Sandoz baut Generika-Geschäft mit China-Deal aus

August 17, 2026
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Der Schweizer Arzneimittelhersteller Sandoz erweitert sein Geschäft mit Nachahmerpräparaten und setzt dabei auf eine Kooperation mit dem chinesischen Biotech-Unternehmen Shanghai Henlius Biotech. Vereinbart wurde die Übernahme der weltweiten Vermarktungsrechte für mehrere Biosimilars. Die Präparate sollen unter anderem gegen Krebs, erhöhte Cholesterinwerte und die Autoimmunerkrankung Lupus eingesetzt werden.

Für Sandoz eröffnet die Vereinbarung den Zugang zu einer Reihe potenziell wichtiger Medikamente, die sich noch nicht auf dem Markt befinden. Die Präparate stehen derzeit entweder in der klinischen Entwicklung oder befinden sich noch in einer früheren, vorklinischen Entwicklungsphase.

Bis zu 322 Millionen Dollar für die Rechte

Finanziell kann die Vereinbarung für Henlius erhebliche Dimensionen erreichen. Sandoz hat sich verpflichtet, für die Vermarktungsrechte außerhalb Chinas erfolgsabhängig insgesamt bis zu 322 Millionen US-Dollar zu zahlen.

Ein Teil dieser Summe könnte bereits relativ kurzfristig fließen. Nach Angaben von Sandoz sind zunächst Zahlungen von bis zu 100,5 Millionen US-Dollar möglich.

Die endgültige Höhe hängt allerdings vom weiteren Verlauf der Entwicklung und von den erzielten Fortschritten ab. Damit verteilt sich das finanzielle Risiko zwischen den beiden Unternehmen: Sandoz investiert in die Rechte und Vermarktung, während Henlius weiterhin für wesentliche Teile der Arzneimittelentwicklung verantwortlich bleibt.

Drei Medikamente stehen zunächst im Mittelpunkt

Zum Auftakt umfasst die Vereinbarung drei Biosimilars. Dabei handelt es sich um Nachahmerpräparate zu bereits etablierten biologischen Arzneimitteln.

Die entsprechenden Referenzmedikamente sind:

  • Erbitux zur Behandlung bestimmter Krebserkrankungen
  • Repatha zur Senkung erhöhter Cholesterinwerte
  • Benlysta zur Behandlung von Lupus

Biosimilars sind biologische Arzneimittel, die einem bereits zugelassenen biologischen Referenzpräparat hinsichtlich Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit hochgradig vergleichbar sind. Sie können dazu beitragen, den Wettbewerb im Arzneimittelmarkt zu erhöhen und langfristig die Behandlungskosten zu senken.

Für Sandoz ist dieses Geschäftsfeld strategisch besonders interessant, weil biologische Medikamente häufig sehr komplex herzustellen und entsprechend kostenintensiv sind.

Henlius übernimmt Entwicklung und Produktion

Die Aufgaben zwischen den beiden Partnern sind klar verteilt. Shanghai Henlius Biotech bleibt für die Entwicklung und Herstellung der Präparate verantwortlich. Sandoz übernimmt dagegen die Vermarktung und den Vertrieb außerhalb Chinas.

Damit bringt jedes Unternehmen seine eigenen Stärken in die Kooperation ein. Henlius verfügt über die Entwicklungs- und Produktionskompetenz für die Wirkstoffe, während Sandoz seine internationale Präsenz im Generika- und Biosimilar-Geschäft einsetzen kann.

Entscheidend ist allerdings, dass sich die drei Medikamente noch nicht am Ende des Entwicklungsprozesses befinden. Einige müssen zunächst weitere klinische Prüfungen durchlaufen, bevor eine mögliche Zulassung beantragt beziehungsweise erteilt werden kann.

AstraZeneca stoppt wichtige Lungenkrebsstudie

Während Sandoz sein Portfolio ausbaut, muss ein anderer Pharmakonzern einen empfindlichen Rückschlag verkraften. AstraZeneca hat eine entscheidende Phase-3-Studie mit dem Wirkstoff Volrustomig zur Behandlung von Lungenkrebs beendet.

Die Entscheidung fiel nach einer Bewertung durch ein unabhängiges Kontrollkomitee. Nach dessen Einschätzung ist es unwahrscheinlich, dass die untersuchte Kombinationstherapie gemeinsam mit einer Chemotherapie die wesentlichen Studienziele erreicht.

Im Mittelpunkt standen zwei besonders wichtige Kriterien:

  • die Überlebenszeit ohne Fortschreiten der Erkrankung
  • das Gesamtüberleben

Untersucht wurde eine bestimmte Form des metastasierten nicht-kleinzelligen Lungenkrebses. Gerade in diesem Bereich sind neue und wirksame Therapieoptionen von großer Bedeutung, da die Erkrankung in einem fortgeschrittenen Stadium besonders schwer zu behandeln ist.

Neuer Rückschlag belastet Medikamentenpipeline

Der Abbruch kommt für AstraZeneca zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Der britische Pharmakonzern hat zuletzt bereits mehrere Rückschläge bei der Entwicklung neuer Medikamente hinnehmen müssen.

Für Anleger ist vor allem die sogenannte Pipeline von Bedeutung. Damit ist die Gesamtheit der Medikamente gemeint, die sich bei einem Pharmaunternehmen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien befinden. Scheitern einzelne Kandidaten in späten Studienphasen, kann dies erhebliche Auswirkungen auf die erwarteten künftigen Umsätze haben.

Bei AstraZeneca häufen sich inzwischen entsprechende Nachrichten.

Mehrere Wirkstoffe bereits unter Druck

Der aktuelle Fehlschlag mit Volrustomig steht nicht isoliert. Zuvor musste AstraZeneca bereits weitere Rückschläge verkraften.

Unter anderem scheiterte das Herzmedikament Wainua in einer späten Entwicklungsphase. Hinzu kamen Probleme bei weiteren wichtigen Wirkstoffkandidaten.

Beim Brustkrebsmedikament Camizestrant verweigerten die US-Behörden die Zulassung. Ausschlaggebend war dabei das Studiendesign.

Auch Ultomiris konnte bei der Untersuchung einer seltenen Erkrankung die angestrebten Studienziele nicht erreichen. Für AstraZeneca bedeutet die Häufung solcher Ereignisse zusätzlichen Druck auf die Medikamentenentwicklung.

Anleger blicken kritischer auf AstraZeneca

Die wiederholten Rückschläge haben inzwischen auch die Wahrnehmung der Investoren verändert. Eine starke und erfolgreiche Medikamentenpipeline gilt für große Pharmakonzerne als entscheidender Wachstumsmotor.

Neue Arzneimittel können nach erfolgreicher Entwicklung und Zulassung über viele Jahre erhebliche Umsätze generieren. Umgekehrt können gescheiterte Studien Milliardeninvestitionen entwerten und die Erwartungen an künftige Einnahmen deutlich reduzieren.

Bei AstraZeneca rückt deshalb zunehmend die Frage in den Mittelpunkt, welche Wirkstoffe aus der aktuellen Pipeline tatsächlich bis zur Marktreife gelangen.

Der Fall Volrustomig zeigt zugleich, wie hoch das Risiko in der Pharmaforschung bleibt: Selbst Wirkstoffe, die bereits eine frühe Entwicklung erfolgreich durchlaufen haben, können in einer Phase-3-Studie noch scheitern.

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