Die Regierungsparteien verlieren weiter an Boden
Die politische Stimmung in Deutschland verschärft sich weiter. Die AfD erreicht in der aktuellen Sonntagsfrage mit 28 Prozent einen neuen Höchstwert und baut ihren Vorsprung weiter aus. Während die Oppositionspartei zulegt, geraten die Regierungsparteien immer stärker unter Druck. Besonders dramatisch ist die Lage für die Koalition aus Union und SPD: Gemeinsam kommen beide nur noch auf 34 Prozent und hätten damit keine parlamentarische Mehrheit.
Damit zeigt sich ein tiefgreifender Vertrauensverlust in die amtierende Regierung. Die Zahlen deuten nicht nur auf eine vorübergehende Unzufriedenheit hin, sondern auf eine strukturelle Verschiebung der politischen Kräfteverhältnisse. Die AfD profitiert sichtbar von dieser Entwicklung, während Kanzler Friedrich Merz und seine Regierung immer stärker an Rückhalt verlieren.
Die AfD profitiert von wachsender Enthemmung
Besonders bemerkenswert ist, dass der Aufstieg der AfD trotz ihrer weiteren Radikalisierung stattfindet. Der Extremismusforscher Gideon Botsch beschreibt genau diesen Mechanismus. Er sagte, das Stigma, das mit einer Wahl der AfD verbunden gewesen sei, sei „deutlich geschmolzen“. Diese Aussage ist politisch brisant. Denn sie bedeutet, dass die Hemmschwelle, die Partei zu wählen, in Teilen der Gesellschaft spürbar gesunken ist.
Genau darin liegt die eigentliche Sprengkraft dieser Entwicklung. Die AfD wächst nicht trotz ihres Rechtsrucks, sondern offenbar in einem Klima, in dem immer mehr Wähler diese Entwicklung entweder hinnehmen oder nicht mehr als Ausschlussgrund betrachten. Das verschiebt die politische Landschaft tiefgreifend. Eine Partei, die bei der Bundestagswahl 2025 noch auf 20,8 Prozent kam, steht nun bei 28 Prozent. Das ist ein Zuwachs von 7,2 Prozentpunkten.
Union und SPD fallen auf ein bitteres Tief
Noch schwerer wiegt der Einbruch bei den Regierungsparteien. Die CDU/CSU liegt in der Umfrage nur noch bei 22 Prozent. Bei der Bundestagswahl 2025 waren es noch 28,5 Prozent. Die SPD fällt auf nur noch 12 Prozent, nachdem sie 2025 immerhin 16,4 Prozent erreicht hatte.
Damit verliert die Union 6,5 Prozentpunkte, die SPD 4,4 Prozentpunkte. Besonders unerquicklich ist, dass sich beide Parteien gemeinsam auf nur 34 Prozent summieren. Eine Regierung, die mit dem Anspruch angetreten ist, Stabilität und wirtschaftliche Erneuerung zu liefern, steht damit politisch auf äußerst brüchigem Boden.
Auch die übrigen Parteien zeigen, wie stark sich das Feld verschoben hat: Die Grünen liegen bei 14 Prozent, die Linke bei 11 Prozent, die FDP bei 4 Prozent, das BSW bei 3 Prozent und die Sonstigen bei 6 Prozent. Auffällig bleibt zudem, dass der Anteil der Nichtwähler und Unentschlossenen mit 26 Prozent weit über dem Niveau der vergangenen Bundestagswahl liegt, als der Anteil der Nichtwähler bei 17,9 Prozent lag.
Merz verliert dramatisch an Rückhalt
Besonders hart fällt das Urteil über Friedrich Merz persönlich aus. Nur 14 Prozent der Deutschen sind mit seiner Arbeit zufrieden. 85 Prozent äußern Unzufriedenheit. Selbst unter den Anhängern der Unionsparteien sind inzwischen 57 Prozent mit seiner Arbeit nicht zufrieden.
Diese Zahlen sind verheerend. Ein Kanzler, der nicht einmal mehr in seinem eigenen politischen Lager eine stabile Mehrheit hinter sich weiß, verliert zwangsläufig Autorität. Noch problematischer wird das dadurch, dass Merz gerade bei dem Thema versagt, das für viele Bürger derzeit zentral ist: die wirtschaftliche Lage des Landes.
Nur noch 16 Prozent der Deutschen haben den Eindruck, dass Merz sich ausreichend um die Lösung der wirtschaftlichen Probleme kümmert. Im Juni 2025 waren es noch 31 Prozent, im September 2025 noch 21 Prozent. Nun sind es nur noch 16 Prozent. Im Gegenzug sagen 80 Prozent, der Kanzler kümmere sich nicht ausreichend um die wirtschaftlichen Probleme in Deutschland. Sogar unter den Anhängern der Union vertreten 60 Prozent diese Auffassung.
Die wirtschaftliche Stimmung bleibt düster
Die politische Krise ist eng mit der wirtschaftlichen Stimmung verknüpft. Nur 14 Prozent der Deutschen erwarten, dass sich die wirtschaftlichen Verhältnisse in den kommenden Jahren verbessern. Demgegenüber rechnen 68 Prozent mit einer weiteren Verschlechterung. Das ist nicht bloß Skepsis, sondern ein massiver Pessimismus, der direkt auf die Regierung zurückfällt.
Wer wirtschaftliche Sicherheit verspricht, aber von einer so breiten Mehrheit nicht mehr als Lösungsinstanz wahrgenommen wird, verliert schnell Vertrauen. Genau hier scheint der Kern des Problems zu liegen. Viele Bürger erleben die Regierung nicht als handlungsstark, sondern als kraftlos, verspätet oder unklar. Davon lebt die AfD derzeit politisch.
Auch bei der Kompetenzfrage rückt die AfD vor
Die Verschiebung zeigt sich nicht nur bei den reinen Wahlwerten, sondern auch bei der Frage nach politischer Problemlösungskompetenz. 15 Prozent der Befragten trauen der AfD am ehesten zu, mit den Problemen in Deutschland fertigzuwerden. Die Union kommt hier nur noch auf 13 Prozent. Alle anderen Parteien bleiben einstellig.
Besonders alarmierend ist jedoch ein anderer Wert: 53 Prozent trauen keiner Partei politische Kompetenz zu. Das ist ein schweres Alarmsignal für das gesamte politische System. Es zeigt, dass sich der Vertrauensverlust längst nicht nur gegen einzelne Parteien richtet, sondern gegen die politische Klasse insgesamt.
Die wichtigsten Themen zeigen den Druck auf die Regierung
Im Themenradar liegt die Arbeit der Bundesregierung mit 42 Prozent auf Platz eins der wichtigsten Themen. Dahinter folgen der Iran beziehungsweise der Krieg im Nahen Osten mit 32 Prozent sowie die ökonomische Lage mit 31 Prozent. Erst danach folgen der Ukraine-Krieg mit 17 Prozent, allgemeine Kriege und Konflikte mit 11 Prozent, die Reform der Krankenkassen mit 9 Prozent, die Situation in den USA mit 8 Prozent, die Benzinpreise mit 7 Prozent und die Rente ebenfalls mit 7 Prozent.
Schon diese Reihenfolge zeigt, woran die Regierung gemessen wird. Nicht abstrakte Zukunftsfragen dominieren, sondern Krisenmanagement, Wirtschaft und konkrete Alltagsbelastungen. Genau dort fällt das Urteil über Merz und seine Koalition derzeit besonders schlecht aus.
Breite Mehrheit will Tankrabatt verlängern
Auch beim Tankrabatt zeigt sich, wie stark wirtschaftlicher Druck politische Stimmungen prägt. 63 Prozent der Deutschen sprechen sich dafür aus, die Steuersenkung von knapp 17 Cent pro Liter Benzin und Diesel für einige weitere Monate zu verlängern. Nur 33 Prozent lehnen das ab.Bemerkenswert ist, dass nur die Anhänger der Grünen mehrheitlich gegen eine Verlängerung sind. Die Anhänger aller anderen Parteien unterstützen sie mehrheitlich. Auch das ist ein Hinweis darauf, wie stark der Wunsch nach unmittelbarer Entlastung geworden ist. In einem solchen Klima treffen Regierungen auf eine Öffentlichkeit, die weniger Geduld und deutlich mehr konkrete Antworten verlangt.