Netflix dreht erneut an der Preisschraube. In Deutschland müssen Kunden für sämtliche verfügbaren Abonnementmodelle künftig mehr bezahlen. Damit steigt die finanzielle Belastung sowohl für Nutzer des günstigen Werbe-Abos als auch für Kunden des Premium-Angebots mit 4K-Auflösung und 3D-Sound.
Die letzte Preisanpassung auf dem deutschen Markt liegt noch nicht lange zurück. Nun verlangt der Streamingdienst erneut höhere Monatsgebühren. Gleichzeitig verändert Netflix auch die Konditionen für Kunden, die ihr Konto mit einer Person außerhalb des eigenen Haushalts teilen.
Deutlicher Aufschlag für das Premium-Abo
Am stärksten fällt die Erhöhung beim teuersten regulären Angebot aus. Das Premium-Abo kostet künftig 21,99 Euro pro Monat. Zuvor waren dafür 19,99 Euro fällig.
Kunden erhalten weiterhin die höchste Bild- und Tonqualität des Angebots, darunter 4K-Auflösung und 3D-Sound. Der monatliche Aufpreis beträgt damit 2 Euro.
Auch das mittlere Modell wird teurer. Der Preis für das Standard-Abo steigt von 13,99 auf 15,99 Euro monatlich. Nutzer erhalten Full-HD-Bildqualität, müssen gegenüber dem Premium-Modell allerdings mit Einschränkungen bei der Anzahl gleichzeitig nutzbarer Geräte rechnen.
Noch stärker fällt die prozentuale Erhöhung beim günstigsten Angebot aus.
Werbe-Abo wird ebenfalls teurer
Das werbefinanzierte Netflix-Modell kostete bislang 4,99 Euro im Monat. Nun verlangt der Streamingdienst 6,99 Euro.
Damit steigt der Preis um 2 Euro beziehungsweise rund 40 Prozent.
Gerade dieses Angebot war bislang eine Möglichkeit für preisbewusste Kunden, Netflix zu einem vergleichsweise niedrigen monatlichen Betrag zu nutzen. Der Preisvorteil gegenüber den werbefreien Varianten bleibt zwar bestehen, fällt künftig jedoch geringer aus.
Für Verbraucher bedeutet die neue Preisstruktur damit eine spürbare Veränderung: Keines der derzeit verfügbaren Modelle bleibt auf dem bisherigen Preisniveau.
Auch das Teilen außerhalb des Haushalts kostet mehr
Nicht nur die Abonnementpreise steigen. Netflix erhöht gleichzeitig die Gebühren für Kunden, die einen zusätzlichen Nutzer außerhalb ihres eigenen Haushalts hinzufügen.
Beim Werbe-Abo steigt die Zusatzgebühr von 3,99 auf 4,99 Euro monatlich.
Bei den beiden anderen Modellen erhöht sich der Preis für diesen zusätzlichen Nutzer von 4,99 auf 5,99 Euro.
Netflix verschärft damit seine Strategie beim sogenannten Account-Sharing weiter. Wer sein Abonnement mit einer Person außerhalb des eigenen Haushalts nutzt, muss künftig also sowohl die reguläre Monatsgebühr als auch die höhere Zusatzgebühr einkalkulieren.
Ein bisheriges Abo verschwindet
Eine weitere Änderung betrifft das werbefreie Basis-Abo. Dieses Modell war für bestimmte Bestandskunden noch verfügbar, wird nun aber nicht mehr weitergeführt.
Das Angebot läuft aus. Damit reduziert sich die Auswahl für Kunden, die Netflix ohne Werbung nutzen möchten, zugleich aber nicht die Funktionen und den Preis des Premium-Modells benötigen.
Für betroffene Bestandskunden stellt sich damit die Frage, auf welches der verbleibenden Angebote sie künftig wechseln.
Netflix verweist auf steigende Investitionen
Netflix begründet die wiederholten Preisanpassungen mit dem Ausbau seines Angebots. Das Unternehmen verweist darauf, dass hochwertige Inhalte erhebliche Investitionen erfordern.
Netflix erklärt dazu: „Da wir den Mehrwert, den wir unseren Mitgliedern bieten, kontinuierlich erhöhen, bitten wir sie gelegentlich, etwas mehr zu bezahlen.“
Die Argumentation folgt damit einem bekannten Muster der Streamingbranche. Neue Serien, Filme, Eigenproduktionen und technische Verbesserungen sollen den zusätzlichen Preis rechtfertigen.
Für Netflix sind attraktive Inhalte ein zentraler Bestandteil des Geschäftsmodells. Der Streamingdienst konkurriert schließlich nicht nur mit klassischen Fernsehsendern, sondern auch mit zahlreichen anderen Plattformen um die monatlichen Budgets der Verbraucher.
Preiserhöhungen treffen mehrere Märkte
Die höheren Gebühren beschränken sich nicht auf Deutschland. Auch in anderen Ländern werden die Preise angepasst.
In Österreich steigt der Preis für das Basis-Angebot beispielsweise von 8,99 auf 10,99 Euro monatlich. Das günstige werbefinanzierte Modell soll dort dagegen erst zu einem späteren Zeitpunkt eingeführt werden.
Noch höher liegen die Preise auf dem US-Markt. Dort kostet das Premium-Abo inzwischen 26,99 US-Dollar pro Monat.
Die unterschiedlichen Preise zeigen, dass Netflix seine Tarifstruktur an die jeweiligen Märkte anpasst. Gleichzeitig wird deutlich, dass der Streamingdienst weltweit versucht, seine Einnahmen pro Abonnent zu steigern.
Für Kunden wird die Tarifwahl wichtiger
Die neue Preisstruktur macht es für Netflix-Nutzer wichtiger, genau zu prüfen, welche Funktionen sie tatsächlich benötigen.
Wer lediglich Serien und Filme streamen möchte und Werbung akzeptiert, kann weiterhin das günstigste Modell wählen. Für Haushalte mit höheren Ansprüchen an Bild- und Tonqualität kommt dagegen das Premium-Angebot infrage.
Zusätzlich müssen Kunden berücksichtigen, wie viele Personen das Konto nutzen und ob diese Personen tatsächlich zum selben Haushalt gehören.
Damit wird aus der einfachen Entscheidung für „Netflix oder nicht Netflix“ zunehmend eine Frage nach Preis, Werbung, Bildqualität, Geräteanzahl und Nutzungsmöglichkeiten.
Streaming wird für Verbraucher kostspieliger
Die Entwicklung bei Netflix steht zugleich für einen größeren Trend im Streaminggeschäft. Plattformen müssen enorme Summen in Inhalte investieren, während Verbraucher gleichzeitig mit einer Vielzahl verschiedener Abonnements konfrontiert sind.
Wer mehrere Streamingdienste gleichzeitig abonniert, kann dadurch schnell auf monatliche Gesamtkosten kommen, die deutlich über dem Preis eines einzelnen Angebots liegen.
Netflix setzt nun erneut auf höhere Einnahmen pro Kunde. Ob Nutzer die zusätzlichen Kosten akzeptieren oder ihre Abonnements überprüfen, wird für den Streamingmarkt zunehmend entscheidend.