Die RTL Group hat sich im ersten Halbjahr 2026 trotz eines schwierigen Werbemarktes im klassischen Fernsehen besser entwickelt als erwartet. Umsatz und Gewinn des Medienkonzerns legten zu. Eine entscheidende Rolle spielt dabei das Streaming-Geschäft, das inzwischen profitabel arbeitet. Zusätzlich wirkt sich die Übernahme von Sky Deutschland auf die Geschäftsentwicklung aus.

Der Zukauf wurde zum 1. Juni 2026 abgeschlossen und verändert auch die Umsatzprognose für das Gesamtjahr deutlich. Beim operativen Ergebnis hält RTL dagegen an seiner bisherigen Einschätzung fest.
Streaming wird zum wichtigen Wachstumstreiber
Während das traditionelle Fernsehgeschäft weiterhin unter einer schwächeren Werbenachfrage leidet, gewinnt das Streaming-Geschäft für RTL zunehmend an Bedeutung. Der Konzern rechnet hier inzwischen mit einem deutlich höheren Ergebnisbeitrag als noch vor wenigen Monaten.
Für 2026 wird ein Beitrag von rund 100 Millionen Euro erwartet. Zuvor hatte die Prognose lediglich zwischen 25 und 50 Millionen Euro gelegen. Damit soll das Streaming-Geschäft einen wesentlichen Teil der Belastungen aus dem linearen Fernsehen auffangen.
Die Entwicklung zeigt, wie stark sich die Gewichte innerhalb des Medienkonzerns verschieben. Klassische TV-Werbung bleibt zwar ein bedeutendes Geschäftsfeld, gleichzeitig wächst die Bedeutung digitaler Angebote und zahlender Streaming-Kunden.
Sky lässt den Umsatz deutlich steigen
Die Übernahme von Sky Deutschland ist der zweite wesentliche Faktor für die neue Jahresprognose. RTL erwartet für 2026 inzwischen einen Konzernumsatz zwischen 7,1 und 7,2 Milliarden Euro.
Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr waren es rund 6 Milliarden Euro. Allein durch Sky dürfte in diesem Jahr ein Umsatzbeitrag von ungefähr 1 Milliarde Euro hinzukommen.
Damit liegt die neue Umsatzprognose rund eine Milliarde Euro höher als die ursprüngliche Erwartung vor dem Abschluss der Sky-Übernahme. Der größere Umsatz bedeutet allerdings nicht automatisch einen entsprechend höheren operativen Gewinn.
Gewinnprognose bleibt unverändert
Beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, dem sogenannten Ebita, bleibt RTL bei seiner bisherigen Zielsetzung.
Für 2026 werden weiterhin 725 Millionen Euro erwartet. Dabei kalkuliert der Konzern mit einer möglichen Abweichung von plus oder minus 3 Prozent.
Im vergangenen Jahr hatte RTL ein bereinigtes Ebita von 661 Millionen Euro erzielt. Die aktuelle Prognose entspricht damit weiterhin einem deutlichen Anstieg gegenüber dem Vorjahr.
Dass die Gewinnprognose trotz des zusätzlichen Geschäfts durch Sky nicht angehoben wurde, verdeutlicht zugleich die unterschiedlichen Entwicklungen innerhalb des Konzerns. Höhere Umsätze müssen nicht zwangsläufig zu einem proportionalen Ergebniszuwachs führen.
Klassisches Fernsehen bleibt unter Druck
Die positive Entwicklung bei Streaming und Konzernumsatz kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das traditionelle TV-Geschäft weiterhin mit einem schwierigen Werbeumfeld zu kämpfen hat.
Die Nachfrage nach klassischer Fernsehwerbung bleibt schwächer, wodurch die Entwicklung der linearen Sender unter Druck steht. Für RTL wird es deshalb immer wichtiger, die rückläufige Dynamik im traditionellen Geschäft durch neue und profitablere digitale Angebote auszugleichen.
Gerade das Streaming-Geschäft gewinnt dadurch strategisch an Gewicht. Dass RTL den erwarteten Ergebnisbeitrag für 2026 inzwischen auf rund 100 Millionen Euro erhöht hat, zeigt die wachsende wirtschaftliche Bedeutung dieses Bereichs.
Bertelsmann setzt auf den digitalen Umbau
RTL gehört zum Medienkonzern Bertelsmann und befindet sich damit inmitten eines langfristigen Wandels der Medienbranche. Zuschauer verlagern einen zunehmenden Teil ihres Konsums von klassischen Fernsehsendern zu digitalen Plattformen.
Für RTL bedeutet dies, dass nicht allein Reichweite und Werbeeinnahmen entscheidend sind. Streaming-Abonnements, digitale Inhalte und die wirtschaftliche Nutzung bestehender Medienmarken werden immer wichtiger.
Die Übernahme von Sky Deutschland erweitert dabei die Position des Konzerns im deutschen Medienmarkt. Gleichzeitig erhöht der Zukauf die Umsatzbasis erheblich und verändert die Größenordnung des Unternehmens.
Ein Medienkonzern im Übergang
Die aktuellen Zahlen zeichnen damit ein gemischtes, aber insgesamt positives Bild. Auf der einen Seite steht ein weiterhin herausforderndes Umfeld für das klassische TV-Werbegeschäft. Auf der anderen Seite entwickelt sich das Streaming-Geschäft besser als bislang erwartet und liefert inzwischen einen positiven Ergebnisbeitrag.
Hinzu kommt die vollständige Integration von Sky Deutschland, die den Konzernumsatz in diesem Jahr voraussichtlich um etwa 1 Milliarde Euro erhöht.
Für RTL kommt es damit zunehmend darauf an, das traditionelle Fernsehgeschäft, profitables Streaming und die neuen Möglichkeiten durch Sky zu einem wirtschaftlich tragfähigen Gesamtmodell zu verbinden.