Firmenpleiten steigen auf höchsten Stand seit 2013

Oktober 27, 2026
Firmenpleiten

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland steigt 2026 deutlich stärker als zunächst erwartet. Nach einer aktuellen Untersuchung von Allianz Trade dürfte es in diesem Jahr rund 25.900 Firmenpleiten geben. Das entspricht einem Zuwachs von 8 Prozent und wäre der höchste Stand seit 2013.

Besonders stark betroffen sind laut der Untersuchung Transport und Logistik, Bau, Gastgewerbe sowie die Automobil- und Maschinenbauindustrie. Noch im Frühjahr war Allianz Trade von einem deutlich geringeren Anstieg ausgegangen. Eine spürbare Entspannung wird zudem frühestens für 2028 erwartet.

25.900 Unternehmensinsolvenzen erwartet

Für das laufende Jahr rechnet Allianz Trade mit insgesamt 25.900 Unternehmensinsolvenzen in Deutschland.

Damit steigt die Zahl der Firmenpleiten um 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Milo Bogaerts, Chef von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz, erklärte:

„Das ist der höchste Stand seit 13 Jahren.“

Die Entwicklung fällt damit wesentlich schlechter aus als noch vor einigen Monaten prognostiziert.

Prognose wurde deutlich nach oben korrigiert

Im Frühjahr hatte Allianz Trade lediglich mit einem Anstieg der Insolvenzen um 2 Prozent gerechnet.

Für den Fall eines länger andauernden Nahostkonflikts war damals ein Plus von 4 Prozent erwartet worden.

Nun liegt die Prognose bei 8 Prozent.

Die Entwicklung im Überblick:

  • ursprüngliche Erwartung: plus 2 Prozent
  • Szenario bei anhaltendem Nahostkonflikt: plus 4 Prozent
  • aktuelle Prognose: plus 8 Prozent
  • erwartete Insolvenzen 2026: 25.900
  • höchster Stand seit: 2013

Damit hat sich der erwartete Anstieg gegenüber der ursprünglichen Prognose vervierfacht.

Transport und Logistik besonders betroffen

Zu den Branchen mit besonders hoher Insolvenzbelastung gehören Transport und Logistik.

Unternehmen in diesem Bereich stehen unter starkem Kostendruck. Hohe Energiepreise, Personalengpässe und schwache wirtschaftliche Nachfrage können die Margen erheblich belasten.

Gerade kleinere und mittelgroße Betriebe verfügen häufig nur über begrenzte finanzielle Reserven.

Wenn gleichzeitig Aufträge zurückgehen und laufende Kosten hoch bleiben, steigt das Risiko einer Zahlungsunfähigkeit.

Bauwirtschaft bleibt unter Druck

Auch die Baubranche gehört zu den besonders betroffenen Bereichen.

Die Branche leidet seit längerer Zeit unter einer Kombination aus hohen Baukosten, teurer Finanzierung und schwacher Nachfrage.

Steigende Zinsen und höhere Materialkosten erschweren insbesondere neue Projekte.

Wenn weniger gebaut wird, wirkt sich das nicht nur auf große Bauunternehmen aus, sondern auch auf zahlreiche Zulieferer und Handwerksbetriebe.

Gastgewerbe kämpft mit hohen Betriebskosten

Im Gastgewerbe bleibt die Lage ebenfalls angespannt.

Restaurants, Hotels und andere Betriebe müssen hohe Personal-, Energie- und Lebensmittelkosten verkraften.

Gleichzeitig reagieren Verbraucher in wirtschaftlich schwierigen Zeiten häufig mit Zurückhaltung bei freiwilligen Ausgaben.

Dadurch geraten Unternehmen unter Druck, deren Geschäft stark von Konsum und Freizeitverhalten abhängt.

Autoindustrie und Maschinenbau ebenfalls betroffen

Auch zwei klassische deutsche Industriezweige gehören zu den Problemfeldern.

Automobilindustrie und Maschinenbau stehen laut Allianz Trade ebenfalls unter erhöhter Insolvenzbelastung.

Beide Branchen sind stark exportorientiert und abhängig von internationalen Lieferketten.

Schwache Konjunktur, hohe Energiekosten und strukturelle Veränderungen können deshalb besonders schwer wiegen.

Hinzu kommen Investitionen in neue Technologien und der Umbau bestehender Geschäftsmodelle.

Konjunkturflaute bleibt Belastungsfaktor

Ein wesentlicher Grund für die hohe Zahl an Firmenpleiten ist die anhaltend schwache wirtschaftliche Entwicklung.

Die deutsche Wirtschaft leidet unter einer Konjunkturflaute, die Unternehmen in vielen Branchen belastet.

Wenn Umsätze stagnieren oder sinken, während Kosten hoch bleiben, verschlechtert sich die Liquiditätslage.

Besonders gefährdet sind Unternehmen mit:

  • hohen Fixkosten
  • geringer Eigenkapitalquote
  • schwacher Auftragslage
  • hohen Finanzierungskosten
  • geringer Preissetzungsmacht

Diese Faktoren können sich gegenseitig verstärken.

Fachkräftemangel verschärft die Probleme

Neben der schwachen Konjunktur nennt Allianz Trade auch strukturelle Belastungen.

Dazu gehört insbesondere der Fachkräftemangel.

Unternehmen finden in vielen Bereichen nicht genügend qualifizierte Beschäftigte.

Das kann dazu führen, dass Aufträge nicht vollständig abgearbeitet werden können oder höhere Löhne gezahlt werden müssen, um Personal zu gewinnen und zu halten.

Damit steigen die Kosten zusätzlich.

Hohe Betriebskosten belasten Unternehmen

Ein weiterer Faktor sind die weiterhin hohen Betriebskosten.

Dazu zählen unter anderem:

  • Energie
  • Personal
  • Finanzierung
  • Logistik
  • Material
  • Mieten

Viele Unternehmen können diese Mehrkosten nicht vollständig an ihre Kunden weitergeben.

Dadurch geraten Gewinnmargen unter Druck.

Je länger dieser Zustand anhält, desto größer wird das Insolvenzrisiko.

Nahostkonflikt erhöht wirtschaftliche Unsicherheit

Auch der anhaltende Konflikt im Nahen Osten spielt laut Allianz Trade eine Rolle.

Geopolitische Spannungen können Energiepreise, Lieferketten und Transportkosten beeinflussen.

Gerade für exportorientierte und energieintensive Branchen entstehen dadurch zusätzliche Risiken.

Die Unsicherheit erschwert zudem Investitionsentscheidungen.

Unternehmen verschieben Projekte oder reduzieren Ausgaben, wenn die wirtschaftliche Entwicklung schwer kalkulierbar ist.

2027 noch keine Entspannung erwartet

Für das kommende Jahr rechnet Allianz Trade nicht mit einer deutlichen Verbesserung.

Milo Bogaerts sagte:

„Für 2027 ist erst einmal keine Entspannung in Sicht.“

Die Insolvenzzahlen sollen sich demnach auf dem derzeit hohen Niveau stabilisieren.

Damit bleibt die Belastung für die deutsche Wirtschaft auch im kommenden Jahr erheblich.

Trendwende erst 2028 möglich

Eine Verbesserung erwartet Allianz Trade erst für 2028.

Dann könnte die Zahl der Unternehmensinsolvenzen um 5 Prozent sinken.

Prognostiziert werden rund 24.600 Fälle.

Bogaerts erklärte:

„Erst 2028 zeichnet sich eine Trendwende ab.“

Selbst dann läge die Zahl der Firmenpleiten allerdings weiterhin auf einem hohen Niveau.

Insolvenzwelle bleibt länger bestehen

Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass die hohe Zahl an Unternehmensinsolvenzen kein kurzfristiges Phänomen ist.

Mehrere Belastungen wirken gleichzeitig:

  • schwache Konjunktur
  • Fachkräftemangel
  • hohe Betriebskosten
  • geopolitische Risiken
  • struktureller Wandel
  • hohe Finanzierungskosten

Diese Kombination macht es besonders schwierig, dass sich die Lage kurzfristig stabilisiert.

Für 2026 werden nun 25.900 Insolvenzen erwartet. Erst 2028 könnte die Zahl wieder auf rund 24.600 Fälle zurückgehen.

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