VW fällt bei Qualität tief zurück

März 25, 2026
vw-fällt-bei-qualität-tief-zurück

Eine US-Studie offenbart massive Schwächen

Der Qualitätsanspruch der Autohersteller gerät zunehmend unter Druck. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung des Marktforschungsunternehmens J.D. Power in den USA besonders deutlich. Für die Studie wurden mehr als 33.000 Fahrer befragt, deren Fahrzeuge inzwischen drei Jahre alt sind. Das Ergebnis ist für weite Teile der Branche unerquicklich. Die Zahl der gemeldeten Probleme liegt so hoch wie seit Jahren nicht mehr.

Besonders hart trifft es Volkswagen. Die Marke landet im Ranking auf dem letzten Platz und steht damit schlechter da als alle anderen berücksichtigten Hersteller. Für einen Konzern, der sich traditionell mit Solidität, Alltagstauglichkeit und technischer Zuverlässigkeit positioniert, ist das ein schwerer Rückschlag. Die Untersuchung zeigt zugleich, dass das Problem weit über einzelne Hersteller hinausgeht. Denn es sind nicht mehr nur klassische Defekte, die Kunden frustrieren, sondern vor allem die digitale Technik im Innenraum.

Volkswagen bildet das Schlusslicht

Mit 301 Problemen pro 100 Fahrzeuge belegt VW den letzten Rang der Studie. Das ist ein Wert, der den Ernst der Lage deutlich macht. Die Marke fällt damit nicht nur hinter asiatische Hersteller zurück, sondern auch hinter zahlreiche Wettbewerber aus Europa und den USA. Besonders peinlich ist dieses Ergebnis, weil Volkswagen im Massenmarkt aktiv ist und gerade dort ein reibungsloser Alltagsbetrieb für Käufer von zentraler Bedeutung ist.

Auch andere deutsche Marken können nicht überzeugen. Audi und Mercedes landen nur im hinteren Mittelfeld und bleiben damit weit hinter den Erwartungen zurück, die Kunden an Premiumhersteller stellen. Ebenfalls schwach schneiden Volvo, Land Rover und Jeep ab. Die Untersuchung macht damit deutlich, dass europäische Traditionsmarken derzeit nicht als Taktgeber in Sachen Qualität auftreten.

Asiatische Marken setzen die Maßstäbe

Ganz anders stellt sich die Lage bei asiatischen Herstellern dar. An der Spitze des Rankings steht erneut Lexus, die Premiummarke von Toyota. Schon im Vorjahr hatte Lexus den ersten Platz belegt. Auch Nissan und Hyundai erzielen starke Ergebnisse und bestätigen damit ihren guten Ruf bei Zuverlässigkeit und Alltagstauglichkeit.

Besonders bemerkenswert ist die Rolle von Toyota. Der japanische Hersteller sichert sich mit seinen Modellen die meisten Klassensiege in der gesamten Untersuchung. Das zuverlässigste Fahrzeug der Studie ist der Lexus IS. Auch der Toyota Corolla und der Toyota Camry behaupten ihre Spitzenpositionen. Diese Ergebnisse sprechen für eine Strategie, die stärker auf ausgereifte Technik als auf spektakuläre, aber fehleranfällige Funktionen setzt.

Das eigentliche Problem sitzt im Cockpit

Die zentrale Erkenntnis der Studie ist ebenso klar wie unangenehm für die Branche. Der größte Ärger entsteht heute nicht mehr unter der Motorhaube, sondern direkt vor dem Fahrer. Die meisten Beschwerden betreffen das Infotainment-System. Gerade dort, wo Hersteller mit Fortschritt, Vernetzung und Komfort werben, erleben viele Kunden Frust.

Besonders oft gibt es Probleme bei der Verbindung mit dem Smartphone. Genannt werden Schwierigkeiten mit Android Auto, Apple CarPlay und Bluetooth. Auch kabellose Ladeschalen und die Apps der Hersteller funktionieren im Alltag häufig nicht stabil. Was eigentlich Bequemlichkeit und moderne Bedienung bringen soll, entwickelt sich so zur täglichen Störquelle. Damit wird das Cockpit immer mehr zur Frustzone.

Software wird zur Schwachstelle der Branche

Die Studie zeigt, dass die moderne Qualitätskrise in der Autoindustrie vor allem eine digitale Krise ist. Je mehr Bildschirme, Menüs, Touchflächen und vernetzte Zusatzfunktionen in ein Fahrzeug integriert werden, desto größer wird offenbar die Fehleranfälligkeit. Viele Hersteller haben ihre Modelle technisch aufgerüstet, ohne die Alltagstauglichkeit in gleichem Maß sicherzustellen.

Hinzu kommt ein weiteres Problem. Zwar erhielt fast jeder zweite Fahrer im vergangenen Jahr ein Software-Update über das Internet, doch nur ein kleiner Teil der Nutzer stellte danach eine echte Verbesserung fest. Noch problematischer ist, dass die Fehlerquote durch diese Fernaktualisierungen sogar gestiegen ist. Das ist ein alarmierender Befund. Denn damit gerät ein zentrales Versprechen der Branche ins Wanken, nach dem Mängel später einfach digital behoben werden können.

Teure Modelle sind nicht automatisch besser

Die Untersuchung widerlegt auch die verbreitete Annahme, dass ein hoher Kaufpreis automatisch höhere Qualität bedeutet. Gerade im Premiumsegment schneiden mehrere Marken schwach ab. Der Grund liegt nach Einschätzung der Studienmacher vor allem in der wachsenden Komplexität. Luxusmodelle werden mit besonders vielen digitalen Funktionen, großen Displays und komplizierten Bedienstrukturen ausgestattet. Genau diese Technik versagt im Alltag jedoch häufiger.

Für Käufer ist das eine ernüchternde Erkenntnis. Wer viel Geld für ein Auto bezahlt, erwartet nicht nur Komfort und Prestige, sondern auch Verlässlichkeit. Wenn teure Fahrzeuge häufiger Probleme bereiten als einfachere Modelle, verliert das Premiumversprechen an Überzeugungskraft.

Benziner bleiben am zuverlässigsten

Auch bei den Antriebsarten zeigt die Studie ein klares Bild. Benziner schneiden am besten ab und gelten weiterhin als die zuverlässigsten Fahrzeuge im Vergleich der verschiedenen Konzepte. Elektroautos verursachen mehr Probleme, noch schlechter fallen Plug-in-Hybride auf. Gerade diese Modelle vereinen zwei technische Systeme in einem Fahrzeug und gelten deshalb als besonders komplex.

Diese Ergebnisse sind für die Hersteller heikel. Denn ausgerechnet jene Antriebe, die als Zukunft des Automarkts gelten, bereiten Kunden derzeit besonders häufig Schwierigkeiten. Damit wächst der Druck auf die Industrie, nicht nur neue Technologien einzuführen, sondern sie auch stabil und alltagssicher zu machen.

Die Branche verfehlt oft die Bedürfnisse der Kunden

Die Untersuchung zeigt letztlich ein Grundproblem moderner Fahrzeuge. Viele Hersteller setzen auf immer mehr digitale Funktionen, obwohl Käufer vor allem ein Auto wollen, das im Alltag zuverlässig funktioniert. Nicht die Zahl der Bildschirme entscheidet über Qualität, sondern die Frage, ob zentrale Systeme stabil, verständlich und fehlerfrei arbeiten.Für Volkswagen ist der letzte Platz ein besonders schmerzhafter Weckruf. Doch die Studie ist mehr als ein Imageschaden für eine einzelne Marke. Sie macht sichtbar, dass große Teile der Branche an ihrer eigenen technischen Komplexität leiden. Der Fortschritt im Auto überzeugt nur dann, wenn er den Alltag erleichtert und nicht zusätzlich erschwert.

nicht verpassen