Amazon hebt Löhne für Logistikkräfte an

Juli 20, 2026
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Mehr Geld für Tausende Beschäftigte ab September

Der Online-Handelskonzern Amazon erhöht die Bezahlung seiner Logistikmitarbeiter in Deutschland. Nach Unternehmensangaben erhalten Beschäftigte mit einer Betriebszugehörigkeit von zwei Jahren ab September einen durchschnittlichen Stundenlohn von 18,87 Euro. Das entspricht einer Lohnsteigerung von 3,1 Prozent gegenüber dem bisherigen Niveau.

Von der Anpassung profitieren Mitarbeiter in den deutschen Logistikzentren, die unter anderem Waren kommissionieren, Bestellungen zusammenstellen und Pakete für den Versand vorbereiten. Die Gehaltserhöhung gilt jedoch nicht für die Zusteller, die Pakete ausliefern.

Mit der erneuten Anhebung setzt Amazon nach eigenen Angaben seine jährliche Lohnpolitik fort, stößt damit bei der Gewerkschaft Verdi jedoch weiterhin auf deutliche Kritik.

Amazon verzichtet weiterhin auf Tarifvertrag

Im Gegensatz zu vielen anderen großen Unternehmen des Einzel- und Versandhandels besitzt Amazon in Deutschland keinen Tarifvertrag mit einer Gewerkschaft. Stattdessen legt der Konzern die Vergütung seiner Beschäftigten eigenständig fest.

Genau diese Praxis kritisiert Verdi seit Jahren. Die Gewerkschaft fordert tariflich geregelte Löhne sowie verbindliche Vereinbarungen über Arbeitsbedingungen. Immer wieder organisierte sie Warnstreiks an verschiedenen Amazon-Standorten, um den Druck auf das Unternehmen zu erhöhen.

Amazon weist die Kritik zurück und betont, dass faire Arbeitsbedingungen auch ohne Tarifvertrag gewährleistet seien.

Das Unternehmen erklärt wörtlich:

„ein fairer und verantwortungsvoller Arbeitgeber“ zu sein.

Außerdem verweist der Konzern darauf, dass die Löhne seit 2014 jedes Jahr erhöht worden seien.

Unterschiedliche Bezahlung je nach Standort

Der von Amazon genannte Stundenlohn von 18,87 Euro stellt den sogenannten Netzwerkdurchschnitt dar. Tatsächlich unterscheiden sich die Einkommen je nach Standort.

So erhalten Beschäftigte beispielsweise im Münchner Umland häufig höhere Stundenlöhne als der Durchschnitt. An anderen Standorten, insbesondere in Teilen Ostdeutschlands, fällt die Bezahlung dagegen niedriger aus.

Nach Angaben des Unternehmens gilt jedoch künftig ein Mindeststundenlohn von 18 Euro innerhalb des Logistiknetzwerks.

Damit liegt die Vergütung deutlich über dem gesetzlichen Mindestlohn von 13,90 Euro und übertrifft diesen um mehr als vier Euro pro Stunde.

Lohnerhöhung betrifft nicht alle Amazon-Beschäftigten

Die Anpassung richtet sich ausschließlich an Mitarbeiter in den deutschen Logistikzentren.

Dazu gehören vor allem Beschäftigte, die:

  • Waren aus Regalen entnehmen
  • Bestellungen zusammenstellen
  • Produkte verpacken
  • Pakete für den Versand vorbereiten

Die regelmäßige Arbeitszeit beträgt je nach Einsatzbereich zwischen 35 und 40 Stunden pro Woche.

Nicht einbezogen sind:

  • Paketzusteller
  • Beschäftigte von Subunternehmen
  • Externe Lieferdienste

Die Auslieferung der Pakete erfolgt bei Amazon überwiegend über selbstständige Partnerunternehmen. Deshalb fallen diese Beschäftigten nicht unter die jetzt angekündigte Gehaltserhöhung.

Fachkräfte sowie Mitarbeiter mit Führungsverantwortung erhalten unabhängig davon höhere Vergütungen.

Verdi fordert verbindliche Tarifverhandlungen

Für die Gewerkschaft Verdi reicht die angekündigte Lohnerhöhung nicht aus.

Silke Zimmer, Mitglied des Verdi-Bundesvorstands, erklärte:

„Trotz der Lohnerhöhungen bleibt es dabei: Die Beschäftigten fordern rechtsverbindliche Tarifverträge des Einzel- und Versandhandels und Verhandlungen auf Augenhöhe.“

Nach Auffassung der Gewerkschaft können freiwillige Gehaltserhöhungen tarifvertragliche Regelungen nicht ersetzen. Verdi fordert deshalb weiterhin verbindliche Vereinbarungen, die nicht nur die Löhne, sondern auch Arbeitsbedingungen und weitere Leistungen dauerhaft absichern.

Unterschiedliche Vorstellungen über faire Bezahlung

Die aktuelle Gehaltserhöhung zeigt erneut die unterschiedlichen Positionen von Amazon und Verdi.

Während der Konzern auf regelmäßige freiwillige Lohnanpassungen und überdurchschnittliche Stundenlöhne verweist, fordert die Gewerkschaft weiterhin einen rechtsverbindlichen Tarifvertrag. Damit bleibt der Konflikt um die Bezahlung und die Arbeitsbedingungen bei einem der größten Arbeitgeber der deutschen Logistikbranche bestehen.

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