Die Kraftstoffversorgung in Frankreich wird zunehmend angespannt. Landesweit sind inzwischen rund 15 Prozent der knapp 9.900 Tankstellen von Engpässen betroffen. Damit fehlt an etwa jeder siebten Station mindestens eine Benzin- oder Dieselsorte.
Besonders schwierig ist die Lage im Osten des Landes sowie im Großraum Paris. In der Region Grand Est melden bereits 22 Prozent der Tankstellen Versorgungsprobleme, in der Île-de-France sind es 21 Prozent. Anfang Oktober hatte der landesweite Anteil betroffener Stationen noch bei lediglich 9 Prozent gelegen.
Engpässe haben sich binnen Wochen deutlich verschärft
Die Entwicklung zeigt, wie schnell sich die Versorgungslage verschlechtert hat.
Anfang Oktober waren noch rund 9 Prozent der französischen Tankstellen von fehlenden Kraftstoffen betroffen. Inzwischen liegt der Anteil bei 15 Prozent.
Auch regional hat sich die Lage zugespitzt:
- Frankreich insgesamt: 15 Prozent der Tankstellen betroffen
- Anfang Oktober: 9 Prozent
- Grand Est aktuell: 22 Prozent
- Grand Est Anfang Oktober: 16 Prozent
- Île-de-France: 21 Prozent
- Korsika: bislang nicht betroffen
Damit verzeichnet insbesondere der Osten Frankreichs einen deutlichen Anstieg der Engpässe.
Niedrigwasser auf dem Rhein behindert Lieferungen
Ein wichtiger Grund ist der niedrige Wasserstand des Rheins.
Der Fluss ist eine bedeutende Transportverbindung für Mineralölprodukte. Bei Niedrigwasser können Frachtschiffe deutlich weniger Ladung aufnehmen oder einzelne Strecken teilweise gar nicht mehr wirtschaftlich befahren.
Dadurch verzögert sich insbesondere die Versorgung östlicher Regionen Frankreichs.
Betroffen sind unter anderem Gebiete im Elsass und in Lothringen, die zur Region Grand Est gehören.
Wenn weniger Kraftstoff über den Rhein transportiert werden kann, müssen Lieferungen verstärkt über andere Verkehrswege erfolgen. Dadurch entstehen zusätzliche logistische Belastungen.
Günstige TotalEnergies-Tankstellen besonders gefragt
Zusätzlich verschärft eine starke Nachfrage an preisgünstigen Tankstellen die Situation.
TotalEnergies hat die Preise an Teilen seines französischen Tankstellennetzes begrenzt.
Dort sollen höchstens folgende Preise verlangt werden:
- Benzin: 1,99 Euro je Liter
- Diesel: 2,25 Euro je Liter
Zum Vergleich lagen die landesweiten Durchschnittspreise am 22. Oktober 2026 deutlich höher:
- Diesel: durchschnittlich 2,35 Euro je Liter
- Benzin: durchschnittlich 2,23 Euro je Liter
Vor allem bei Benzin ergibt sich damit ein erheblicher Preisunterschied.
Preisdeckel sorgt für zusätzlichen Andrang
Die günstigeren Preise erhöhen den Kundenandrang an bestimmten Stationen.
Bei Benzin beträgt die Differenz zwischen dem landesweiten Durchschnitt von 2,23 Euro und dem begrenzten Preis von 1,99 Euro rund 24 Cent je Liter.
Wer beispielsweise 50 Liter tankt, kann dadurch rechnerisch rund 12 Euro sparen.
Beim Diesel beträgt die Differenz zum Durchschnittspreis etwa 10 Cent je Liter. Bei einer 50-Liter-Tankfüllung wären das rund 5 Euro.
Dieser Preisvorteil führt dazu, dass einzelne Stationen besonders stark frequentiert werden und ihre Vorräte schneller aufbrauchen.
Grand Est ist am stärksten betroffen
Die schwierigste Lage herrscht derzeit in Grand Est.
Dort melden 22 Prozent der Tankstellen Engpässe. Damit ist mehr als jede fünfte Station betroffen.
Zur Region gehören unter anderem das Elsass und Lothringen.
Gerade dort wirkt sich der niedrige Rheinpegel besonders stark auf die Versorgung aus, weil die Region stark von Transportwegen entlang des Rheins abhängig ist.
Anfang Oktober hatten dort noch 16 Prozent der Tankstellen Probleme gemeldet. Innerhalb weniger Wochen stieg der Anteil damit um 6 Prozentpunkte.

Auch rund um Paris fehlt Kraftstoff
Fast genauso angespannt ist die Situation in der Île-de-France.
In der Region rund um Paris sind 21 Prozent der Tankstellen von Engpässen betroffen.
Damit fehlt dort an mehr als jeder fünften Station zumindest eine Kraftstoffsorte.
Im dicht besiedelten Großraum Paris kann eine eingeschränkte Versorgung besonders schnell zu langen Warteschlangen und stärkerem Andrang auf weiterhin gut versorgte Tankstellen führen.
Korsika bleibt bislang verschont
Nicht alle französischen Regionen sind gleichermaßen betroffen.
Auf Korsika wurden bislang keine entsprechenden Kraftstoffengpässe gemeldet.
Damit zeigt sich ein deutliches regionales Gefälle.
Die Versorgungskrise konzentriert sich vor allem auf Regionen, die stärker von eingeschränkten Transportwegen oder einer besonders hohen Nachfrage betroffen sind.
ADAC rät Reisenden zum Tanken vor der Grenze
Auch für Autofahrer aus Deutschland können die Probleme Folgen haben.
Besonders auf Fahrten durch Elsass und Lothringen besteht die Möglichkeit, dass einzelne Tankstellen bestimmte Kraftstoffsorten nicht anbieten können.
Der ADAC empfiehlt Reisenden deshalb, das Fahrzeug möglichst noch vor dem Grenzübertritt vollständig zu betanken.
Wer bereits in Frankreich unterwegs ist, sollte Tankmöglichkeiten frühzeitig nutzen und nicht darauf warten, bis der Tank nahezu leer ist.
Reservekanister nur begrenzt mitführen
Wer zusätzlichen Kraftstoff mitnehmen möchte, sollte dabei die Sicherheitsregeln beachten.
Empfohlen wird, im Fahrzeug aus Sicherheitsgründen nicht mehr als zehn Liter Kraftstoff als Reserve mitzuführen.
Von Reservekanistern auf Fähren wird grundsätzlich abgeraten.
Autofahrer sollten deshalb eher frühzeitig tanken, anstatt größere Kraftstoffmengen im Fahrzeug zu transportieren.
Auch die Schweiz kämpft mit Versorgungsproblemen
Nicht nur Frankreich ist betroffen.
Auch in der Schweiz hat sich die Versorgung mit Mineralölprodukten verschlechtert.
Besonders kritisch wird die Lage bei Diesel und Kerosin eingeschätzt.
Im aktuellen Lagebericht wird die Dieselversorgung als „sehr angespannt“ bezeichnet. Bei Kerosin gilt die „Versorgung gefährdet“.
Bei beiden Kraftstoffarten wurden bereits Reserven freigegeben.
Pflichtlager werden bereits angezapft
Für Kerosin wurden Lieferungen aus den staatlich vorgeschriebenen Pflichtlagern genehmigt.
Auch bei Diesel wurden Reserven freigegeben.
Die Schweiz verfügt über strategische Vorräte, um Engpässe in außergewöhnlichen Situationen abzufedern.
Dass diese Lager bereits genutzt werden, zeigt jedoch, dass die aktuelle Versorgungslage nicht nur theoretischer Natur ist.
Schweiz prüft Tempo 80 auf Autobahnen
Für den Fall einer deutlichen Verschärfung der Treibstoffknappheit wird in der Schweiz sogar eine vorübergehende Senkung des Tempolimits diskutiert.
Derzeit gilt auf Schweizer Autobahnen grundsätzlich eine Höchstgeschwindigkeit von 120 Kilometern pro Stunde.
Geprüft wird, ob diese im Krisenfall auf 80 Kilometer pro Stunde reduziert werden könnte.
Durch niedrigere Geschwindigkeiten lässt sich der Kraftstoffverbrauch vieler Fahrzeuge senken.
Eine endgültige Entscheidung darüber gibt es bislang allerdings nicht.
Schweizer Raffinerie fiel zwei Wochen aus
Neben dem Niedrigwasser des Rheins belastete in der Schweiz noch ein weiterer Faktor die Versorgung.
Die einzige Erdölraffinerie des Landes in Cressier im Kanton Neuenburg fiel im September 2026 wegen eines technischen Defekts für rund zwei Wochen aus.
Damit trafen mehrere Probleme gleichzeitig aufeinander:
- niedriger Rheinpegel
- eingeschränkter Schiffstransport
- Ausfall der einzigen Schweizer Raffinerie
- angespannte Dieselversorgung
- gefährdete Kerosinversorgung
Insgesamt gilt die Energieversorgung der Schweiz zwar weiterhin als grundsätzlich gesichert, bei einzelnen Mineralölprodukten bleibt die Situation jedoch schwierig.
Frankreichs Tankstellen bleiben unter Druck
In Frankreich zeigt die Entwicklung ebenfalls weiter nach oben.
Der Anteil betroffener Tankstellen ist innerhalb weniger Wochen von 9 auf 15 Prozent gestiegen.
Besonders kritisch bleibt die Lage in Grand Est mit 22 Prozent und in der Île-de-France mit 21 Prozent betroffenen Stationen.
Solange der Rheinpegel niedrig bleibt und gleichzeitig die Nachfrage an günstigeren Tankstellen hoch ist, dürfte die Versorgung in mehreren Regionen angespannt bleiben.