politische Unsicherheiten rund um Zölle und Handelsabkommen. Auf der anderen Seite liefern zahlreiche Aktienmärkte weiterhin konstruktive technische Signale.
Für Investoren bedeutet dies eine Phase erhöhter Selektivität. Während kurzfristige Schwankungen durch politische Schlagzeilen zunehmen können, behalten viele Marktteilnehmer den längerfristigen Trend im Blick. Besonders in Europa sehen Analysten Chancen, sofern sich die geopolitischen Spannungen nicht weiter zuspitzen.
