Mehrere Belastungsfaktoren treiben den Markt an
Die Preise für Erdgas in Europa haben ihre Aufwärtsbewegung deutlich beschleunigt und den höchsten Stand seit Ende März erreicht. Der maßgebliche TTF-Gaskontrakt aus den Niederlanden verteuerte sich zuletzt um 5,1 Prozent auf 57,72 Euro je Megawattstunde. Damit zeichnet sich auf Wochensicht ein kräftiger Preisanstieg von mehr als 18 Prozent ab.
Marktbeobachter führen die Entwicklung auf eine Kombination mehrerer Risiken zurück. Neben geopolitischen Spannungen und einer angespannten Versorgungslage kommen inzwischen neue Faktoren hinzu, die das Angebot zusätzlich einschränken und den Preisdruck verschärfen.
Straße von Hormus bleibt im Fokus
Ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor bleibt die Lage rund um die Straße von Hormus. Die Meerenge zählt zu den wichtigsten Energietransportrouten der Welt. Jede Verschärfung der Spannungen in dieser Region sorgt an den Rohstoffmärkten für Nervosität, da Unterbrechungen der Lieferketten nicht ausgeschlossen werden.
Gleichzeitig bleiben die europäischen Gasspeicher vergleichsweise niedrig gefüllt. Dadurch reagieren Händler besonders empfindlich auf mögliche Angebotsengpässe.
Hinzu kommt eine anhaltend hohe Nachfrage nach Flüssigerdgas (LNG) in Asien. Dadurch konkurrieren europäische Abnehmer verstärkt mit asiatischen Käufern um verfügbare Liefermengen.
Neue Probleme verschärfen die Versorgungslage
Nach Einschätzung der Commerzbank wird der Markt inzwischen zusätzlich von zwei neuen Entwicklungen belastet.
Dazu zählen:
- Teilausfall des US-LNG-Terminals Freeport
- Erwartete Hitzewellen in den Vereinigten Staaten
Beide Faktoren könnten das weltweit verfügbare Angebot an Flüssigerdgas spürbar verringern.
Freeport-Terminal liefert große Mengen nach Europa
Besonders schwer wiegt der teilweise Ausfall des US-LNG-Terminals Freeport, der nach derzeitigen Planungen mindestens bis Ende August andauern soll.
Die Anlage besitzt für den europäischen Markt erhebliche Bedeutung:
- Sie beliefert überwiegend Europa.
- Rund 60 bis 70 Prozent der LNG-Exporte des Terminals gehen nach Europa.
- Ein eingeschränkter Betrieb reduziert die verfügbaren Exportmengen erheblich.
Für europäische Energieversorger bedeutet dies eine weitere Verknappung des Angebots in einer ohnehin angespannten Marktlage.
Hitzewellen in den USA könnten Exporte bremsen
Zusätzlichen Druck erwarten Analysten durch die Wetterentwicklung in den USA. Prognosen gehen von außergewöhnlich hohen Temperaturen aus, die den Energieverbrauch deutlich steigen lassen könnten.
Vor allem der Bedarf an Erdgas für die Stromerzeugung und den Betrieb von Klimaanlagen dürfte zunehmen.
Die möglichen Folgen im Überblick:
- Steigende Gasnachfrage innerhalb der USA
- Weniger LNG für den Export verfügbar
- Zusätzlicher Angebotsdruck auf dem Weltmarkt
- Weitere Belastung für europäische Gasimporte
Je mehr Gas im Inland verbraucht wird, desto geringer fällt die Menge aus, die auf den internationalen Markt gelangt.
Preisanstieg gewinnt deutlich an Dynamik
Die aktuelle Entwicklung zeigt, wie empfindlich der europäische Gasmarkt auf mehrere gleichzeitig auftretende Risiken reagiert.
Die wichtigsten Marktdaten:
- TTF-Gaskontrakt: 57,72 Euro je Megawattstunde
- Tagesanstieg: 5,1 Prozent
- Wochenplus: mehr als 18 Prozent
- Höchster Stand seit: Ende März
- Freeport-Ausfall: mindestens bis Ende August
- Europa-Anteil der Freeport-Lieferungen: 60 bis 70 Prozent
Sollten die geopolitischen Spannungen anhalten, die asiatische LNG-Nachfrage hoch bleiben und gleichzeitig die Liefermengen aus den USA sinken, dürfte die Lage auf dem europäischen Gasmarkt angespannt bleiben. Entsprechend aufmerksam verfolgen Händler jede neue Entwicklung, die das weltweite Angebot oder die Nachfrage nach Erdgas beeinflussen könnte.