Die Krise bei den Baumarktketten Hellweg und BayWa Bau & Garten spitzt sich dramatisch zu. Nach der Eröffnung der Insolvenzverfahren steht inzwischen fest, dass nur ein Teil der mehr als 110 Filialen eine Zukunft unter einem neuen Betreiber haben dürfte. Für zahlreiche weitere Standorte gibt es dagegen bislang keine tragfähige Lösung.
Damit steht nicht nur die Zukunft vieler Märkte auf dem Spiel. Auch zahlreiche Beschäftigte müssen um ihre Arbeitsplätze bangen. Die bisherigen Marken Hellweg und BayWa Bau & Garten sollen aufgegeben werden.
Nur 35 Standorte haben einen Interessenten
Für insgesamt 35 Filialen gibt es nach Angaben der Unternehmen voraussichtlich Käufer. Die Investoren sollen nicht nur die jeweiligen Standorte übernehmen, sondern auch die dort beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Allerdings sind die Übernahmen teilweise noch nicht endgültig gesichert. In einigen Fällen müssen zunächst kartellrechtliche Prüfungen abgeschlossen werden. Bei anderen Standorten hängt die Zukunft noch von einer Einigung mit den jeweiligen Vermietern ab.
Die Zahl macht zugleich das Ausmaß der Krise deutlich: Von den mehr als 110 Märkten haben damit bislang weniger als ein Drittel eine konkrete Fortführungsperspektive.
Diese Hellweg-Märkte sollen erhalten bleiben
Bei Hellweg gibt es derzeit für folgende Standorte Aussicht auf eine Übernahme:
- Beckum
- Berlin-Tiergarten
- Berlin-Yorckstraße
- Brandenburg
- Dahlwitz-Hoppegarten
- Dorsten
- Dortmund-Hacheney
- Dortmund-Kley
- Essen-Borbeck
- Essen-Rellinghausen
- Falkensee
- Halberstadt
- Iserlohn
- Mechernich
- Münster-Gievenbeck
- Potsdam
- Schmalkalden
- Steinfurt
Damit konzentriert sich ein wesentlicher Teil der möglichen Rettungen auf bestehende Hellweg-Standorte, während für viele andere Filialen weiterhin nach Investoren gesucht werden muss.

Auch 17 BayWa-Märkte haben Chancen
Bei BayWa Bau & Garten zeichnet sich für insgesamt 17 Standorte eine mögliche Fortführung ab. Dazu gehören:
- Backnang, Bad Tölz und Bad Urach
- Balingen, Burghausen und Dillingen
- Grafenau, Herrenberg und Murnau
- Nördlingen, Pfarrkirchen und Poing
- Schwabmünchen, Viechtach und Weil
- Weinsberg und Wolfratshausen
Die Märkte sollen allerdings nicht unter ihren bisherigen Marken weitergeführt werden. Stattdessen sollen andere Handelsunternehmen die Standorte übernehmen.
Obi will bis zu zwölf Märkte übernehmen
Eine konkrete Perspektive gibt es inzwischen für einen Teil der Standorte. Die Baumarktkette Obi hat angekündigt, bis zu zwölf Hellweg- und BayWa-Märkte in das eigene Filialnetz integrieren zu wollen.
Damit zeichnet sich zumindest für einen Teil der Belegschaften eine Weiterbeschäftigung ab. Welche weiteren Unternehmen hinter den übrigen geplanten Übernahmen stehen, ist bislang nicht bekannt.
Für die betroffenen Kunden könnte sich das Erscheinungsbild der Märkte damit künftig deutlich verändern: Die Standorte bleiben möglicherweise als Baumärkte erhalten, während Hellweg und BayWa Bau & Garten als Marken aus dem Markt verschwinden.
Für Dutzende Filialen fehlt weiterhin ein Käufer
Besonders kritisch ist die Situation bei den zahlreichen Standorten, für die noch keine Übernahmelösung gefunden wurde. Betroffen sind unter anderem Hellweg-Märkte in Berlin-Biesdorf, Berlin-Köpenick, Bochum, Bonn-Beuel, Chemnitz, Hamm, Leipzig, Lüdenscheid, Recklinghausen, Wuppertal und Zwickau.
Auch bei BayWa Bau & Garten gibt es eine lange Liste gefährdeter Standorte. Dazu zählen beispielsweise Bad Hersfeld, Bad Windsheim, Fürth, Nürnberg, Passau, Reutlingen, Würzburg und Traunreut.
Die vollständige Zahl der gefährdeten Märkte zeigt, wie weitreichend die Restrukturierung ausfällt.
Beschäftigte erhalten trotz laufender Suche Kündigungen
Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist die Lage besonders belastend. Der Betrieb in den noch nicht geretteten Filialen läuft derzeit zwar weiter, dennoch wurden den betroffenen Beschäftigten bereits Kündigungen ausgesprochen.
Als Begründung nannten die Unternehmen, dass derzeit nicht absehbar sei, welche Standorte tatsächlich einen neuen Betreiber finden. In der Mitteilung heißt es:
„da nicht absehbar ist, für welche der verbliebenen Filialen noch eine Fortführungslösung gefunden werden kann“
Parallel laufen weiterhin Gespräche mit potenziellen Investoren. Sollte sich für einen Standort kein Käufer finden, müssen die betreffenden Märkte voraussichtlich bis Ende November schließen.
Wie viele Arbeitsplätze insgesamt gefährdet sind, lässt sich derzeit nicht exakt beziffern. Nach Angaben des Unternehmens arbeiten durchschnittlich etwa 30 bis 35 Beschäftigte pro Filiale. Bei einer größeren Zahl endgültig geschlossener Märkte könnte damit eine erhebliche Zahl von Arbeitsplätzen wegfallen.
Insolvenzverfahren am 27. August eröffnet
Die rechtliche Grundlage für die Sanierung hat sich inzwischen verändert. Mitte Juni 2026 hatten Hellweg und die betroffenen Gesellschaften beim Amtsgericht Essen Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beantragt.
Am 27. August 2026 wurden die Insolvenzverfahren schließlich offiziell eröffnet. Zum Sachwalter wurde der Rechtsanwalt Stefan Denkhaus bestellt.
Die Eigenverwaltung soll den Unternehmen grundsätzlich ermöglichen, ihre Sanierung unter eigener Verantwortung voranzutreiben. Gleichzeitig werden die Verfahren überwacht und rechtlich begleitet.
Mehrere Faktoren führten in die Krise
Die Schwierigkeiten bei Hellweg und BayWa sind nach Unternehmensangaben auf mehrere Belastungen zurückzuführen. Als Ursachen wurden unter anderem Lieferengpässe, geopolitische Unsicherheiten und eine zurückhaltende Konsumstimmung genannt.
Hinzu kamen steigende Kosten. Besonders höhere Mieten sowie die durch die Inflation gestiegenen Aufwendungen belasteten die Unternehmen.
Für Baumärkte ist eine schwache Konsumnachfrage besonders problematisch. Größere Renovierungsprojekte, Gartenarbeiten und Anschaffungen für Haus und Wohnung lassen sich von Kunden häufig verschieben, wenn die wirtschaftliche Unsicherheit zunimmt. Gleichzeitig laufen Fixkosten wie Mieten, Personal- und Energiekosten weiter.
Die Zeit für weitere Rettungen wird knapp
Für die noch nicht übernommenen Filialen läuft damit ein Wettlauf gegen die Zeit. Zwar werden weiterhin Gespräche mit möglichen Investoren geführt, doch ohne verbindliche Vereinbarung bleibt die Zukunft der jeweiligen Standorte unsicher.
Sollte kein Käufer gefunden werden, droht spätestens Ende November das Aus. Für die Beschäftigten bedeutet dies eine weiterhin ungewisse Situation, während Kunden ebenfalls damit rechnen müssen, dass bekannte Baumarktstandorte in ihrer Region verschwinden oder unter einem neuen Namen weitergeführt werden.