Kieler Werft setzt sich im Großprojekt durch
Dem deutschen Marineschiffbauer TKMS ist ein außergewöhnlich großer Erfolg gelungen. Das Kieler Unternehmen soll für die kanadische Marine zwölf konventionell angetriebene U-Boote des Typs 212 CD bauen. Damit setzte sich TKMS im Wettbewerb gegen den südkoreanischen Rivalen Hanwha Ocean durch.

Die Entscheidung wurde von Kanadas Premierminister Mark Carney in Halifax bekanntgegeben. Das erste U-Boot soll nach Angaben von TKMS im Jahr 2033 ausgeliefert werden. Für das Unternehmen aus Schleswig-Holstein ist der Auftrag einer der wichtigsten industriellen Durchbrüche der vergangenen Jahre.
Auftrag stärkt Deutschland und die Nato
Der kanadische Zuschlag hat nicht nur wirtschaftliche Bedeutung. Er verändert auch die militärische Zusammenarbeit im Nordatlantik. Mit Kanada, Deutschland und Norwegen entsteht eine gemeinsame U-Boot-Basis auf Grundlage des Typs 212 CD.
TKMS erklärte dazu wörtlich: „Dies ist ein historischer Meilenstein für Kanada, Deutschland und Norwegen und der Beginn einer langfristigen strategischen Partnerschaft, die die Sicherheit, die industrielle Zusammenarbeit und die kollektive Verteidigung im gesamten Nordatlantik stärken wird.“
Für die Nato bedeutet die Entscheidung mehr Standardisierung, gemeinsame Ausbildung und eine engere technische Zusammenarbeit. Besonders in der Arktis, im Nordatlantik und im hohen Norden wächst der Bedarf an moderner Unterwasseraufklärung und glaubwürdiger Abschreckung.
Orderbuch wächst massiv
Bereits vor dem kanadischen Projekt verfügte TKMS über einen Auftragsbestand von 20,8 Milliarden Euro. Darin enthalten sind unter anderem jeweils sechs U-Boote 212 CD für die Deutsche Marine und die Königlich Norwegische Marine.
Durch Kanada wächst das Orderbuch nach Unternehmensangaben um mehr als zehn Milliarden Euro. Das tatsächliche Gesamtvolumen dürfte über die gesamte Nutzungsdauer jedoch deutlich höher liegen. Wartung, Ersatzteile, Modernisierung, Ausbildung und weitere Dienstleistungen können über mehrere Jahrzehnte ein Mehrfaches des reinen Baupreises erreichen.
TKMS betonte: „Für TKMS wird die potenzielle Ausweitung des 212 CD-Programms über Deutschland und Norwegen hinaus den anhaltenden profitablen Wachstumskurs des Unternehmens weiter unterstützen.“
Bau komplett in Norddeutschland
Die U-Boote sollen vollständig in Deutschland entstehen. TKMS-Chef Oliver Burkhard sagte dazu: „Die Boote werden vollumfänglich in Deutschland gebaut und aus Deutschland an Kanada abgeliefert.“
Neben dem Stammsitz in Kiel wird auch die TKMS-Werft in Wismar eine wichtige Rolle spielen. Das Unternehmen hatte den Standort im Jahr 2022 aus der Insolvenzmasse der MV Werften übernommen, um die eigene Produktionskapazität auszubauen.
Kanada soll dennoch industriell eingebunden werden. Geplant sind Zulieferungen aus Kanada, unter anderem bei nicht-magnetischem Stahl, der im U-Boot-Bau eine bedeutende Rolle spielt.
Noch ist der Vertrag nicht endgültig
TKMS ist derzeit zunächst bevorzugter Bieter. Die letzten Vertragsdetails müssen noch ausgehandelt werden. Das Unternehmen hofft, den endgültigen Abschluss bis Ende 2026 zu erreichen.
Die frühe Auslieferung des ersten kanadischen U-Bootes im Jahr 2033 ist anspruchsvoll. Sie könnte nur gelingen, wenn Deutschland oder Norwegen eines der ersten für die eigene Marine vorgesehenen Boote an Kanada abtreten. Damit würde Kanada schneller in das bestehende deutsch-norwegische Programm integriert.
Sollte es bei der Fertigung zu Engpässen kommen, könnte TKMS zusätzlich europäische Partner einbinden. Genannt wurde etwa Navantia in Spanien.
Pistorius sieht neue U-Boot-Flotte entstehen
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hob die strategische Dimension des Projekts hervor. Er sagte: „Gemeinsam werden wir die weltweit größte und modernste konventionelle U-Boot-Flotte aufbauen.“
Besonders wichtig sei der schnelle Austausch von Informationen. Pistorius erklärte weiter: „Die Informationen, die unsere 24 U-Boote im Nordatlantik, in der Arktis und im hohen Norden sammeln werden, können wir schnell untereinander austauschen, analysieren und nutzen.“
Die Wartung der Systeme soll bei Bedarf an vier verschiedenen Werften in der nördlichen Hemisphäre möglich sein. Das erhöht die Einsatzfähigkeit und verringert Abhängigkeiten einzelner Standorte.
TKMS verspricht volle Lieferung
Für TKMS ist der kanadische Auftrag ein enormer Vertrauensbeweis. Oliver Burkhard sagte: „Wir haben heute das Vertrauen von Kanada gewonnen. Das ist der Beginn einer vielleicht Dekaden dauernden Partnerschaft mit Kanada.“
Zugleich machte er eine klare Zusage: „Mit dem CPSP übernehmen wir stolz den größten Einzelauftrag in der Geschichte von TKMS – und damit geht ein klares Versprechen einher: Wir werden liefern.“
Das U-Boot 212 CD wurde gemeinsam mit Norwegen entwickelt. Es ist für schwierige Bedingungen im Norden, für den Nordatlantik, die Arktis und auch für wärmere Gewässer wie den Pazifik ausgelegt.
Kanada erneuert seine Flotte
Kanada hatte das Canadian Patrol Submarine Project, kurz CPSP, im Jahr 2021 gestartet. Ziel ist die Modernisierung der alternden U-Boot-Flotte. Seit August 2025 standen TKMS und Hanwha Ocean als letzte Anbieter im Wettbewerb.
Die Bundesregierung unterstützte TKMS intensiv. Neben Verteidigungsminister Boris Pistorius setzte sich auch Bundeskanzler Friedrich Merz für den deutschen Anbieter ein.
TKMS baut Machtposition aus
TKMS ist mit rund 9100 Beschäftigten Deutschlands größtes Werftunternehmen. Am Stammsitz Kiel arbeiten etwa 3300 Menschen. Der frühere Alleineigner ThyssenKrupp hält weiterhin 51 Prozent der Anteile. Seit dem Börsengang im Oktober 2025 befinden sich 39 Prozent im Streubesitz. Weitere zehn Prozent hält die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung.
ThyssenKrupp-Chef Miguel Ángel López Borrego sagte, der Börsengang habe TKMS „genau die Freiheit gegeben, solche Aufträge zu akquirieren. Wir werden noch viel Freude mit TKMS haben.“
Auch Fregatten stärken das Geschäft
TKMS baut seine Stellung nicht nur bei U-Booten aus. Erst im Juni wurde deutlich, dass das Unternehmen auch bei der Deutschen Marine eine zentrale Rolle einnehmen soll. Geplant ist der Bau von vier Fregatten des Typs F128 für voraussichtlich 6,6 Milliarden Euro. Zusätzlich steht eine Option auf vier weitere Fregatten im Raum.
Die Schiffe sollen ab 2029 ausgeliefert werden. Hintergrund ist, dass das frühere Fregattenprojekt F126 bei Kosten und Zeitplan stark unter Druck geraten war. Stattdessen setzt das Verteidigungsministerium nun auf die F128, die auf der bewährten Meko A-200 basiert und für deutsche Anforderungen weiterentwickelt werden soll.