Gemeinschaftswährung nähert sich weiter dem Tiefpunkt
Der Euro steht am Devisenmarkt erneut erheblich unter Druck. Die Gemeinschaftswährung bewegte sich am Dienstag in der Nähe eines 17-Monats-Tiefs und wurde zeitweise mit 1,1215 US-Dollar bewertet.

Damit bleibt die europäische Währung nur knapp über dem Niveau, das sie am Vortag erreicht hatte. Am Montag war der Euro bis auf 1,1160 Dollar gefallen. Das war der niedrigste Stand seit Mai 2025.
Anleger blicken derzeit vor allem mit Sorge auf die politische und finanzielle Situation in Europa. Besonders die angespannte Haushaltslage Frankreichs belastet den Euro. Hinzu kommt neue politische Unsicherheit in Spanien.
Frankreichs Schulden werden zum Belastungsfaktor
Die hohe Verschuldung Frankreichs rückt zunehmend in den Mittelpunkt der internationalen Finanzmärkte. Investoren beobachten kritisch, ob Paris in der Lage ist, sein erhebliches Haushaltsdefizit zu reduzieren und die öffentlichen Finanzen langfristig zu stabilisieren.
Diese Unsicherheit wirkt sich unmittelbar auf die Wahrnehmung des Euro aus. Je größer die Zweifel an der finanziellen Stabilität eines wichtigen Mitgliedstaates der Eurozone werden, desto stärker kann dies die Gemeinschaftswährung unter Druck setzen.
Der Euro notierte zuletzt zwar 0,1 Prozent höher bei 1,1237 Dollar, doch dieser leichte Anstieg änderte wenig am insgesamt schwachen Bild.
Analyst erwartet einen weiteren Kursrutsch
Joseph Capurso, Stratege bei der Commonwealth Bank of Australia, beurteilt die Aussichten für den Euro ausgesprochen skeptisch.
„Wir sind ziemlich pessimistisch, was den Euro angeht“, sagte Capurso. Nach seiner Einschätzung könnte die Gemeinschaftswährung noch deutlich weiter nachgeben.
Seine Prognose ist eindeutig: „Wir glauben, dass er auf unter 1,10 Dollar fallen wird.“
Damit würde der Euro gegenüber dem aktuellen Niveau nochmals erheblich an Wert verlieren. Ein solcher Rückgang würde die Gemeinschaftswährung auf ein deutlich niedrigeres Kursniveau führen und den bestehenden Abwärtstrend verstärken.
Zwei Bedingungen für eine Erholung
Nach Einschätzung von Capurso gibt es allerdings Faktoren, die dem Euro wieder Auftrieb geben könnten. Eine entscheidende Rolle spielen dabei die Ölpreise.
Der Stratege hält einen deutlichen Rückgang der Ölpreise für eine Voraussetzung dafür, dass der Euro wieder an Wert gewinnen kann. Sinkende Energiekosten könnten den wirtschaftlichen Druck auf Europa reduzieren und damit die Perspektiven der Gemeinschaftswährung verbessern.
Daneben nennt Capurso die französischen Staatsfinanzen als weiteren entscheidenden Punkt. „Eine weitere Voraussetzung wäre, dass Frankreich endlich sein Haushaltsdefizit in den Griff bekommt, aber ich glaube nicht, dass das in absehbarer Zeit passieren wird.“
Seine Einschätzung macht deutlich, wie eng die Entwicklung des Euro derzeit mit der finanzpolitischen Situation Frankreichs verbunden wird.
Politische Unsicherheit in Spanien verschärft die Lage
Neben Frankreich belastet auch Spanien die Stimmung am Devisenmarkt. Die Ankündigung von Neuwahlen sorgt für zusätzliche politische Unsicherheit innerhalb der Eurozone.
Für internationale Anleger bedeutet dies eine weitere Unbekannte in einer ohnehin angespannten Situation. Frankreich kämpft mit seinen Haushaltsproblemen, während Spanien vor einem politischen Wechsel beziehungsweise einer neuen Abstimmung über die politische Führung steht.
Beide Entwicklungen können die Risikowahrnehmung gegenüber europäischen Vermögenswerten beeinflussen und damit zusätzlichen Druck auf die Gemeinschaftswährung ausüben.
Dollar zeigt sich gegenüber Yen stärker
Während der Euro schwächelt, kann der US-Dollar gegenüber anderen wichtigen Währungen leicht zulegen. Zum japanischen Yen stieg die US-Währung auf 157,96 Yen.
Auch gegenüber dem Schweizer Franken bewegte sich der Dollar nach oben. Dort legte er um 0,1 Prozent auf 0,8317 Franken zu.

Die Entwicklung zeigt, dass der Dollar derzeit von der Schwäche des Euro profitieren kann. Für Anleger bleibt die US-Währung damit ein wichtiger Zufluchtsort, während europäische Währungen mit politischen und fiskalischen Unsicherheiten kämpfen.
Euro bleibt deutlich unter seinem früheren Niveau
Der aktuelle Kurs von rund 1,12 Dollar steht in deutlichem Kontrast zu den höheren Notierungen, die der Euro noch zuvor erreicht hatte. Bereits der Rückgang auf 1,1160 Dollar am Montag verdeutlichte die zunehmende Schwäche.
Dass sich die Gemeinschaftswährung anschließend leicht erholen konnte, reicht bislang nicht aus, um den Abwärtstrend zu durchbrechen. Mit 1,1237 Dollar liegt der Euro weiterhin nahe seinem 17-Monats-Tief.
Entscheidend wird deshalb sein, ob sich die Sorgen um Frankreichs Staatsfinanzen und die politische Situation in Spanien abschwächen. Gleichzeitig bleibt die Entwicklung der Energiepreise ein wichtiger Faktor für die weitere Richtung des Wechselkurses.