Raucher müssen ab 2027 deutlich tiefer in die Tasche greifen
Deutschlands Raucher müssen sich auf spürbar höhere Kosten einstellen. Die Bundesregierung plant, die Tabaksteuer stärker anzuheben als zunächst vorgesehen. Damit sollen nicht nur zusätzliche Milliarden in die Staatskasse fließen, sondern zugleich gesundheitspolitische Ziele erreicht werden. Vor allem soll der Tabakkonsum sinken und insbesondere junge Menschen vom Rauchen abgehalten werden.
Nach den aktuellen Plänen könnte eine durchschnittliche Zigarettenpackung bereits 2027 rund 9,10 Euro kosten. Das wären 33 Cent mehr als nach den bisherigen Berechnungen erwartet worden war. Bis 2030 wird sogar mit einem durchschnittlichen Preis von 11,78 Euro pro Packung gerechnet.
Milliardenbeträge für den Bundeshaushalt geplant
Mit der verschärften Steuerpolitik verfolgt die Bundesregierung mehrere Ziele gleichzeitig. Einerseits sollen bestehende Haushaltslücken geschlossen werden, andererseits sollen zusätzliche Mittel für das Gesundheitswesen bereitstehen.
Nach den neuen Berechnungen sollen die zusätzlichen Einnahmen deutlich höher ausfallen als ursprünglich geplant. Bereits 2027 könnten sich die jährlichen Mehreinnahmen auf rund 1,6 Milliarden Euro belaufen. Ab 2028 sollen die Einnahmen weiter steigen. Für 2030 werden zusätzliche 4,4 Milliarden Euro erwartet. Insgesamt könnte die Tabaksteuer dem Bund dann rund 21 Milliarden Euro jährlich einbringen.
Markenzigaretten könnten bis zu 14 Euro kosten
Besonders deutlich dürfte sich die Steuer bei bekannten Marken bemerkbar machen. Nach Einschätzung der Branche könnten 20er-Packungen namhafter Hersteller künftig 13 bis 14 Euro kosten. Derzeit liegen vergleichbare Packungen bei einigen Marken noch bei etwa 9,40 Euro.
Für regelmäßige Raucher würde dies erhebliche Mehrkosten bedeuten. Wer täglich eine Packung konsumiert, müsste über das Jahr hinweg mehrere Hundert Euro zusätzlich ausgeben.
Tabakindustrie warnt vor illegalem Handel
Die geplanten Steuererhöhungen stoßen bei der Tabakbranche auf massive Kritik. Jan Mücke, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes BVTE, bezweifelt, dass die erwarteten Steuereinnahmen tatsächlich erzielt werden.
Er erklärt wörtlich: „Die Bundesregierung plant mit Mehreinnahmen, die reine Fantasie sind, nichts davon wird Realität werden.“
Nach seiner Einschätzung würden viele Raucher wegen der steigenden Preise auf den Schwarzmarkt oder auf unversteuerte Ware aus dem Ausland ausweichen. Außerdem warnt er: „Die Steueranhebung wäre ein Konjunkturprogramm für die organisierte Kriminalität.“
Auch Christian Cordes von Reemtsma sieht erhebliche Risiken. Er sagt: „Die legale Packung wird hierzulande deutlich teurer, während das Angebot an billiger, unversteuerter Ware aus dem Kofferraum oder aus dem Ausland weiter wächst.“ Zudem warnt er vor Zuständen wie in Frankreich oder den Niederlanden, wo der legale Zigarettenmarkt stark unter Druck geraten sei.
Mediziner begrüßen höhere Preise
Gesundheitsexperten bewerten die geplanten Maßnahmen dagegen überwiegend positiv. Nach ihrer Auffassung gehören steigende Tabakpreise zu den wirksamsten Mitteln, um den Zigarettenkonsum zu verringern.
Katrin Schaller vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) betont, dass höhere Preise viele Menschen zum Rauchstopp bewegen könnten. Gleichzeitig würden sie Jugendlichen den Einstieg erschweren. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes raucht in Deutschland jeder fünfte Mensch ab 15 Jahren.
Auch Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, unterstützt die Pläne. Er sagt: „Sollte die Bundesregierung die Tabaksteuer stärker als bislang geplant anheben, ist dies aus Sicht der Bundesärztekammer richtig. Höhere Preise tragen dazu bei, den Tabakkonsum zu senken und insbesondere Kinder und Jugendliche besser vor dem Einstieg zu schützen.“
Zugleich fordert Reinhardt, die zusätzlichen Einnahmen gezielt in Prävention und Gesundheitsförderung zu investieren und nicht ausschließlich zur Schließung von Haushaltslücken zu verwenden.
Finanzierung des Gesundheitssystems im Blick
Die Diskussion über die Tabaksteuer steht auch im Zusammenhang mit der Finanzierung des Gesundheitssystems. Thorsten Frei (CDU) verwies auf geplante Verbesserungen für Krankenhäuser. Gleichzeitig machte Christos Pantazis (SPD) deutlich, dass zugesagte 550 Millionen Euro bislang nicht Bestandteil der verabschiedeten Finanzierung seien und noch eine Gegenfinanzierung benötigten.
Die geplante stärkere Anhebung der Tabaksteuer dürfte deshalb sowohl finanzpolitisch als auch gesundheitspolitisch zu den umstrittensten Vorhaben der kommenden Jahre gehören.