F126-Aus schickt Rheinmetall-Aktie auf Talfahrt

Juni 24, 2026
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Pistorius lenkt Milliardenauftrag zu TKMS um

Der Abbruch eines der wichtigsten deutschen Marineprojekte hat an der Börse ein regelrechtes Beben ausgelöst. Die Rheinmetall-Aktie verlor zeitweise fast 18 Prozent und fiel auf den niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahr. Auslöser war die Bestätigung des Verteidigungsministeriums, dass die Beschaffung von sechs Fregatten des Typs F126 beendet wird.

Stattdessen soll die Bundeswehr bei Thyssenkrupp Marine Systems, kurz TKMS, bis zu acht Fregatten des Typs Meko A-200 kaufen. Das geplante Auftragsvolumen beträgt 11,6 Milliarden Euro. Während Rheinmetall Milliardenumsätze entgehen könnten, schnellten die TKMS-Titel im MDax kräftig nach oben.

Ministerium zieht beim F126-Projekt die Notbremse

Die Bundesregierung hatte ursprünglich geplant, für etwa zehn Milliarden Euro sechs F126-Fregatten zu beschaffen. Der Auftrag war bereits im Juni 2020 erteilt worden. Seitdem geriet das Großprojekt jedoch zunehmend außer Kontrolle.

Das Verteidigungsministerium begründete den Abbruch mit „den erheblichen Verzögerungen im Projekt, den absehbaren Kostensteigerungen und Risiken, die mit einem Generalunternehmerwechsel einhergegangen waren“.

Die Schwierigkeiten betrafen somit nicht nur den Zeitplan. Auch die finanziellen Belastungen hatten ein Ausmaß erreicht, das aus Sicht des Ministeriums nicht länger vertretbar war. Die ursprünglich geplanten Kosten wären bei einer Fortsetzung und Neuordnung des Projekts dramatisch gestiegen.

Kosten drohten auf 18 Milliarden Euro zu explodieren

Der bisherige Generalunternehmer war die niederländische Werft Damen Naval. Wegen der Probleme hatte die Bundesregierung im vergangenen Jahr prüfen lassen, ob der Auftrag auf den deutschen Schiffbauer Naval Vessels Lürssen übertragen werden könnte.

Diese Lösung hätte den Bund jedoch teuer zu stehen kommen können. Nach der Prüfung wäre der Preis der sechs F126-Fregatten von rund zehn Milliarden Euro auf etwa 18 Milliarden Euro gestiegen. Das entspricht zusätzlichen Belastungen von ungefähr acht Milliarden Euro.

Hinzu kam ein juristisch und finanziell heikler Punkt. Bei einem Wechsel des Generalunternehmers hätte der Bund „auf mögliche Schadensersatzansprüche gegenüber dem bisherigen Auftragnehmer verzichten müssen“. Nach Einschätzung des Ministeriums wäre dies kein „verantwortungsvoller Umgang mit Haushaltsmitteln“ gewesen.

Vollständig rückgängig machen lässt sich das Vorhaben nicht mehr. Für das gescheiterte F126-Programm sind bereits Kosten von rund 2,3 Milliarden Euro entstanden.

Rheinmetall verliert Aussicht auf Milliardenumsätze

Für Rheinmetall ist die Entscheidung besonders schmerzhaft. Der Rüstungskonzern hatte Naval Vessels Lürssen erst vor Kurzem übernommen und sich damit strategisch stärker im Marineschiffbau positioniert.

Durch das Ende des F126-Projekts droht nun ein erheblicher Teil der erwarteten künftigen Umsätze wegzubrechen. An der Börse reagierten Anleger zunächst mit massiven Verkäufen. Die Rheinmetall-Aktie verlor anfangs bis zu 13 Prozent. Bis zum Mittwochnachmittag vergrößerte sich das Minus auf knapp 18 Prozent.

Analyst David Perry von JPMorgan bewertete die Entwicklung als größeren Rückschlag für den Düsseldorfer Rüstungskonzern. Der Kurssturz macht deutlich, wie hoch die Anleger den wirtschaftlichen Wert des Marineauftrags eingeschätzt hatten.

TKMS wird zum großen Gewinner der Neuordnung

Während Rheinmetall unter die Räder kam, wurde TKMS zum klaren Börsengewinner. Das Unternehmen soll der Bundeswehr zunächst vier Meko-A-200-Fregatten für 6,3 Milliarden Euro liefern.

Zusätzlich ist eine Option für vier weitere Schiffe im Wert von 5,3 Milliarden Euro vorgesehen. Sollte die Bundesregierung diese Möglichkeit vollständig nutzen, steigt der Gesamtauftrag auf:

  • acht Meko-A-200-Fregatten
  • ein Volumen von 11,6 Milliarden Euro
  • durchschnittlich rund 1,45 Milliarden Euro je Schiff
  • eine erste geplante Auslieferung im Jahr 2029

TKMS-Chef Oliver Burkhard erklärte, dass bereits im Februar 2026 mit den Vorarbeiten begonnen worden sei. Einen verbindlichen Termin für die Ablieferung sämtlicher Schiffe nannte das Unternehmen bislang nicht.

Kleinere Schiffe sollen schneller verfügbar sein

Die Meko-A-200-Fregatten unterscheiden sich deutlich von den aufgegebenen F126-Schiffen. Mit einer Länge von etwa 120 Metern sind sie erheblich kompakter. Die F126 hätte 166 Meter gemessen und wäre damit zum größten Schiffstyp der Deutschen Marine geworden.

Beide Klassen sollen vorrangig bei der U-Boot-Jagd eingesetzt werden. Gerade in der Ostsee besitzt diese Fähigkeit angesichts der Spannungen mit Russland eine wachsende militärische Bedeutung.

Beim ursprünglichen F126-Programm war vorgesehen, das erste Schiff im Jahr 2028 auszuliefern. Die weiteren Einheiten sollten schrittweise bis 2033 folgen. TKMS plant die Übergabe der ersten Meko-A-200 nun für 2029. Trotz des späteren Starttermins hofft die Bundesregierung offenbar auf einen berechenbareren Bauablauf und geringere finanzielle Risiken.

Marine steht vor gewaltiger Aufrüstung

Derzeit verfügt die Deutsche Marine lediglich über sieben Fregatten aus zwei älteren Baureihen. Bis 2035 soll die Flotte nach den bisherigen Planungen auf insgesamt 15 Fregatten anwachsen. Damit würde sich die Zahl der Schiffe mehr als verdoppeln.

Neben dem geplanten Kauf der Meko-A-200 verfolgt das Verteidigungsministerium weiterhin die Beschaffung von sechs Fregatten des Typs F127. Zu deren Zukunft äußerte sich das Ministerium nach dem Ende des F126-Programms allerdings nicht.

Die F127 soll vor allem Aufgaben in der Luftverteidigung übernehmen. Damit wäre sie für den Schutz von Flottenverbänden und möglicherweise auch für die Abwehr weitreichender Bedrohungen von großer Bedeutung. Ob Zeitplan und Umfang dieses Projekts unverändert bleiben, ist derzeit offen.

Ostsee wird zum strategischen Schwerpunkt

Die Aufrüstung der Marine ist eng mit der veränderten Sicherheitslage in Europa verbunden. Im Fall einer russischen Aggression wäre die Ostsee für die Verteidigung des NATO-Gebiets, die Sicherung von Nachschubwegen und den Schutz kritischer Infrastruktur von zentraler Bedeutung.

Neue Fregatten sollen U-Boote aufspüren, Seewege sichern und gemeinsam mit verbündeten Streitkräften operieren. Der Abbruch der F126 ist deshalb weit mehr als eine wirtschaftliche Entscheidung. Er verändert die deutsche Beschaffungsstrategie in einem Bereich, der für die NATO militärisch immer wichtiger wird.

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