Steigende Kosten bereiten besonders große Sorgen
Finanzielle Belastungen stehen bei den Menschen in Deutschland derzeit besonders stark im Mittelpunkt. Die Sorge, den eigenen Alltag wegen steigender Preise nicht mehr problemlos finanzieren zu können, ist innerhalb eines Jahres deutlich gewachsen. 59 Prozent der Befragten geben an, große Angst davor zu haben, die laufenden Lebenshaltungskosten nicht mehr tragen zu können.
Damit liegt dieses Thema erneut auf dem ersten Platz der untersuchten Sorgen. Gleichzeitig ist der Anteil gegenüber dem Vorjahr um 7 Prozentpunkte gestiegen. Die Ergebnisse stammen aus der seit 1992 durchgeführten Umfragereihe „Die Ängste der Deutschen“.
Bemerkenswert ist dabei die Verschiebung innerhalb des gesamten Sorgenbildes: Finanzielle Themen nehmen einen besonders großen Raum ein und erreichen teilweise höhere Werte als Ängste vor Krieg oder Extremismus.
2.400 Menschen zu ihren größten Ängsten befragt
Für die aktuelle Untersuchung wurden 2.400 Menschen zu ihren persönlichen Sorgen befragt. Im Mittelpunkt standen verschiedene Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, darunter Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Umwelt und Gesundheit.
Die Teilnehmer sollten auf einer siebenstufigen Skala angeben, wie stark sie ein bestimmtes Ereignis oder eine Entwicklung fürchten. Als „große Angst“ wird dabei ein Wert von mindestens 5 definiert.
Der Wert von 59 Prozent bei den Lebenshaltungskosten bedeutet deshalb konkret: Knapp sechs von zehn Befragten bewerteten ihre Sorge, die alltäglichen Ausgaben nicht mehr bezahlen zu können, mit mindestens fünf Punkten auf dieser Skala.
Vier der fünf größten Sorgen betreffen Geld
Besonders auffällig ist die Konzentration auf wirtschaftliche Themen. Unter den fünf größten Ängsten der Befragten beziehen sich vier unmittelbar auf finanzielle Belastungen.
Neben den steigenden Lebenshaltungskosten stehen dabei mehrere weitere Sorgen weit oben:
- Steuererhöhungen und Leistungskürzungen: 53 Prozent
- schlechtere Wirtschaftslage: 51 Prozent
- teurer Wohnraum: 50 Prozent
Bei Steuererhöhungen und möglichen Leistungskürzungen ist der Anteil gegenüber dem Vorjahr um 4 Prozentpunkte gestiegen. Die Sorge vor einer schlechteren wirtschaftlichen Entwicklung legte sogar um 10 Prozentpunkte zu. Beim Thema Wohnkosten beträgt der Anstieg 2 Prozentpunkte.
Die Zahlen zeigen damit nicht nur eine hohe Bedeutung finanzieller Fragen, sondern auch teilweise deutliche Veränderungen innerhalb eines einzigen Jahres.
Wirtschaftliche Unsicherheit nimmt deutlich zu
Besonders stark fällt der Anstieg bei der Befürchtung aus, dass sich die allgemeine wirtschaftliche Situation verschlechtern könnte. 51 Prozent der Befragten äußern hierzu große Angst. Im Vergleich zur vorherigen Untersuchung entspricht das einem Plus von 10 Prozentpunkten.
Damit hat sich dieses Thema innerhalb der Rangliste deutlich nach oben bewegt. Die Sorge betrifft nicht nur die individuelle finanzielle Situation, sondern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen insgesamt.
Für viele Menschen sind solche Entwicklungen unmittelbar mit der persönlichen Lebensplanung verbunden. Eine schwächere Wirtschaft kann beispielsweise mit Unsicherheiten bei Einkommen, Beschäftigung, Preisen oder staatlichen Leistungen verbunden werden.
Wohnkosten bleiben ein zentraler Belastungsfaktor
Auch die Entwicklung der Wohnkosten gehört zu den fünf am häufigsten genannten Sorgen. 50 Prozent der Befragten bewerten teuren Wohnraum als große Angst.
Gegenüber dem Vorjahr ist dieser Wert um 2 Prozentpunkte gestiegen. Damit erreicht die Sorge vor hohen Wohnkosten einen ähnlich hohen Stellenwert wie die Angst vor einer Verschlechterung der gesamten Wirtschaftslage.
Steigende Ausgaben für Wohnen wirken sich besonders unmittelbar auf die verfügbaren Einkommen aus. Wer einen großen Teil des monatlichen Budgets für Miete oder andere Wohnkosten aufbringen muss, hat entsprechend weniger finanziellen Spielraum für andere Ausgaben.
Flüchtlingspolitik erreicht Platz drei
Nicht alle fünf führenden Sorgen haben einen direkten finanziellen Hintergrund. Auf Platz drei steht die Befürchtung einer „Überforderung des Staates durch Geflüchtete“.
Diese Sorge wird von 52 Prozent der Befragten als groß eingestuft. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Anstieg um 3 Prozentpunkte.
Damit liegt das Thema zwischen der Sorge vor Steuererhöhungen beziehungsweise Leistungskürzungen und den übrigen wirtschaftlichen Belastungen. Es ist zugleich die einzige nicht unmittelbar wirtschaftliche Angst unter den fünf am häufigsten genannten Sorgen.
Lebenshaltungskosten bleiben Spitzenreiter
Die Sorge um die täglichen Ausgaben ist kein neues Phänomen. In der seit mehr als 30 Jahren laufenden Untersuchungsreihe stehen die Lebenshaltungskosten traditionell weit oben.
In insgesamt 35 Befragungen erreichte dieses Thema bereits zum 16. Mal den ersten Platz.
Die aktuelle Entwicklung zeigt jedoch, dass die Bedeutung dieser Sorge erneut zugenommen hat. 59 Prozent liegen sieben Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Gleichzeitig erreichen auch andere finanzielle Themen hohe Zustimmungswerte.
Damit prägen Fragen rund um Preise, Einkommen, Wohnen, Steuern und die wirtschaftliche Entwicklung das aktuelle Sorgenbild der deutschen Bevölkerung besonders stark.