Die mögliche Rückkehr der russischen Nationalmannschaft zur Eishockey-Weltmeisterschaft 2027 in Deutschland sorgt bereits Monate vor dem Turnier für erheblichen Streit. Vier europäische Verbände haben angekündigt, bei einer Teilnahme Russlands nicht gegen das Team anzutreten.
Neben Finnland wollen auch Schweden, Norwegen und Dänemark mögliche Partien gegen Russland verweigern. An den übrigen Begegnungen der Weltmeisterschaft würden die Mannschaften nach bisherigem Stand dennoch teilnehmen.
Auslöser ist eine Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs Cas, der die Sperre gegen russische Eishockeyteams aufgehoben hat. Damit ist eine Teilnahme Russlands an der WM 2027 grundsätzlich wieder möglich.
Vier Verbände verweigern Spiele gegen Russland
Die ablehnende Haltung mehrerer nordeuropäischer Eishockeyverbände ist deutlich.
Sollte Russland für die Weltmeisterschaft zugelassen werden, wollen Finnland, Schweden, Norwegen und Dänemark nicht zu Spielen gegen die russische Auswahl antreten.
Ein vollständiger Rückzug aus dem Turnier ist bislang jedoch nicht angekündigt. Die Teams wollen für Begegnungen gegen andere Nationen weiterhin zur Verfügung stehen.
Damit droht der Weltmeisterschaft ein ungewöhnlicher Konflikt, bei dem einzelne Spiele aus politischen Gründen nicht stattfinden könnten.
Norwegen hält an Ausschlussforderung fest
Der norwegische Eishockeyverband begründete seine Haltung mit dem weiterhin andauernden Krieg in der Ukraine.
In einer Erklärung heißt es wörtlich:
„Unsere Position, dass Russland von allen internationalen Meisterschaften ausgeschlossen werden sollte, solange der Krieg in der Ukraine andauert, ist unverändert.“
Damit macht der Verband deutlich, dass die Entscheidung des Sportgerichtshofs nichts an seiner grundsätzlichen Position geändert hat.
Auch die anderen beteiligten Verbände sehen eine Rückkehr Russlands kritisch.
Russland war seit 2022 ausgeschlossen
Russische Eishockeymannschaften waren nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine im Februar 2022 von internationalen Wettbewerben ausgeschlossen worden.
Diese Sperre galt über mehrere Jahre.
Mit der jüngsten Entscheidung des Cas wurde diese Grundlage nun aufgehoben.
Damit entsteht erstmals wieder die konkrete Möglichkeit, dass Russland bei einem großen internationalen Eishockeyturnier antreten könnte.
Genau diese Aussicht führt nun zu Widerstand bei mehreren europäischen Verbänden.
Deutschland richtet die WM 2027 aus
Die Weltmeisterschaft soll vom 13. bis 30. Mai 2027 in Deutschland ausgetragen werden.
Als Spielorte sind vorgesehen:
- Düsseldorf
- Mannheim
- Gelsenkirchen
Deutschland trägt damit die Verantwortung für Organisation, Sicherheit und Durchführung des Turniers.
Eine mögliche Teilnahme Russlands könnte diese Aufgaben erheblich komplizierter und teurer machen.
DEB lehnt Russland-Rückkehr ebenfalls ab
Auch der Deutsche Eishockey-Bund positioniert sich gegen eine Rückkehr Russlands.
Die Haltung des deutschen Verbandes geht sogar so weit, dass ein vollständiger Verzicht auf die Austragung der Weltmeisterschaft nicht ausgeschlossen wird.
Frank Lutz, Vorstandschef des DEB, erklärte:
„Natürlich müssen wir uns als DEB mit der Option befassen, diese WM zurückzugeben.“
Damit steht erstmals offen im Raum, dass Deutschland die Gastgeberrolle wieder abgeben könnte.
Sicherheitskosten werden zum zentralen Problem
Ein wichtiger Grund für diese Überlegungen sind mögliche zusätzliche Sicherheitskosten.
Bei einer Teilnahme Russlands müsste mit erhöhtem Aufwand rund um Spiele, Mannschaften, Zuschauer und Veranstaltungen gerechnet werden.
Lutz machte deutlich, dass der Verband dabei finanzielle Grenzen sieht:
„In ein wirtschaftliches Risiko, das wir nicht mehr stemmen können, können wir uns nicht begeben.“
Damit geht es nicht nur um eine politische Haltung, sondern auch um konkrete wirtschaftliche Risiken für den Veranstalter.
Boykotte könnten Turnierplan erheblich stören
Sollten tatsächlich vier Mannschaften einzelne Spiele gegen Russland verweigern, hätte dies direkte Auswirkungen auf den Ablauf des Turniers.
Je nach Gruppeneinteilung könnten Begegnungen ausfallen oder sportrechtlich gewertet werden müssen.
Unklar ist bislang, wie der internationale Verband mit solchen Situationen umgehen würde.
Mögliche Folgen könnten sein:
- Spielabsagen
- sportrechtliche Wertungen
- Änderungen im Turnierplan
- zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen
- finanzielle Verluste für Veranstalter
Damit wird die Frage einer russischen Teilnahme zu einem organisatorischen Problem für das gesamte Turnier.
Sponsoren erhöhen zusätzlich den Druck
Auch wirtschaftlich wächst der Druck auf die Veranstalter.
Der schwedische Möbelhersteller AJ Products, der die Eishockey-Weltmeisterschaft seit 1989 unterstützt, hat angekündigt, sich 2027 als Sponsor zurückzuziehen, falls Russland teilnehmen darf.
Damit steht eine jahrzehntelange Partnerschaft auf dem Spiel.
Auch der finnische Reifenhersteller Nokian Tyres äußerte sich kritisch und stellte seine Unterstützung im Fall einer russischen Teilnahme infrage.
Sponsorenverlust könnte WM finanziell treffen
Für eine internationale Weltmeisterschaft sind Sponsoren eine wichtige Einnahmequelle.
Wenn langjährige Partner aussteigen, kann dies erhebliche finanzielle Folgen haben.
Gerade vor dem Hintergrund möglicher zusätzlicher Sicherheitsausgaben verschärft sich dadurch das Risiko für den deutschen Gastgeber.
Der DEB muss deshalb nicht nur sportliche und politische Fragen berücksichtigen, sondern auch wirtschaftliche Folgen.
Cas-Urteil verändert die gesamte Ausgangslage
Die Entscheidung des Sportgerichtshofs hat die Planung der WM grundlegend verändert.
Bislang konnten die Organisatoren davon ausgehen, dass Russland nicht teilnehmen würde.
Mit der Aufhebung der Sperre ist diese Sicherheit entfallen.
Damit müssen der internationale Verband und der deutsche Gastgeber nun klären, wie eine mögliche Teilnahme organisatorisch und politisch umgesetzt werden könnte.
Deutschland könnte Gastgeberrolle zurückgeben
Besonders weitreichend wäre ein Rückzug Deutschlands als Veranstalter.
Der DEB hat diese Möglichkeit ausdrücklich nicht ausgeschlossen.
Sollte der Verband zu dem Schluss kommen, dass die finanziellen oder sicherheitspolitischen Risiken zu groß sind, könnte die Weltmeisterschaft an ein anderes Land vergeben werden.
Ein solcher Schritt wäre außergewöhnlich und würde die Vorbereitung des Turniers erheblich verändern.
Politischer Streit erreicht den Sport
Die Diskussion zeigt, wie stark internationale Sportveranstaltungen weiterhin von geopolitischen Konflikten beeinflusst werden.
Russland war seit 2022 aus zahlreichen Wettbewerben ausgeschlossen.
Die mögliche Rückkehr führt nun zu einem direkten Konflikt zwischen sportrechtlichen Entscheidungen und der Haltung einzelner nationaler Verbände.
Der Cas hat die Sperre aufgehoben, doch mehrere Länder wollen diese Entscheidung sportlich nicht akzeptieren.
Entscheidung über Russland bleibt zentral
Für die WM 2027 steht deshalb eine zentrale Frage im Mittelpunkt: Wird Russland tatsächlich teilnehmen?
Davon hängen zahlreiche weitere Entscheidungen ab.
Sollte Russland zugelassen werden, drohen Boykotte von mindestens vier Nationalmannschaften, mögliche Sponsorenverluste und zusätzliche Sicherheitskosten.
Auch die Gastgeberrolle Deutschlands könnte erneut zur Diskussion stehen.
Damit entwickelt sich die Eishockey-WM 2027 bereits lange vor dem ersten Spiel zu einem politischen, wirtschaftlichen und sportlichen Konflikt.