USA und Briten verstärken Vorsorge für Krisenfall

Oktober 27, 2026
USA und Briten verstärken Vorsorge für Krisenfall

Die USA und Großbritannien verstärken ihre Vorbereitungen auf mögliche Kriege, Cyberangriffe und großflächige Ausfälle wichtiger Infrastruktur. Während das amerikanische Verteidigungsministerium zentrale Militärstützpunkte künftig mindestens 90 Tage unabhängig von zivilen Versorgungsnetzen betreiben können will, richtet sich die britische Regierung auch direkt an die Bevölkerung. Haushalte sollen Vorräte für mindestens drei Tage bereithalten.

Die Maßnahmen umfassen Strom, Wasser, Treibstoff, Kommunikationssysteme und strategische Reserven. In Großbritannien stehen dagegen Lebensmittel, Trinkwasser, Decken und Radios im Mittelpunkt. Beide Länder wollen damit ihre Widerstandsfähigkeit erhöhen, falls kritische Infrastruktur durch Krieg, Sabotage, Cyberangriffe oder extreme Wetterereignisse ausfällt.

US-Militärbasen sollen 90 Tage unabhängig bleiben

Das amerikanische Verteidigungsministerium arbeitet an einer deutlich stärkeren Absicherung wichtiger Militärstandorte.

Im Rahmen des Programms „FORTRESS“ sollen größere Stützpunkte auf dem amerikanischen Festland künftig ihre wesentlichen Aufgaben mindestens 90 Tage lang ohne externe Versorgung erfüllen können.

Dazu gehören insbesondere:

  • Stromversorgung
  • Trink- und Brauchwasser
  • Treibstoff
  • Kommunikationssysteme
  • medizinische Versorgung
  • kritische Betriebsmittel

Damit sollen die Streitkräfte auch dann handlungsfähig bleiben, wenn zivile Stromnetze oder Lieferketten ausfallen.

Pentagon will Abhängigkeit von zivilen Netzen verringern

Die amerikanische Regierung betrachtet die starke Verflechtung militärischer Einrichtungen mit ziviler Infrastruktur zunehmend als Sicherheitsrisiko.

Pentagon-Sprecher Sean Parnell erklärte:

„Wir wollen uns bei der Landesverteidigung nicht auf die gewöhnliche zivile und kommunale Infrastruktur verlassen.“

Eine derartige Abhängigkeit sei aus Sicht des Verteidigungsministeriums mit erheblichen Risiken verbunden.

Insbesondere bei einem größeren militärischen Konflikt oder gezielten Sabotageakten könnten Stromnetze, Kommunikationsverbindungen und Versorgungssysteme zu Angriffszielen werden.

Mobile Kernreaktoren und Batteriespeicher vorgesehen

Um Militärstandorte unabhängiger zu machen, sollen verschiedene technische Lösungen eingesetzt werden.

Zu den vorgesehenen Maßnahmen zählen unter anderem:

  • mobile Kernreaktoren
  • größere Batteriespeicher
  • eigenständige Stromnetze
  • zusätzliche Treibstoffreserven
  • alternative Kommunikationsmöglichkeiten

Entscheidend ist dabei, dass zentrale militärische Funktionen auch nach einem länger andauernden Ausfall der öffentlichen Infrastruktur weiterbetrieben werden können.

Die geplante Versorgung über 90 Tage geht deutlich über eine kurzfristige Notstromlösung hinaus.

Munition und medizinische Güter sollen bevorratet werden

Die amerikanische Vorsorge beschränkt sich nicht auf Energie.

Das Pentagon will außerdem strategische Vorräte anlegen beziehungsweise ausbauen.

Dazu zählen:

  • Munition
  • Treibstoff
  • kritische Rohstoffe
  • medizinische Güter

Auch die industrielle Produktion spielt eine Rolle. Zivile Fabriken sollen darauf vorbereitet werden, ihre Fertigung im Ernstfall kurzfristig auf militärisch benötigte Güter umzustellen.

Damit geht es nicht nur um die Absicherung einzelner Stützpunkte, sondern auch um die Fähigkeit, eine größere militärische Auseinandersetzung über einen längeren Zeitraum zu unterstützen.

Großbritannien fordert Drei-Tage-Vorrat

Während die USA vor allem ihre militärische Infrastruktur stärken, richtet sich die britische Vorsorgestrategie stärker an private Haushalte.

Im Rahmen der Kampagne „Be Ready“ sollen Bürger genügend Vorräte bereithalten, um mindestens drei Tage ohne reguläre Versorgung auskommen zu können.

Empfohlen werden insbesondere:

  • haltbare Lebensmittel
  • ausreichend Trinkwasser
  • Decken
  • ein Radio
  • weitere grundlegende Notfallausrüstung

Die Vorräte sollen helfen, kurzfristige Störungen zu überbrücken, wenn Supermärkte, Stromversorgung oder elektronische Zahlungssysteme zeitweise nicht funktionieren.

Cyberangriffe gehören zu den zentralen Szenarien

Ein wichtiger Bestandteil der britischen Planung sind mögliche Angriffe auf digitale Infrastruktur.

Ein größerer Cyberangriff könnte beispielsweise Zahlungssysteme, Kommunikationsnetze oder Energieversorgung beeinträchtigen.

Auch extreme Wetterereignisse werden als mögliches Szenario genannt.

Damit richtet sich die Vorsorge nicht ausschließlich auf einen militärischen Konflikt. Sie soll grundsätzlich die Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung bei schwerwiegenden Störungen erhöhen.

Warnung vor möglichen Angriffsfähigkeiten bis 2030

Der britische Verteidigungsminister Wes Streeting warnte vor einer zunehmenden militärischen Bedrohung in den kommenden Jahren.

Er erklärte:

„Bis 2030 könnten ihre Truppenstärke und ihre Kriegswirtschaft sie in die Lage versetzen, anzugreifen.“

Nach seiner Einschätzung verbleiben damit nur etwas mehr als 1.000 Tage, um gemeinsam mit Verbündeten die eigene Verteidigungsfähigkeit weiter auszubauen.

Streeting schrieb außerdem:

„Um das Schlimmste zu verhindern, müssen wir uns darauf vorbereiten.“

Im Mittelpunkt steht dabei der Gedanke der Abschreckung. Ein möglicher Gegner soll davon überzeugt werden, dass ein Angriff hohe Kosten verursachen und auf erheblichen Widerstand treffen würde.

Russland gilt als besondere Bedrohung

In Großbritannien richtet sich ein großer Teil der Sicherheitsdebatte auf Russland.

Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei kritischer Infrastruktur unter Wasser.

Nach den vorliegenden Angaben besteht in London die Sorge, dass russische Akteure kommerzielle Schiffe einsetzen könnten, um wichtige britische Unterseekabel auszuspähen oder deren Lage genauer zu erfassen.

Solche Kabel sind für Internetverbindungen, Kommunikation und Datenverkehr von großer Bedeutung.

Die britische Regierung will deshalb härter gegen Sabotageakte an Unterwasserinfrastruktur vorgehen.

Schutz kritischer Infrastruktur gewinnt an Bedeutung

Die westlichen Staaten beschäftigen sich zunehmend mit der Frage, wie anfällig moderne Gesellschaften für Angriffe auf zentrale Versorgungssysteme sind.

Besonders gefährdet können sein:

  • Stromnetze
  • Kommunikationsleitungen
  • Unterseekabel
  • Wasserinfrastruktur
  • Transportwege
  • Treibstoffversorgung
  • digitale Zahlungssysteme

Ein Ausfall mehrerer dieser Systeme gleichzeitig könnte sowohl die Bevölkerung als auch militärische Einrichtungen erheblich beeinträchtigen.

Genau hier setzen die neuen Vorsorgepläne an.

Großbritannien diskutiert höhere Verteidigungsausgaben

Parallel dazu wird in Großbritannien über die Finanzierung der Streitkräfte gestritten.

Die Regierung verweist auf das NATO-Ziel, die Verteidigungsausgaben bis 2035 auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen.

Die konservative Opposition fordert dagegen, bereits bis 2030 mindestens 3 Prozent der Wirtschaftsleistung für Verteidigung aufzuwenden.

Hinter dieser Debatte steht die Frage, wie schnell Großbritannien seine militärischen Fähigkeiten ausbauen muss.

Frühere Militärführung warnte bereits vor Zeitdruck

Der frühere britische Armeechef Patrick Sanders hatte bereits im vergangenen Jahr darauf hingewiesen, dass Großbritannien möglicherweise weniger als fünf Jahre Zeit habe, sich auf einen möglichen Konflikt mit Russland vorzubereiten.

Er forderte unter anderem:

  • Investitionen in die Luftverteidigung
  • zusätzliche Schutzmaßnahmen
  • den Bau von Schutzbunkern

Damit reiht sich die aktuelle Vorsorgekampagne in eine länger laufende Debatte über die Widerstandsfähigkeit des Landes ein.

Washington und London setzen unterschiedliche Schwerpunkte

Die Ansätze der beiden Staaten unterscheiden sich deutlich.

Die USA konzentrieren sich insbesondere darauf, militärische Einrichtungen selbst bei längerem Ausfall ziviler Systeme einsatzfähig zu halten.

Großbritannien bezieht zusätzlich die private Bevölkerung stärker in seine Vorsorgeplanung ein.

In beiden Fällen geht es jedoch um dasselbe Grundproblem: Kritische Infrastruktur soll auch unter außergewöhnlichen Bedingungen funktionieren oder zumindest für einen begrenzten Zeitraum ersetzt werden können.

Mit 90 Tagen Autarkie für wichtige US-Militärbasen und einem Drei-Tage-Vorrat für britische Haushalte werden derzeit konkrete Zeiträume für diese Vorsorge festgelegt.

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