Ein traditionsreicher Standort steht still
Die deutsche Produktion von Playmobil ist beendet. Im Werk Dietenhofen in Mittelfranken wurden die noch verbliebenen Beschäftigten bereits eine Woche vor der offiziellen Schließung bezahlt freigestellt. Damit ist die Fertigung der weltweit bekannten Spielfiguren in Deutschland faktisch zum Erliegen gekommen.
Ein Sprecher der Horst Brandstätter Group bestätigte den Stillstand mit den Worten: „Die Produktion ruht“. Offiziell soll das Werk zum 30. Juni geschlossen werden. Für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter endet damit ein Kapitel, das über viele Jahre eng mit der deutschen Spielwarenindustrie verbunden war.
Fertigung wandert nach Malta und Tschechien
Die Herstellung der bekannten Playmobilfiguren wird künftig nicht mehr in Deutschland konzentriert. Aus Kostengründen verlagert der Hersteller die Produktion in seine Werke auf Malta und in Tschechien. Dort sollen die Abläufe gebündelt werden, um günstiger und effizienter produzieren zu können.
Nach Angaben des Unternehmens bleiben jedoch wichtige Bereiche weiterhin in Deutschland. Dazu zählen Produktentwicklung, Verwaltung, Marketing, Vertrieb und Logistik. Der Sprecher betonte: „Playmobil bleibt als traditionsreicher Spielzeughersteller in Deutschland verwurzelt“.
Trotz dieser Aussage ist der Einschnitt erheblich. Denn gerade die Produktion war für viele Beschäftigte und für die Region ein sichtbarer Teil der Unternehmensidentität.
Rund 350 Beschäftigte betroffen
Die Entscheidung zur Schließung kam für viele überraschend. Der Hersteller aus Zirndorf hatte im Februar angekündigt, das Werk in Dietenhofen zum 30. Juni zu schließen. Betroffen sind rund 350 Beschäftigte.

Mit den Arbeitnehmervertretern wurde ein Sozialplan vereinbart. Dieser sieht unter anderem eine Transfergesellschaft und Abfindungen vor. Damit sollen die Folgen für die Beschäftigten abgefedert werden. Dennoch bleibt der Verlust des Arbeitsplatzes für viele eine harte persönliche und berufliche Zäsur.
Besonders schwer wiegt, dass viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seit Jahren oder sogar Jahrzehnten mit dem Standort verbunden waren. Für sie geht es nicht nur um einen Job, sondern auch um ein Stück berufliche Heimat.
Gewerkschaft kritisiert Vorgehen scharf
Die Gewerkschaft IGBCE kritisierte die Schließung bereits bei Bekanntwerden deutlich. Ihre Kritik richtete sich nicht nur gegen die Entscheidung selbst, sondern auch gegen die Art der Kommunikation.
Besonders brisant: Auf der weltgrößten Spielwarenmesse in Nürnberg hatte Playmobil-Vorstand Bahri Kurter Ende Januar noch erklärt, es gebe Anzeichen, die für eine mögliche Trendumkehr bei dem angeschlagenen Unternehmen sprechen könnten. Nur rund eine Woche später wurde die Belegschaft über die Verlagerung der Produktion informiert.
Für viele Beschäftigte entstand dadurch der Eindruck, dass die schlechten Nachrichten sehr plötzlich kamen und intern nicht angemessen vorbereitet wurden.
Betriebsrat spricht von tiefer Enttäuschung
Der Betriebsratsvorsitzende Michael Ulbrich fand deutliche Worte für die Situation. Er sagte: „Das war eine Katastrophe. Für viele von uns ist eine Welt zusammengebrochen“.
Ulbrich war wie viele Kolleginnen und Kollegen seit langer Zeit in dem traditionsreichen Werk beschäftigt. Besonders kritisierte er, wie kurzfristig die Arbeitnehmervertretung informiert worden sei. Nach seiner Darstellung wurde der Betriebsrat erst kurz vor der Belegschaft eingeweiht.
Seine Kritik an der Unternehmensführung fiel entsprechend klar aus: „Man hat einen wertschätzenden Umgang absolut vermisst“. Diese Aussage zeigt, wie groß der Vertrauensverlust am Standort ist.
Hohe Kosten als Hauptargument
Das Unternehmen begründet den Schritt vor allem mit wirtschaftlichem Druck. Die Produktion in Deutschland sei wegen hoher Lohnkosten und Energiekosten nicht mehr tragfähig gewesen. Die Schließung des Werks in Dietenhofen sei deshalb aus Sicht des Herstellers unausweichlich gewesen.
Die Bündelung der Fertigung in Malta und Tschechien soll helfen, die Kostenstruktur zu verbessern. Ziel sei es, das Unternehmen zu stabilisieren und wieder nachhaltiges Wachstum zu ermöglichen.
Damit reagiert Playmobil auf eine Entwicklung, die das Unternehmen schon länger belastet. Die bekannten Spielwelten verkauften sich in den vergangenen Jahren zunehmend schlechter. Der Hersteller musste wiederholt Umsatzrückgänge hinnehmen.
Eine Marke unter Druck
Playmobil gehört zu den bekanntesten Spielzeugmarken Deutschlands. Die lächelnden Figuren, Burgen, Piratenschiffe, Bauernhöfe, Polizei- und Rettungssets prägten über Jahrzehnte viele Kinderzimmer. Doch der Markt hat sich verändert.
Digitale Unterhaltung, veränderte Spielgewohnheiten und stärkerer internationaler Wettbewerb setzen klassische Spielwarenhersteller unter Druck. Marken wie Playmobil müssen heute nicht nur mit anderen Spielzeuganbietern konkurrieren, sondern auch mit Bildschirmmedien, Apps und digitalen Freizeitangeboten.
Die sinkenden Verkäufe zeigen, dass Bekanntheit allein nicht mehr genügt. Auch traditionsreiche Marken müssen ihre Kosten senken, ihre Produkte neu ausrichten und stärker um die Aufmerksamkeit von Kindern und Eltern kämpfen.
Deutschland bleibt Sitz, aber nicht Werkbank
Mit dem Ende der Produktion in Dietenhofen verliert Deutschland einen wichtigen Teil der Playmobil-Wertschöpfung. Zwar bleiben zentrale Funktionen wie Entwicklung, Marketing und Vertrieb im Land. Die eigentliche Herstellung der Figuren findet künftig jedoch außerhalb Deutschlands statt.
Für die Beschäftigten in Mittelfranken ist das ein harter Einschnitt. Für das Unternehmen ist es ein Versuch, wirtschaftlich wieder handlungsfähiger zu werden. Für die Marke Playmobil bedeutet es eine Zäsur: Die Figuren bleiben international bekannt, doch ihre deutsche Produktionsgeschichte ist vorerst beendet.