Raucher in Deutschland müssen sich auf deutlich höhere Preise einstellen. Der Bundestag hat mit den Stimmen von Union und SPD eine weitere Anhebung der Tabaksteuer beschlossen. Für eine Packung mit 20 Zigaretten könnte der Preis bis 2030 auf etwas mehr als zwölf Euro steigen. Derzeit kostet eine vergleichbare Packung rund acht Euro.
Betroffen sind nicht nur klassische Zigaretten. Auch Feinschnitt und Tabakerhitzer sollen stärker besteuert werden. Bevor die neuen Regelungen endgültig greifen können, muss allerdings noch der Bundesrat zustimmen.
Zigaretten könnten bis 2030 rund 50 Prozent teurer werden
Die höheren Steuersätze sollen schrittweise eingeführt werden. Für eine typische Packung mit 20 Zigaretten zeichnet sich nach den bisherigen Berechnungen folgende Entwicklung ab:
- derzeit etwa acht Euro
- zunächst rund zehn Euro
- später ungefähr elf Euro
- bis 2030 etwas mehr als zwölf Euro
Damit könnte sich eine Packung langfristig um etwa vier Euro verteuern. Das entspräche gegenüber dem heutigen Preis einem Anstieg von ungefähr 50 Prozent.
Wie hoch die tatsächlichen Ladenpreise ausfallen, hängt jedoch auch von Herstellern und Händlern ab. Sie entscheiden, in welchem Umfang die höhere Steuer an Verbraucher weitergegeben wird.
Auch Drehtabak und Tabakerhitzer werden teurer
Die Steuerreform betrifft einen großen Teil des Tabakmarktes.
Stärker belastet werden sollen unter anderem:
- klassische Zigaretten
- Feinschnitt zum Selberdrehen
- Tabakerhitzer
- weitere tabakhaltige Ersatzprodukte
Damit soll verhindert werden, dass Verbraucher wegen steigender Zigarettenpreise lediglich auf steuerlich günstigere Alternativen ausweichen.
Bundesrat muss dem Gesetz noch zustimmen
Der Beschluss des Bundestags reicht für das Inkrafttreten noch nicht aus.
Als Nächstes muss sich der Bundesrat mit dem Gesetz befassen. Die Länderkammer könnte das Vorhaben noch stoppen oder seinen weiteren Verlauf beeinflussen.
Bislang zeichnet sich jedoch kein ausreichender Widerstand gegen die Steuererhöhung ab. Sollte der Bundesrat zustimmen, wäre die Reform politisch weitgehend abgeschlossen.
Bund erwartet zwölf Milliarden Euro zusätzlich
Das Bundesfinanzministerium unter Lars Klingbeil verbindet die Steuererhöhung mit erheblichen zusätzlichen Einnahmen.
Für die kommenden vier Jahre rechnet das Ministerium mit rund zwölf Milliarden Euro mehr für den Bundeshaushalt.
Das entspricht rechnerisch durchschnittlich etwa drei Milliarden Euro pro Jahr.
Ob diese Summe tatsächlich erreicht wird, hängt stark davon ab, wie Raucher auf die höheren Preise reagieren. Geht der legale Absatz stärker zurück als erwartet, könnten auch die Steuereinnahmen hinter der Prognose zurückbleiben.
Tägliches Rauchen könnte 1.460 Euro mehr kosten
Für regelmäßige Raucher können sich die Mehrkosten schnell summieren.
Steigt der Preis einer Packung tatsächlich um etwa vier Euro, ergibt sich bei unterschiedlichem Konsum folgende zusätzliche Belastung:
- eine Packung täglich: rund 1.460 Euro mehr pro Jahr
- fünf Packungen pro Woche: rund 1.040 Euro mehr pro Jahr
- zwei Packungen pro Woche: rund 416 Euro mehr pro Jahr
Die tatsächlichen Beträge hängen vom jeweiligen Produkt und dem späteren Verkaufspreis ab.
Regierung verweist auf Gesundheitsschutz
Die Bundesregierung begründet die Steuererhöhung nicht nur mit zusätzlichen Einnahmen, sondern auch mit gesundheitspolitischen Zielen.
Höhere Preise sollen insbesondere den Einstieg ins Rauchen erschweren und bestehende Raucher dazu bewegen, ihren Konsum zu reduzieren.
Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums starben im Jahr 2023 rund 131.000 Menschen in Deutschland an direkten oder indirekten Folgen tabakbedingter Erkrankungen.
Damit bleibt Tabakkonsum eines der bedeutendsten vermeidbaren Gesundheitsrisiken.
Rund 19 Prozent rauchen regelmäßig
Der Anteil der Raucher war über viele Jahre zurückgegangen, zuletzt zeigte sich jedoch kaum noch eine weitere Abnahme.
Nach dem Mikrozensus 2025 rauchten 19 Prozent der Menschen ab 15 Jahren regelmäßig.
Damit greift weiterhin knapp jeder fünfte Mensch dieser Altersgruppe zur Zigarette.
Die Bundesregierung setzt darauf, dass steigende Preise diesen Anteil langfristig reduzieren können.
Kritik an erwarteten Mehreinnahmen
Kritiker bezweifeln allerdings, dass die höheren Steuersätze tatsächlich zu den erwarteten Milliardenmehreinnahmen führen werden.
Ein möglicher Effekt könnte sein, dass Raucher stärker auf unversteuerte oder illegal eingeführte Produkte ausweichen.
Je größer der Preisunterschied zwischen legal versteuerten Zigaretten in Deutschland und günstigeren Produkten aus dem Ausland wird, desto attraktiver können alternative Bezugswege werden.
Im Extremfall könnte ein deutlich sinkender legaler Absatz dazu führen, dass die tatsächlichen Steuermehreinnahmen wesentlich geringer ausfallen als geplant.
Sorge vor wachsendem illegalen Handel
Höhere Tabaksteuern können auch den Schwarzmarkt beeinflussen.
Denkbar ist insbesondere eine stärkere Nachfrage nach:
- unversteuerte Zigaretten aus dem Ausland
- illegal importierter Ware
- gefälschten Markenprodukten
- nicht ordnungsgemäß versteuerten Tabakerzeugnissen
Wie stark dieser Effekt ausfallen wird, lässt sich im Voraus jedoch nicht sicher bestimmen.
Für den Staat entsteht damit ein Zielkonflikt: Höhere Preise sollen den Konsum reduzieren und gleichzeitig mehr Einnahmen bringen. Sinkt der legale Absatz zu stark, können sich diese beiden Ziele widersprechen.
Zwei Abgeordnete der Union stimmen dagegen
Obwohl die Koalition das Gesetz mehrheitlich verabschiedete, gab es innerhalb der Union einzelne Gegenstimmen.
Nach den vorliegenden Angaben votierten:
- Kerstin Vieregge (CDU)
- Jonas Geissler (CSU)
gegen die Steuererhöhung.
An der Mehrheit im Bundestag änderte dies nichts.
Tabakmarkt steht vor weiteren Veränderungen
Sollte der Bundesrat zustimmen, stehen Hersteller, Händler und Verbraucher vor deutlich veränderten Marktbedingungen.
Höhere Preise könnten die Nachfrage nach klassischen Zigaretten reduzieren. Gleichzeitig könnte sich das Kaufverhalten stärker in Richtung anderer Tabakprodukte oder nicht regulärer Bezugsquellen verschieben.
Mit der zusätzlichen Besteuerung von Feinschnitt und Tabakerhitzern versucht der Gesetzgeber, solche Ausweichbewegungen zumindest innerhalb des regulären Marktes zu begrenzen.
Entscheidend bleibt nun die Entscheidung des Bundesrats. Danach steht fest, ob die vorgesehenen Steuerstufen wie geplant eingeführt werden können.