Schwächerer Inflationswert stützt Gold nicht
Der Goldpreis hat am Donnerstag trotz einer niedriger als erwarteten US-Inflation deutlich nachgegeben und ist zeitweise unter die wichtige Marke von 4000 US-Dollar je Feinunze gerutscht. An den Terminmärkten in New York fielen die Gold-Futures zwischenzeitlich auf 3977,10 US-Dollar je Feinunze. Im weiteren Handelsverlauf verringerte sich der Rückgang wieder leicht, dennoch notierte der Preis mit 4002 US-Dollar noch immer 1,2 Prozent unter dem Vortagesniveau.

Eigentlich gelten schwächere Inflationsdaten in den Vereinigten Staaten häufig als Unterstützung für den Goldmarkt. Anleger rechnen in solchen Fällen oft mit einer lockereren Geldpolitik der US-Notenbank Fed, was Edelmetalle attraktiver macht. Dieses Mal überwogen jedoch andere Faktoren das Marktgeschehen.
Konflikt zwischen USA und Iran sorgt für Nervosität
Für Unsicherheit an den Finanzmärkten sorgt erneut die angespannte Lage zwischen Washington und Teheran. Anleger befürchten, dass eine Verschärfung des Konflikts die internationalen Energiepreise deutlich steigen lassen könnte.
Höhere Öl- und Gaspreise würden die Inflation wieder antreiben und damit den Spielraum der amerikanischen Notenbank bei möglichen Zinssenkungen einschränken. Genau diese Aussicht belastete den Goldmarkt, obwohl die jüngsten Inflationsdaten zunächst auf eine günstigere Entwicklung hingedeutet hatten.
US-Dollar gewinnt wieder an Stärke
Parallel zum Rückgang des Goldpreises legte der US-Dollar gegenüber zahlreichen anderen Währungen wieder zu. Der US-Dollar-Index, der die Entwicklung der amerikanischen Währung gegenüber einem Korb wichtiger Währungen misst, stieg um 0,1 Prozent auf 100,64 Punkte.
Ein stärkerer Dollar verteuert Goldkäufe für Investoren außerhalb der Vereinigten Staaten, da das Edelmetall weltweit überwiegend in US-Dollar gehandelt wird. Dies kann die Nachfrage zusätzlich dämpfen und den Goldpreis unter Druck setzen.
Experte sieht Energiepreise als entscheidenden Faktor
Der Marktanalyst Fawad Razaqzada von Forex.com sieht vor allem die Entwicklung der Energiepreise als entscheidenden Einflussfaktor für die weitere Geldpolitik der amerikanischen Notenbank.
Er erklärt wörtlich: „Anhaltend hohe Energiepreise würden es der Fed erschweren, eine ‘dovishere’ Haltung einzunehmen.“
Weiter sagte er: „Das ist ein Grund, warum der US-Dollar heute wieder etwas an Fahrt gewinnt, insbesondere gegenüber den Währungen von Volkswirtschaften, die stark auf Energieimporte angewiesen sind.“
Seiner Einschätzung zufolge reagieren die Devisenmärkte bereits auf die Möglichkeit, dass steigende Energiekosten die Inflation erneut anheizen könnten. Dadurch könnten Zinssenkungen später erfolgen oder geringer ausfallen als bislang erwartet.
Markt blickt auf weitere Entwicklungen
Die jüngste Kursbewegung zeigt, dass der Goldmarkt derzeit nicht allein von Konjunktur- oder Inflationsdaten beeinflusst wird. Geopolitische Spannungen und deren mögliche Folgen für die Energieversorgung spielen momentan eine ebenso wichtige Rolle.
Mit einem kurzfristigen Tief bei 3977,10 US-Dollar und einer anschließenden Erholung auf 4002 US-Dollar je Feinunze blieb der Handel von erheblichen Schwankungen geprägt. Gleichzeitig richtet sich der Blick der Investoren auf die nächsten Aussagen der Fed sowie auf die weitere Entwicklung der Lage im Nahen Osten, da beide Faktoren die Richtung an den Rohstoff- und Devisenmärkten maßgeblich bestimmen könnten.