Trump will Benzinsteuer vorläufig aussetzen

Mai 12, 2026
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Der Preisschock an den US-Tankstellen erzwingt Reaktionen

Die stark gestiegenen Kraftstoffpreise infolge des Iran-Kriegs setzen die Regierung in Washington immer stärker unter Zugzwang. Nun will US-Präsident Donald Trump die Bundessteuer auf Kraftstoff bis auf Weiteres aussetzen. Bei einem Auftritt im Weißen Haus erklärte er, die Abgabe solle zunächst nicht mehr erhoben werden, und zwar „so lange wie angemessen“. Wörtlich sagte Trump: „Es ist zwar nur ein kleiner Prozentsatz, aber es ist immer noch Geld.“

Mit diesem Vorstoß greift Trump ein Thema auf, das in den Vereinigten Staaten politisch hochsensibel ist. Kaum etwas schlägt dort so direkt auf die Stimmung der Bevölkerung durch wie teures Tanken. Für Millionen Amerikaner ist das Auto unverzichtbar, oft über weite Strecken und im täglichen Berufsverkehr. Wenn Benzin deutlich teurer wird, trifft das den Alltag sofort und ungeschönt.

Benzin ist so teuer wie seit Jahren nicht mehr

Die Zahlen zeigen, warum der Druck so groß ist. Der Durchschnittspreis für eine Gallone Benzin liegt derzeit bei rund 4,52 US-Dollar. Vor einem Jahr waren es noch knapp 3,14 US-Dollar. Damit ist der Preis innerhalb eines Jahres massiv gestiegen und zugleich auf den höchsten Stand seit 2022 geklettert.

Gerade in den USA wirkt ein solcher Anstieg besonders stark. Das Land ist auf individuelle Mobilität zugeschnitten, viele Menschen legen im Alltag große Distanzen zurück. Wenn der Preis pro Gallone um mehr als einen Dollar steigt, summiert sich das schnell zu einer spürbaren Zusatzlast für Familien, Berufspendler und Unternehmen. Die Tankstelle wird dann nicht nur zum Ort des Ärgers, sondern zum politischen Frühwarnsystem.

Die Steuer ist begrenzt, aber politisch leicht angreifbar

Nach Angaben der amerikanischen Energiestatistikbehörde erhebt die US-Regierung aktuell 18,4 Cent pro Gallone Benzin und 24,4 Cent pro Gallone Diesel. Gemessen am Gesamtpreis ist das zwar nur ein Teilbetrag, doch genau dieser Anteil ist für die Regierung unmittelbar greifbar. Während globale Ölpreise nicht einfach per Dekret gesenkt werden können, lässt sich über die Steuer zumindest ein begrenztes Entlastungssignal setzen.

Politisch ist das ein naheliegender Schritt. Eine Steuerpause ist leicht zu erklären, schnell öffentlich zu verkaufen und für die Bürger unmittelbar verständlich. Wer an der Zapfsäule weniger zahlt, spürt das sofort. Genau darauf setzt Trump. Auch wenn der Steueranteil nur einen Teil des Gesamtproblems ausmacht, kann seine Aussetzung symbolisch und praktisch Wirkung entfalten.

Ohne den Kongress bleibt es nur eine Ankündigung

So klar Trumps Absicht auch formuliert ist, eine sofortige Umsetzung kann er nicht allein durchsetzen. Für eine Änderung der Bundessteuer auf Kraftstoff braucht es die Zustimmung des Kongresses. Damit hängt der Plan nicht nur von politischem Willen, sondern auch vom parlamentarischen Verfahren ab.

Allerdings stehen die Chancen für Trump derzeit nicht schlecht. Der Kongress wird von den Republikanern kontrolliert. Außerdem kündigte der republikanische Senator Josh Hawley bereits an, noch am selben Tag einen Gesetzentwurf einzubringen, um die Steuer auszusetzen. Damit wurde aus einer präsidialen Presseäußerung sofort ein konkreter politischer Vorstoß.

Der Iran-Krieg schlägt direkt auf die Innenpolitik durch

Auslöser der ganzen Debatte ist die angespannte Lage auf den Energiemärkten infolge des Iran-Kriegs. Der Konflikt hat die globale Preisbildung bei Öl und Kraftstoffen unter Druck gesetzt und damit auch die amerikanischen Verbraucherpreise nach oben getrieben. Zwar sind die Vereinigten Staaten energiepolitisch besser abgesichert als viele europäische Länder, doch auch dort lassen sich weltweite Verwerfungen nicht einfach abschirmen.

Genau hier zeigt sich die politische Brisanz. Ein Krieg in einer anderen Region der Welt verwandelt sich innerhalb kurzer Zeit in eine Belastung für amerikanische Haushalte. Und aus steigenden Preisen wird dann wiederum ein innenpolitischer Konflikt, auf den das Weiße Haus reagieren muss. Die Zapfsäule wird damit zum direkten Resonanzraum geopolitischer Krisen.

Im Vergleich zu Deutschland bleibt Tanken in den USA billiger

Trotz des starken Preisanstiegs ist das Tanken in den Vereinigten Staaten im internationalen Vergleich weiterhin günstiger als in Deutschland. Umgerechnet liegt der aktuelle Benzinpreis in den USA bei rund einem Euro pro Liter. In Deutschland sind es derzeit dagegen knapp zwei Euro pro Liter.

Dieser Vergleich ist aufschlussreich. Denn er zeigt, dass die Empörung in den USA nicht daraus resultiert, dass dort absolut die höchsten Preise gezahlt werden. Vielmehr geht es um die Kombination aus starkem Anstieg, hohem Mobilitätsbedarf und politischer Erwartung, dass Washington in einer solchen Lage handeln müsse. In Amerika zählt weniger der europäische Vergleich als die Frage, warum Tanken plötzlich spürbar teurer geworden ist und wer dafür verantwortlich gemacht wird.

Trump setzt auf schnelle Entlastung statt auf lange Erklärungen

Mit seinem Vorstoß folgt Trump einer klaren politischen Logik. Er versucht nicht, die komplexen Ursachen des globalen Energiemarkts im Detail zu erklären, sondern konzentriert sich auf eine Maßnahme, die sich sofort als Entlastung verkaufen lässt. Die Botschaft lautet: Die Regierung sieht die Belastung und handelt. Genau diese Einfachheit macht die Idee politisch wirksam.

Natürlich kann eine ausgesetzte Bundessteuer die Preisprobleme nicht vollständig lösen. Wenn Rohöl und Raffinerieprodukte weltweit teurer werden, bleibt Benzin teuer. Doch selbst ein begrenzter Nachlass kann politisch wertvoll sein, wenn die Bevölkerung das Gefühl bekommt, dass der Staat die Lage nicht einfach laufen lässt.

Aus einer Steuerfrage wird ein Stimmungstest für das Weiße Haus

Die geplante Aussetzung der Kraftstoffsteuer ist deshalb weit mehr als eine technische Abgabenänderung. Sie ist ein Versuch, die Wucht eines wirtschaftlichen Schocks politisch abzufedern. Wenn die Preise weiter steigen und Washington untätig bliebe, würde der Druck auf Trump rasch wachsen. Mit seinem Vorstoß versucht er, diese Dynamik früh zu bremsen.

Ob der Kongress zustimmt und wie stark eine Steuerpause die Preise tatsächlich spürbar senken würde, bleibt offen. Klar ist jedoch schon jetzt, dass der Iran-Krieg längst nicht nur ein außenpolitisches Thema ist. Er wirkt direkt in den amerikanischen Alltag hinein und hat die Zapfsäulen im Land zu einem neuen politischen Krisenpunkt gemacht.

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