Zugspitze: Bergführer stoppen Touren durchs Höllental

September 2, 2026
Zugspitze: Bergführer stoppen Touren durchs Höllental

Die Bedingungen an Deutschlands höchstem Berg haben sich dramatisch verschärft. Wegen des außergewöhnlich schlechten Zustands des Höllentalferners zieht die Bergschule Vivalpin eine klare Konsequenz: Gruppenführungen durch das Höllental auf die Zugspitze werden bis auf Weiteres ausgesetzt.

Die staatlich geprüften Bergführer der in Garmisch-Partenkirchen ansässigen Bergschule halten die derzeitigen Verhältnisse für derart problematisch, dass organisierte Touren auf dieser Route nicht mehr verantwortbar seien.

Betroffen ist ausgerechnet einer der bekanntesten und beliebtesten Wege auf die Zugspitze. Der Deutsche Alpenverein bezeichnet den Anstieg durch die Höllentalklamm als besonders abwechslungsreich und spektakulär.

Doch der Weg über den Gletscher hat sich in den vergangenen Jahren erheblich verändert.

Der Gletscher verliert seinen sicheren Charakter

Das zentrale Problem ist der Höllentalferner, einer der letzten verbliebenen Gletscher Deutschlands. Sein fortschreitender Rückzug verändert die gesamte Beschaffenheit des Anstiegs.

Nach Angaben von Vivalpin liegt der Einstieg vom Gletscher in den darüber verlaufenden Klettersteig inzwischen rund zehn Meter tiefer als normalerweise.

Für Bergsteiger bedeutet diese Veränderung weit mehr als einen zusätzlichen Höhenunterschied. Der Zugang zum Klettersteig wird schwieriger, während gleichzeitig die Beschaffenheit des Gletschers immer anspruchsvoller wird.

Eine Route, die früher unter bestimmten Bedingungen vergleichsweise gut kalkulierbar war, stellt damit inzwischen deutlich höhere Anforderungen an Erfahrung und alpine Kenntnisse.

Höllentalferner ist vollständig schneefrei

Besonders kritisch ist die derzeitige Oberfläche des Gletschers. Wegen der anhaltend hohen Temperaturen ist der Höllentalferner inzwischen komplett schneefrei.

Damit werden Strukturen sichtbar, die unter einer Schneedecke teilweise verborgen bleiben. Gleichzeitig erschwert das fehlende Schneefeld das Begehen des Eises.

Bereits Ende der vergangenen Woche hatten die Bergführer auf die zunehmenden Schwierigkeiten hingewiesen. Im oberen Bereich des Gletschers entstehen immer mehr Gletscherspalten.

Einige dieser Spalten müssen bereits umgangen werden. Für unerfahrene Bergsteiger erhöht sich dadurch das Risiko, eine gefährliche Situation falsch einzuschätzen.

Bergschule spricht von „außergewöhnlichen Verhältnissen“

Inzwischen bewertet Vivalpin die Lage noch kritischer. Die Bergschule spricht von „außergewöhnlichen Verhältnissen“ am Gletscher.

Die Route ist zwar weiterhin nicht offiziell gesperrt. Daraus lässt sich jedoch keineswegs ableiten, dass sie derzeit problemlos begehbar wäre.

Vivalpin rät vielmehr „dringend“ von einem eigenständigen Aufstieg ab, wenn entsprechende Erfahrung oder eine ausreichende alpinistische Ausbildung fehlen.

Damit richtet sich die Warnung insbesondere an Bergsteiger, die den Weg möglicherweise unterschätzen, weil die Route grundsätzlich bekannt und stark frequentiert ist.

Beliebtester Zugspitz-Anstieg wird zum Problemfall

Der Weg durch das Höllental gilt laut Deutschem Alpenverein als der beliebteste und abwechslungsreichste Anstieg auf die Zugspitze.

Gerade diese Popularität macht die aktuelle Entwicklung besonders relevant. Eine große Zahl von Bergsteigern nutzt die Route, obwohl sich die Bedingungen auf dem Gletscher innerhalb relativ kurzer Zeit erheblich verändern können.

Der spektakuläre Charakter des Weges bleibt bestehen – die Anforderungen an diejenigen, die ihn bewältigen wollen, steigen jedoch.

Die Entscheidung der Bergschule Vivalpin zeigt deshalb, wie ernst die aktuellen Verhältnisse eingeschätzt werden.

Vier Gletscher gibt es in Bayern noch

Die Veränderungen am Höllentalferner stehen nicht isoliert. In Bayern existieren noch vier Gletscher, davon befinden sich zwei an der Zugspitze.

Alle vier haben in den vergangenen Jahren erheblich an Masse verloren. Der Klimawandel hinterlässt damit nicht nur sichtbare Spuren in der Landschaft, sondern verändert auch die Bedingungen für den Bergsport.

Eine Vermessung im Herbst 2025 machte das Ausmaß der Entwicklung besonders deutlich. Ein Team aus Glaziologen der Hochschule München und der Bayerischen Akademie der Wissenschaften stellte seit 2023 einen Flächenverlust von 27 Prozent fest.

27 Prozent weniger Fläche in nur zwei Jahren

Die Zahl ist angesichts des kurzen Zeitraums besonders eindrucksvoll: Innerhalb von lediglich zwei Jahren schrumpfte die Gletscherfläche demnach um mehr als ein Viertel.

Dieser Verlust verändert die Topografie. Übergänge, die früher durch Schnee und Eis geprägt waren, können sich verschieben. Spalten können neu entstehen oder größer werden, und der Zugang zu Klettersteigen kann sich verändern.

Für Bergführer bedeutet dies, dass bekannte Routen nicht automatisch dauerhaft dieselben Bedingungen bieten.

Hohe Temperaturen verschärfen die Lage

Die derzeitige Situation wird zusätzlich durch die weiterhin hohen Temperaturen verschärft. Die fehlende Schneedecke legt das Eis vollständig frei und macht die zunehmenden Spalten sichtbar.

Damit steigt die Bedeutung einer professionellen Einschätzung der aktuellen Bedingungen. Gerade auf einem Gletscher können sich die Verhältnisse schnell verändern.

Die Aussetzung der Gruppenführungen durch Vivalpin ist deshalb keine generelle Sperrung der Zugspitze oder des Höllentals. Sie ist vielmehr eine konkrete Reaktion auf die aktuell als außergewöhnlich schwierig bewerteten Bedingungen am Höllentalferner.

Für selbstständige Bergsteiger bleibt die Route grundsätzlich offen – gleichzeitig warnt die Bergschule ausdrücklich vor einer Begehung ohne ausreichende alpine Erfahrung und Ausbildung.

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