Deutschland entwickelt sich immer stärker zum Land der Mieter. 2025 lebten lediglich 43,5 Prozent der deutschen Haushalte in den eigenen vier Wänden. Damit erreichte die Wohneigentumsquote laut Berechnungen des Pestel-Instituts den niedrigsten Stand seit zwei Jahrzehnten.
Die Mehrheit der Haushalte wohnt inzwischen zur Miete. Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung bei jüngeren Menschen. Unter den 25- bis 45-Jährigen lebten 2025 fast drei Viertel zur Miete. Eine Vermögensbefragung der Bundesbank aus dem Jahr 2023 kommt zu einem ähnlich deutlichen Ergebnis: Bei den Haushalten unter 35 Jahren besaßen gerade einmal 7 Prozent die Wohnung, in der sie selbst lebten.
Deutschland bildet Europas Schlusslicht
Im europäischen Vergleich fällt der Abstand noch stärker ins Auge. Nach Eurostat-Daten lebten 2024 rund 68 Prozent der Menschen in der Europäischen Union in einem Eigentümerhaushalt.
Besonders hoch war die Quote in:
- Rumänien: 94 Prozent
- Slowakei: 93 Prozent
- Ungarn: 92 Prozent
- Polen: rund 87 Prozent
- Italien: rund 76 Prozent
- Spanien: 74 Prozent
Selbst Frankreich, wo das Mietwohnen ebenfalls eine bedeutende Rolle spielt, kam auf 61 Prozent.
Deutschland lag dagegen bereits 2024 bei lediglich 47 Prozent und war damit das einzige EU-Land, in dem Mieter die Mehrheit stellten. 2025 verschärfte sich die Entwicklung nochmals.
Bauen wird für viele Haushalte unbezahlbar
Eine zentrale Ursache liegt in den enorm gestiegenen Kosten für Neubauten. Hohe Baupreise, gestiegene Finanzierungskosten und die Wohnungspolitik der vergangenen Jahre werden vom Pestel-Institut als wesentliche Faktoren genannt.
Matthias Günther, Leiter des Instituts, verwies dabei insbesondere auf die Kombination dieser Belastungen. Für Menschen, die erstmals Wohneigentum erwerben möchten, wird der Schritt dadurch zunehmend schwieriger.
Wie drastisch sich die Baukosten verändert haben, zeigt eine Untersuchung der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen. Bei typischen Mehrfamilienhäusern in deutschen Großstädten lagen die reinen Baukosten in Wachstumsregionen und Ballungsräumen 2010 bei 2.182 Euro je Quadratmeter.
Bis zum ersten Quartal 2020 stieg dieser Median bereits auf 3.028 Euro. Ende 2025 waren es schließlich 4.631 Euro je Quadratmeter.
Damit verteuerte sich der Bau innerhalb von rund fünf Jahren um 53 Prozent. Gegenüber 2010 haben sich die reinen Baukosten sogar mehr als verdoppelt. Grundstücks- und Finanzierungskosten sind in diesen Werten noch nicht enthalten.
Auch die Finanzierung wird zur Belastungsprobe
Nicht nur das Bauen selbst ist teurer geworden. Auch die Finanzierung einer Immobilie kostet erheblich mehr als noch vor wenigen Jahren.
Für zehnjährige Baukredite werden im September 2026 rund 4 Prozent Zinsen verlangt. 2021 lagen die entsprechenden Zinssätze bei weniger als einem Prozent und zeitweise sogar bei lediglich 0,5 Prozent.
Jörg Utecht, Vorstandsvorsitzender von Interhyp, bezeichnete diese Entwicklung als eine „neue Realität“, auf die sich Immobilienkäufer einstellen müssten.
Für einen Haushalt bedeutet bereits ein vergleichsweise kleiner Zinsanstieg eine erhebliche zusätzliche monatliche Belastung. Zusammen mit den höheren Baupreisen kann sich dadurch die Finanzierungssumme deutlich erhöhen.
Weniger Neubauten verschärfen den Wohnungsmangel
Gleichzeitig wird in Deutschland zu wenig neuer Wohnraum geschaffen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden 2025 nur 206.600 Wohnungen fertiggestellt.
Das waren 18 Prozent weniger als 2024 und zugleich der niedrigste Stand seit 2012.
Damit trifft ein rückläufiges Angebot auf eine weiterhin hohe Nachfrage. Eine anhaltend starke Zuwanderung trägt zusätzlich dazu bei, dass der Bedarf an Wohnungen hoch bleibt.
Die Konsequenzen zeigen sich auf beiden Seiten des Wohnungsmarktes: Sowohl für Mieter als auch für Kaufinteressenten wird es schwieriger, geeigneten und bezahlbaren Wohnraum zu finden.
Förderpolitik steht ebenfalls in der Kritik
Matthias Günther vom Pestel-Institut sieht einen weiteren Faktor in der staatlichen Förderung. Aus seiner Sicht wurden wirksame bundesweite Instrumente zur Unterstützung von Wohneigentum in den vergangenen Jahren zurückgefahren.
Als Beispiel nennt er die Abschaffung des Baukindergelds im Jahr 2021. Für Familien, die sich den Kauf oder Bau eines Eigenheims ohnehin nur mit knapper Finanzierung leisten können, fallen damit zusätzliche Unterstützungsmöglichkeiten weg.
Gleichzeitig sorgen steigende Grundstücks-, Bau- und Finanzierungskosten dafür, dass die erforderlichen Eigenmittel und monatlichen Belastungen für viele Interessenten kaum noch erreichbar sind.
Eigentum fehlt beim langfristigen Vermögensaufbau
Die niedrige Eigentumsquote ist nicht nur eine Frage des Wohnens. Sie betrifft auch den Vermögensaufbau privater Haushalte.
Für viele Menschen stellt die selbst genutzte Immobilie die wichtigste langfristige Form des Sparens dar. Mit jeder Tilgungsrate wird ein Teil der Finanzierung zurückgeführt und gleichzeitig Vermögen aufgebaut.
Bei einem Mietverhältnis entsteht dieser Vermögenswert dagegen nicht. Die monatliche Zahlung sichert zwar das Wohnrecht, führt aber nicht zum Erwerb der Immobilie. Nach vollständiger Rückzahlung eines Immobilienkredits können Eigentümer zudem weiterhin in ihrer Wohnung leben, während Mieter dauerhaft Mietzahlungen leisten müssen.
Hohe Wohnkosten lassen wenig Spielraum
Allerdings könnten Mieter grundsätzlich auf andere Weise für das Alter vorsorgen, etwa durch Aktien, Rohstoffe oder Kryptowährungen. Das setzt jedoch voraus, dass nach Abzug aller laufenden Kosten überhaupt ausreichend Geld übrig bleibt.
Genau hier liegt ein weiteres Problem. Laut Mieterbund mussten 2025 rund 11,2 Prozent der Bevölkerung mehr als 40 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für das Wohnen aufbringen.
Deutschland lag damit innerhalb der EU auf dem dritten Platz. Nur in Griechenland und Dänemark war der entsprechende Anteil noch höher. Der EU-Durchschnitt betrug 7,7 Prozent.
Je höher die Wohnkosten ausfallen, desto schwieriger wird es für Haushalte, regelmäßig größere Beträge für die Altersvorsorge zurückzulegen.
Durchschnittlich bleiben 270 Euro zum Sparen
Wie groß der finanzielle Spielraum deutscher Haushalte ist, zeigt eine weitere Erhebung von Destatis. Im ersten Halbjahr 2025 legten private Haushalte durchschnittlich 10,3 Prozent ihres verfügbaren Einkommens zurück.
Umgerechnet entspricht das rund 270 Euro pro Einwohner und Monat.
Allerdings handelt es sich dabei um einen statistischen Durchschnitt. Zwischen Haushalten mit niedrigen, mittleren und hohen Einkommen bestehen erhebliche Unterschiede. Wer bereits einen großen Teil seines Einkommens für Miete, Energie, Lebensmittel und andere Lebenshaltungskosten aufwenden muss, hat entsprechend weniger Möglichkeiten, zusätzlich Vermögen aufzubauen.