500 Jobs stehen bei Porsche vor dem Aus
Der Sportwagenhersteller Porsche verschärft seinen Sparkurs und kappt gleich mehrere Beteiligungen. Das Unternehmen aus Stuttgart schließt drei Tochterfirmen und trifft damit rund 500 Beschäftigte. Betroffen sind die Batteriegesellschaft Cellforce, die eBike Performance GmbH sowie die Software-Tochter Cetitec. Die Entscheidung wurde nach Unternehmensangaben von Vorstand und Aufsichtsrat getroffen.
Damit zieht sich Porsche spürbar stärker auf sein klassisches Kerngeschäft zurück. Die Botschaft ist eindeutig: Projekte und Geschäftsfelder, die nicht mehr als zentral für die eigene Zukunft betrachtet werden, werden nicht weiter mitgetragen. Für die betroffenen Mitarbeiter ist das ein harter Einschnitt. Für den Konzern ist es ein klares Signal, dass der Druck in der Automobilbranche inzwischen so groß geworden ist, dass selbst hochpreisige Hersteller ihre Strukturen härter bereinigen.
Drei Beteiligungen verlieren ihre Zukunft
Die Schließung trifft drei sehr unterschiedliche Bereiche. Mit Cellforce verschwindet ein Unternehmen aus dem Batteriebereich. Die eBike Performance GmbH stand für Porsches Ambitionen im Markt für elektrische Fahrrad-Antriebssysteme. Cetitec wiederum war im Softwarebereich tätig. Gerade diese Mischung zeigt, wie breit Porsche seine Aktivitäten in den vergangenen Jahren aufgestellt hatte und wie konsequent nun aussortiert wird.
Besonders bemerkenswert ist, dass hier nicht nur Randprojekte betroffen sind. Batterie, Software und E-Mobilität galten lange als Zukunftsfelder der Industrie. Dass Porsche ausgerechnet in diesen Bereichen den Rückzug antritt, zeigt, wie hart die Prioritäten inzwischen gesetzt werden. Nicht alles, was technologisch interessant ist, darf unter den aktuellen Bedingungen weiterlaufen.
Die meisten Stellen entfallen auf das E-Bike-Geschäft
Von den rund 500 betroffenen Mitarbeitern entfällt der größte Teil auf die Porsche eBike Performance GmbH. Dort wird die Entwicklung von E-Bike-Antriebssystemen eingestellt. An den Standorten Ottobrunn und Zagreb sind davon etwa 350 Beschäftigte betroffen.
Allein diese Zahl macht deutlich, wo der größte Einschnitt erfolgt. Das E-Bike-Geschäft, das einst nach einem spannenden Erweiterungsfeld für die Marke Porsche klang, verliert damit praktisch seine Grundlage. Der Konzern beendet hier nicht nur ein Teilprojekt, sondern räumt ein ganzes Segment ab, das offenbar nicht mehr in die wirtschaftliche Gesamtstrategie passt.
Auch Cellforce und Cetitec werden abgewickelt
Bei der Cellforce Group mit Sitz in Kirchentellinsfurt in Baden-Württemberg sind rund 50 Beschäftigte betroffen. Dort trifft der Rückzug ein Unternehmen, das aus Sicht vieler Beobachter eigentlich zu den Zukunftsaktivitäten des Konzerns gezählt werden konnte. Doch auch hier zieht Porsche nun die Grenze und macht deutlich, dass nicht jede Batterie-Initiative fortgeführt wird.
Hinzu kommt die Schließung von Cetitec. Der Softwareanbieter mit Standorten in Pforzheim und Kroatien trifft mit seinen rund 90 Mitarbeitern ebenfalls die neue Sparpolitik des Konzerns. Damit wird sichtbar, dass Porsche nicht nur industrielle Projekte zurückfährt, sondern auch digitale Tochterfirmen, wenn sie nicht mehr in die engere Konzernlogik passen.
Porsche trennt sich weiter von Nebenfeldern
Die jetzige Entscheidung kommt nicht völlig überraschend. Bereits vor zwei Wochen hatte Porsche angekündigt, sich von weiteren Beteiligungen lösen zu wollen. Dazu zählt auch der Anteil an der Luxus-Sportwagenmarke Bugatti. Zusammen mit den jetzigen Schließungen ergibt sich damit ein sehr klares Bild: Porsche baut nicht nur Kosten ab, sondern trennt sich systematisch von Aktivitäten außerhalb des engeren Markenkerns.
Das ist ein deutlicher Strategiewechsel. Statt Breite, Zukunftslabore und Experimente zu finanzieren, wird enger priorisiert. Für einen Hersteller mit hoher Markenstrahlkraft mag das betriebswirtschaftlich nachvollziehbar sein. Für die betroffenen Firmen und Beschäftigten ist es dennoch eine brutale Realität. Aus Visionen und Innovationsfeldern werden plötzlich Abwicklungsfälle.
Der Chef lässt den Zeitplan noch offen
Vorstandschef Michael Leiters ließ zunächst offen, wann die Abwicklung der drei Tochterunternehmen vollständig abgeschlossen sein soll. Genau das schafft zusätzliche Unsicherheit. Für die Beschäftigten steht fest, dass ihre Unternehmen keine Zukunft mehr haben. Unklar bleibt jedoch, wie schnell oder in welchen Schritten die Schließungen vollzogen werden.
Diese Hängepartie ist für viele Mitarbeiter besonders belastend. Denn ein offenes Ende bedeutet nicht nur Jobverlust auf Sicht, sondern oft auch monate- oder jahrelange Unsicherheit über den genauen Ablauf. Gerade in technologiegetriebenen Bereichen, in denen viele Beschäftigte hoch spezialisiert arbeiten, wiegt diese Unsicherheit besonders schwer.
Auch Festo streicht massiv Stellen
Die Nachricht aus dem Raum Stuttgart wird zusätzlich dadurch verschärft, dass fast zeitgleich ein weiteres großes Unternehmen der Region hart eingreift. Der Industrieanlagenhersteller Festo baut in Deutschland rund 1.300 Stellen ab. Das Familienunternehmen aus Esslingen, nur etwa 15 Kilometer südöstlich von Porsches Stammwerk in Zuffenhausen, reagiert damit auf verschärfte Marktbedingungen.
Festo nennt dafür mehrere Gründe:
- veränderte Marktbedingungen
- wachsender Konkurrenzdruck aus Asien
- geopolitische Belastungen
Auch hier zeigt sich also, wie groß der Druck inzwischen geworden ist. Es trifft nicht nur die Autobranche, sondern auch Unternehmen aus der Automatisierungs- und Steuerungstechnik, die tief in industrielle Lieferketten eingebunden sind.
Festo will 200 Millionen Euro pro Jahr sparen
Der Stellenabbau bei Festo ist Teil eines größeren Umbaus. Weltweit will das Unternehmen jährlich rund 200 Millionen Euro einsparen. Trotz der tiefen Einschnitte sollen jedoch nach derzeitiger Aussage alle deutschen Produktionsstandorte erhalten bleiben. Eine Werksschließung in Deutschland schloss Vorstandschef Thomas Böck ausdrücklich aus.
Ende 2025 beschäftigte Festo weltweit rund 20.600 Mitarbeiter, davon etwa 8.200 in Deutschland. Der Umsatz sank zuletzt drei Jahre in Folge und lag 2025 nur noch bei rund 3,33 Milliarden Euro. Schon diese Zahlen machen deutlich, wie groß der wirtschaftliche Druck auf das Unternehmen ist. Wenn ein Familienunternehmen mit solch breiter industrieller Verankerung zu einem so tiefen Personalabbau greift, ist das ein ernstes Warnsignal.
Der Raum Stuttgart gerät unter doppelten Druck
Zusammen betrachtet zeigen die Entscheidungen von Porsche und Festo ein düsteres Bild für den Industrieraum Stuttgart. Auf der einen Seite ein prestigeträchtiger Autobauer, der drei Tochterfirmen schließt und rund 500 Stellen trifft. Auf der anderen Seite ein großer Automatisierungsspezialist, der 1.300 Jobs in Deutschland abbaut. Damit stehen allein in diesem Umfeld rund 1.800 Arbeitsplätze unter massivem Druck.
Diese Entwicklung ist mehr als eine Folge einzelner Unternehmensentscheidungen. Sie zeigt, wie hart die wirtschaftliche Lage inzwischen selbst technologiegetriebene und traditionsreiche Unternehmen erfasst hat. Der Rückzug aus Zukunftsprojekten, die Straffung von Strukturen und der massive Stellenabbau sind längst keine Ausnahme mehr, sondern Ausdruck eines deutlich raueren industriellen Klimas.