US-Konzern Sazerac verhandelt mit Berentzen
Bei der Berentzen-Gruppe ist Bewegung in die Eigentümerfrage gekommen – und die Börse reagiert unmittelbar. Die Aktie des niedersächsischen Getränkeherstellers legte am Donnerstag zeitweise um 27,5 Prozent zu und erreichte mit 4,68 Euro den höchsten Kurs seit rund 14 Monaten.
Auslöser sind Gespräche über ein mögliches freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot. Berentzen bestätigte am 16. September 2026, dass Verhandlungen mit der US-amerikanischen Sazerac Company laufen. Der Konzern aus New Orleans möchte nach Angaben des Unternehmens grundsätzlich sämtliche ausstehenden Aktien erwerben.
Noch steht allerdings kein vollzogenes Übernahmegeschäft fest. Berentzen erklärte lediglich, dass entsprechende Verhandlungen geführt werden und die Öffentlichkeit über den weiteren Verlauf informiert werden soll.
Börsenwert steigt innerhalb kürzester Zeit
Wie stark die Nachricht die Anleger elektrisiert, zeigt die Kursreaktion. Auf Basis des Schlusskurses vom Mittwoch wurde Berentzen mit lediglich rund 35 Millionen Euro bewertet. Bereits kleine Veränderungen bei Angebotserwartungen können bei einer derart niedrigen Marktkapitalisierung deshalb zu erheblichen Kursbewegungen führen.

Am Donnerstag erreichte die Aktie zwischenzeitlich 4,68 Euro. Damit rückte der Kurs auf ein Niveau vor, das zuletzt vor etwa 14 Monaten erreicht worden war. Die Aktie gehört damit zu den auffälligsten Einzelwerten des Handelstages.
Die starke Bewegung steht unmittelbar mit den bestätigten Übernahmeverhandlungen in Verbindung. Ein konkreter Angebotspreis für die Aktionäre wurde bislang nicht genannt.
Berentzen steht für weit mehr als Schnaps
Die Berentzen-Gruppe ist vor allem durch ihre Spirituosen bekannt. Zum Markenportfolio gehören unter anderem Berentzen, Puschkin, Doornkaat und Bommerlunder.
Das Unternehmen ist zugleich in weiteren Getränkebereichen aktiv. Neben alkoholischen Produkten gehören auch alkoholfreie Getränke und Frischsaftsysteme zum Geschäft. Zu den bekannten Marken zählt beispielsweise Mio Mio.
Gerade diese Mischung macht Berentzen für einen internationalen Getränkekonzern interessant. Der deutsche Hersteller verfügt über etablierte Marken, Produktionsstrukturen und einen Zugang zum deutschen beziehungsweise europäischen Getränkemarkt.
Sazerac verfolgt eine expansive Strategie
Auf der anderen Seite steht mit Sazerac ein deutlich größerer US-amerikanischer Spirituosenkonzern. Das Unternehmen mit Sitz in New Orleans verfügt über ein umfangreiches Markenportfolio und ist unter anderem für Buffalo Trace und Southern Comfort bekannt.
Sazerac hat seine internationale Expansion zuletzt mit weiteren Übernahmen vorangetrieben. Erst kürzlich wurde der britische Wodka-Anbieter Au Vodka übernommen. Der Kaufpreis soll bei mehr als 300 Millionen britischen Pfund gelegen haben.
Die Berentzen-Verhandlungen stehen damit in einem größeren Zusammenhang: Sazerac baut sein Geschäft durch zusätzliche Marken und Unternehmen aus und erweitert damit seine Präsenz im internationalen Spirituosenmarkt.
Berentzen kämpft mit schwächerem Geschäft
Der Kurssprung an der Börse trifft auf eine operative Situation, die zuletzt deutlich schwieriger geworden war. Berentzen hatte im laufenden Geschäft mit einer schwachen Nachfrage nach alkoholischen Getränken zu kämpfen.
Im ersten Halbjahr sank der Umsatz nach den vorliegenden Angaben um mehr als 11 Prozent auf rund 71 Millionen Euro. Noch deutlicher fiel der Rückgang beim operativen Ergebnis aus.
Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) brach um mehr als 80 Prozent ein und lag nur noch bei ungefähr 600.000 Euro. Nach dem ersten Halbjahr musste Berentzen deshalb seine Erwartungen für das Gesamtjahr nach unten korrigieren.
Übernahmegerüchte verändern die Bewertung
Die Diskrepanz zwischen der operativen Entwicklung und der Reaktion des Aktienmarktes ist erheblich. Während Berentzen zuletzt sinkende Umsätze und einen massiven Ergebnisrückgang verkraften musste, führte allein die Nachricht über mögliche neue Eigentümer zu einem Kurssprung von mehr als einem Viertel.
Für die Aktionäre ist nun insbesondere entscheidend, ob aus den Gesprächen tatsächlich ein konkretes Übernahmeangebot entsteht und zu welchen Bedingungen dieses erfolgen würde.
Berentzen selbst hat bislang lediglich die Verhandlungen bestätigt. Das Unternehmen teilte mit: „Berentzen wird den Kapitalmarkt und die Öffentlichkeit über den Fortgang entsprechend den rechtlichen Anforderungen informieren.“
Kleine Aktie mit großer Kursbewegung
Die Größenordnung des Unternehmens verdeutlicht, warum die Nachricht an der Börse eine solche Wirkung entfaltet. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 35 Millionen Euro auf Basis des Mittwoch-Schlusskurses gehört Berentzen zu den kleineren börsennotierten Unternehmen.
Gleichzeitig verfügt der Getränkehersteller über bekannte Marken und mehrere Geschäftsbereiche. Die mögliche Übernahme durch einen international aufgestellten Konzern rückt deshalb sowohl die Aktienbewertung als auch das künftige Schicksal der traditionsreichen deutschen Getränkemarke in den Mittelpunkt.
Die Verhandlungen befinden sich derzeit noch in einer offenen Phase. Ein endgültiger Abschluss oder ein verbindliches Angebot ist damit noch nicht bekannt.