Rund 1.800 Beschäftigte sind betroffen
Der Biopharmakonzern Biontech wird seine Produktionsstruktur in Deutschland deutlich verkleinern. Nachdem das Unternehmen über Monate nach möglichen Käufern für drei Standorte gesucht hat, steht nun fest: Die Werke in Marburg, Idar-Oberstein und Tübingen sollen wie geplant geschlossen werden.
Zusammen arbeiten an den drei Standorten rund 1.800 Menschen. Die Suche nach Investoren oder anderen Unternehmen, die einzelne Werke vollständig oder teilweise übernehmen könnten, blieb ohne Erfolg.
Damit setzt Biontech einen bereits im Frühjahr angekündigten Umbau seiner Produktionskapazitäten um.

Verkauf der Standorte scheitert
Biontech hatte im Mai angekündigt, sein Produktionsnetz in Deutschland zu verkleinern. Gleichzeitig wollte das Unternehmen zunächst prüfen, ob sich für die betroffenen Werke Käufer finden lassen.
Die Schließungen sollten nach den ursprünglichen Planungen bis Ende 2027 umgesetzt werden. Ein Verkauf hätte dabei möglicherweise ermöglicht, zumindest Teile der Produktionskapazitäten und Arbeitsplätze zu erhalten.
Noch Ende August hatte Biontech mitgeteilt, die Gespräche mit potenziellen Investoren bis Ende September fortsetzen zu wollen. Nun steht jedoch fest, dass kein geeigneter Käufer gefunden wurde.
Damit nimmt der Konzern die bereits angekündigte Stilllegung der drei Standorte in Angriff.
Marburg verliert wichtigen Produktionsstandort
Besonders bedeutend ist die Schließung des Werks in Marburg. Dort sind rund 540 Beschäftigte betroffen.
Der Standort spielte während der Corona-Pandemie eine zentrale Rolle bei der Herstellung des gemeinsam mit Pfizer entwickelten Covid-19-Impfstoffs. Das Werk zählt zu den größeren Produktionsstätten für mRNA-Technologie in Europa.
Biontech hatte den Standort im Jahr 2020 vom Schweizer Pharmakonzern Novartis übernommen. Anschließend wurde die Produktionsstätte weiter ausgebaut, um die Herstellung der Impfstoffe zu ermöglichen und die Produktionskapazitäten während der Pandemie deutlich zu erhöhen.
Die nun geplante Schließung markiert damit eine erhebliche Veränderung gegenüber der Zeit, in der die Nachfrage nach Covid-19-Impfstoffen weltweit stark angestiegen war.
In Tübingen stehen 820 Stellen auf dem Spiel
Noch größer ist die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze in Tübingen. Dort geht es nach den bisherigen Angaben um rund 820 Beschäftigte.
Der Standort hat ebenfalls eine besondere Geschichte innerhalb der deutschen Biotechnologiebranche. Er gehörte ursprünglich zum Biotechnologieunternehmen CureVac.
Biontech übernahm CureVac Anfang 2026 und integrierte damit auch dessen Aktivitäten in die eigene Unternehmensstruktur. Nun steht ausgerechnet dieser Produktionsstandort vor der Schließung.
Mit etwa 820 betroffenen Arbeitsplätzen entfällt damit fast die Hälfte der insgesamt rund 1.800 Stellen, die durch die drei Werksschließungen betroffen sind.
Auch Idar-Oberstein betroffen
Am Standort Idar-Oberstein sollen bis zu rund 440 Arbeitsplätze wegfallen.
Zusammen mit den rund 540 Stellen in Marburg und den etwa 820 Arbeitsplätzen in Tübingen ergibt sich die Gesamtzahl von rund 1.800 betroffenen Beschäftigten.
Die drei Standorte unterscheiden sich zwar hinsichtlich ihrer bisherigen Aufgaben und ihrer Unternehmensgeschichte, stehen jedoch gemeinsam für die von Biontech geplante Konzentration der Produktion.
Corona-Geschäft verliert an Bedeutung
Ein wichtiger Grund für die Neuausrichtung ist die veränderte Nachfrage nach Covid-19-Impfstoffen. Nach dem außergewöhnlichen Bedarf während der Pandemie ist der Markt deutlich kleiner geworden.
Biontech sieht sich deshalb mit Produktionskapazitäten konfrontiert, die nicht mehr vollständig zur aktuellen Nachfrage passen. Das Unternehmen spricht in diesem Zusammenhang unter anderem von Überkapazitäten und veränderten Anforderungen an die Produktion.
Die wirtschaftliche Entwicklung des Impfstoffgeschäfts zeigt sich auch bei der Umsatzprognose des Konzerns.
Umsatzprognose deutlich gesenkt
Im August reduzierte Biontech seine Prognose für den Umsatz im laufenden Jahr. Ursprünglich hatte das Unternehmen mit Einnahmen zwischen 2,0 und 2,3 Milliarden Euro gerechnet.
Die neue Prognose liegt dagegen nur noch bei 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro.
Damit wurde die erwartete Umsatzspanne am oberen Ende um 400 Millionen Euro reduziert. Am unteren Ende beträgt die Differenz ebenfalls 400 Millionen Euro.
Die Anpassung verdeutlicht den wirtschaftlichen Druck, unter dem das Unternehmen steht, während die Nachfrage nach Covid-19-Impfstoffen hinter früheren Erwartungen zurückbleibt.
Biontech will Kosten dauerhaft senken
Mit der Neuordnung seiner Produktionslandschaft verfolgt Biontech vor allem ein Ziel: Die Kosten sollen deutlich sinken und gleichzeitig mehr Kapital für die Entwicklung neuer Medikamente verfügbar werden.
Ab 2029 erwartet das Unternehmen durch die geplanten Veränderungen wiederkehrende Einsparungen von rund 500 Millionen Euro pro Jahr.
Damit geht es nicht lediglich um eine kurzfristige Reduzierung von Ausgaben. Biontech will seine gesamte Unternehmensstruktur stärker auf die Bereiche ausrichten, in denen künftig neues Wachstum erwartet wird.
Fokus verschiebt sich auf Krebstherapien
Im Mittelpunkt der künftigen Strategie steht zunehmend die Entwicklung neuer Krebstherapien.
Die während der Pandemie aufgebauten Produktionskapazitäten waren auf eine außergewöhnlich hohe Nachfrage nach Covid-19-Impfstoffen ausgerichtet. Da sich die Marktsituation inzwischen verändert hat, will Biontech finanzielle Mittel und Ressourcen stärker in die Entwicklung weiterer Medikamente investieren.
Die Schließung der drei deutschen Werke ist damit Bestandteil eines umfassenderen Umbaus. Für die betroffenen Regionen bedeutet die Entscheidung allerdings einen erheblichen Einschnitt, da insgesamt rund 1.800 Arbeitsplätze an den Standorten zur Disposition stehen.