Nordkorea rüstet seine Marine nuklear auf

Juni 24, 2026
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Kim plant neue Kriegsschiffe mit 10.000 Tonnen

Nordkorea treibt den Ausbau seiner bislang vergleichsweise schwachen Seestreitkräfte mit großer Entschlossenheit voran. Machthaber Kim Jong-un kündigte an, die Modernisierung und „Nuklearisierung“ der Marine erheblich zu beschleunigen. Neben weiteren Schiffen der 5.000-Tonnen-Klasse plant Pjöngjang erstmals strategische Kriegsschiffe mit einer Verdrängung von 10.000 Tonnen.

Die maritime Aufrüstung soll der nordkoreanischen Führung zusätzliche Möglichkeiten verschaffen, ihre Atomwaffen auch auf See einzusetzen. Damit könnte das Land seine nukleare Abschreckung breiter aufstellen und die militärischen Kräfteverhältnisse in der Region weiter verschärfen.

Größtes Kriegsschiff des Landes übernimmt den Dienst

Am 23. Juni 2026 nahm Kim Jong-un im Hafen von Nampho an der offiziellen Indienststellung des Mehrzweckzerstörers Choe Hyon teil. Vor der Übergabe an die Marine hatte das Schiff nach nordkoreanischen Angaben 14 Monate lang operative Erprobungsfahrten absolviert.

Mit einer Verdrängung von rund 5.000 Tonnen gilt die Choe Hyon als größtes jemals von Nordkorea gebautes Kriegsschiff. Pjöngjang bezeichnet die neue Einheit als Zerstörer. Internationale Militärfachleute ordnen sie dagegen eher als schwere Lenkwaffenfregatte ein.

Ihre Größe ist mit modernen europäischen Kriegsschiffen vergleichbar. Für Nordkorea bedeutet die Indienststellung daher einen erheblichen Technologiesprung gegenüber den zahlreichen kleineren und teilweise veralteten Schiffen, auf die sich die Marine bislang stützte.

Jährlich sollen zwei große Schiffe entstehen

Kim Jong-un verband die Zeremonie mit ehrgeizigen Vorgaben für die heimische Schiffbauindustrie. Innerhalb der kommenden fünf Jahre soll Nordkorea jedes Jahr zwei Kriegsschiffe bauen, die ungefähr die Größe der Choe Hyon erreichen.

Sollte dieser Plan vollständig umgesetzt werden, könnte die Marine bis zum Ende des Zeitraums bis zu zehn weitere größere Kampfschiffe erhalten. Für ein wirtschaftlich isoliertes Land mit begrenzten industriellen Ressourcen wäre dies ein außerordentlich anspruchsvolles Rüstungsprogramm.

Die Serienproduktion verlangt nicht nur leistungsfähige Werften. Benötigt werden außerdem moderne Triebwerke, Radarsysteme, Lenkflugkörper, elektronische Kampftechnik und ausreichend ausgebildete Besatzungen. Auch die Wartung einer wachsenden Flotte dürfte erhebliche finanzielle und technische Kapazitäten beanspruchen.

Zweiter Zerstörer steht bereits in den Startlöchern

Neben der Choe Hyon arbeitet Nordkorea an einem weiteren Schiff derselben Größenordnung. Der Zerstörer Kang Kon soll ebenfalls eine Verdrängung von ungefähr 5.000 Tonnen besitzen und nach Abschluss seiner Erprobung in den aktiven Dienst übernommen werden.

Kim Jong-un hatte die Kang Kon zuvor persönlich während einer Probefahrt inspiziert. Das Schiff besitzt für die nordkoreanische Führung allerdings eine problematische Vorgeschichte.

Beim Stapellauf im Hafen von Chongjin kam es 2025 zu einem schweren Zwischenfall. Die Kang Kon geriet in Schieflage und erlitt Schäden am Rumpf. Kim reagierte damals mit scharfer Kritik an den verantwortlichen Stellen. Nach umfangreichen Reparaturen konnte das Schiff wieder aufgerichtet werden und seine Testfahrten fortsetzen.

Noch größere Schiffe mit 10.000 Tonnen geplant

Die beiden 5.000-Tonnen-Schiffe sollen offenbar nur den Beginn einer wesentlich umfassenderen Aufrüstung markieren. Kim kündigte an, den Bau sogenannter strategischer Kriegsschiffe mit einer Verdrängung von 10.000 Tonnen zu beschleunigen.

Damit würden die neuen Einheiten ungefähr doppelt so schwer ausfallen wie Choe Hyon und Kang Kon. Schiffe dieser Größenklasse könnten mehr Waffen, größere Radaranlagen und umfangreichere Führungssysteme aufnehmen. Auch eine stärkere Flugabwehr sowie der Einsatz weitreichender Lenkwaffen wären grundsätzlich denkbar.

Welche Bewaffnung für die geplanten Großkampfschiffe vorgesehen ist, wurde nicht genannt. Der ausdrückliche Bezug zur nuklearen Aufrüstung der Marine deutet jedoch darauf hin, dass zumindest einige neue Schiffe als Träger strategischer Waffensysteme dienen könnten.

Atomwaffen sollen künftig auch auf See abschrecken

Kim räumte ein, dass die Marine lange Zeit als schwächster Teil der nordkoreanischen Streitkräfte galt. Diese Lage befinde sich nun nach seinen Worten in einem grundlegenden Wandel. Die maritime Komponente soll zu einem weiteren Standbein der nationalen Atomstreitkräfte ausgebaut werden.

„Das Atomwaffenprogramm der Marine schreitet planmäßig voran. Dies ist eine äußerst wichtige strategische Ausrichtung, die dazu beiträgt, die nationalen Nuklearstreitkräfte für vielseitige und effektive Operationen bereit zu halten“, erklärte Kim Jong-un.

Eine stärkere Verlagerung nuklearer Fähigkeiten auf See könnte die Ortung und Bekämpfung nordkoreanischer Waffensysteme erschweren. Bewegliche Abschussplattformen würden Pjöngjang zusätzliche Möglichkeiten eröffnen, auch nach einem Angriff noch reagieren zu können.

Neue Marinestützpunkte werden dringend benötigt

Der geplante Flottenausbau erfordert nach Einschätzung Kims auch eine neue Infrastruktur. Der Bau moderner Marinestützpunkte sei deshalb zu einer dringenden Aufgabe geworden.

Große Kriegsschiffe benötigen ausreichend tiefe Hafenanlagen, gesicherte Liegeplätze, Reparatureinrichtungen, Munitionslager und leistungsfähige Versorgungssysteme. Bestehende nordkoreanische Stützpunkte dürften für eine Flotte aus zahlreichen Schiffen der 5.000- und 10.000-Tonnen-Klasse nur eingeschränkt geeignet sein.

Zusätzlich müsste Nordkorea seine Anlagen vor Aufklärung und Angriffen schützen. Neue Stützpunkte könnten deshalb mit unterirdischen Einrichtungen, verstärkten Schutzbauten und zusätzlichen Luftverteidigungssystemen ausgestattet werden.

Regionale Sicherheitslage wird brisanter

Nordkoreas maritime Aufrüstung erhöht den Druck auf Südkorea, Japan und die in der Region stationierten amerikanischen Streitkräfte. Moderne nordkoreanische Kriegsschiffe könnten nicht nur Küstengewässer sichern, sondern auch weiter entfernte Seegebiete erreichen.

Entscheidend wird sein, ob Pjöngjang die angekündigten Schiffe tatsächlich in der geforderten Geschwindigkeit bauen und mit funktionsfähiger Technik ausstatten kann. Die beschädigte Kang Kon zeigt, dass zwischen politischen Vorgaben und industrieller Umsetzung erhebliche Risiken liegen.

Mit der Choe Hyon verfügt Nordkorea dennoch erstmals über ein Kriegsschiff dieser Größenordnung. Die geplante Serienfertigung und der angekündigte Sprung auf 10.000 Tonnen machen deutlich, dass Kim die Marine dauerhaft in seine nukleare Militärstrategie einbinden will.

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