ING hält trotz neuer Kontomodelle am Gratis-Konto fest

September 2, 2026
ING hält trotz neuer Kontomodelle am Gratis-Konto fest

Die niederländische Großbank ING will ihre Kontomodelle in den kommenden Jahren grundlegend neu ordnen. Für Kundinnen und Kunden in Deutschland gibt es dabei jedoch eine wichtige Zusage: Ein kostenloses Girokonto soll auch künftig erhalten bleiben.

ING-Konzernchef Steven van Rijswijk machte beim „Handelsblatt-Bankengipfel“ in Frankfurt deutlich, dass die geplante Neustrukturierung nicht das Ende des kostenlosen Angebots in Deutschland bedeuten soll.

Seine Botschaft fällt eindeutig aus: „Daran wird sich nichts ändern.“

Damit positioniert sich die ING in einem Markt, in dem kostenlose Girokonten ohne Bedingungen zunehmend seltener werden. Gleichzeitig arbeitet der Konzern bereits an einer europaweit einheitlicheren Struktur seiner Kontomodelle.

Vier Kontomodelle sollen weltweit für Ordnung sorgen

Die ING-Gruppe will ihre Girokonto-Angebote in ihren verschiedenen Märkten künftig nach einem einheitlicheren Prinzip organisieren. Geplant sind jeweils vier unterschiedliche Kontomodelle.

Für Deutschland bedeutet das allerdings nicht, dass bereits heute feststeht, wie diese Modelle im Detail aussehen werden. Die konkrete Ausgestaltung befindet sich noch in der Planung.

Lars Stoy, Chef der ING Deutschland, hatte Anfang August erklärt: „Wir arbeiten noch am Design der künftigen Kontomodelle. Aktueller Plan ist, dass das Mitte des Jahres 2027 ausgerollt wird.“

Damit steht bereits ein wichtiger Zeitpunkt fest: Mitte 2027 soll die neue Kontostruktur nach derzeitiger Planung eingeführt werden.

Gratis-Konto bleibt – aber nicht zwingend für jeden

Die Zusage von Konzernchef van Rijswijk bedeutet allerdings nicht, dass jeder ING-Kunde automatisch ein kostenloses Girokonto ohne Bedingungen erhalten wird.

Schon heute gelten bei der ING Deutschland bestimmte Voraussetzungen für die Gebührenfreiheit.

Aktuell bleibt das Girokonto kostenlos, wenn monatlich mindestens 1.000 Euro auf dem Konto eingehen. Eine weitere Möglichkeit gibt es für jüngere Kunden: Wer unter 28 Jahre alt ist, kann das Girokonto ebenfalls ohne monatliche Kontoführungsgebühr nutzen.

Wer keine dieser Voraussetzungen erfüllt, muss derzeit 4,90 Euro pro Monat bezahlen.

Damit ist die Aussage des ING-Chefs vor allem vor dem Hintergrund der geplanten neuen Kontomodelle relevant: Das Unternehmen will auch nach der Umstellung weiterhin eine kostenlose Kontovariante anbieten.

Bankkunden müssen zunehmend genauer hinsehen

Für Verbraucher ist die Entwicklung bei den Kontogebühren von erheblicher Bedeutung. Ein Girokonto gehört für die meisten Menschen zur grundlegenden finanziellen Infrastruktur. Gehalt, Rente oder andere regelmäßige Einnahmen werden darüber abgewickelt, ebenso Miete, Rechnungen und Überweisungen.

Wenn Banken ihre Preismodelle verändern, können selbst vergleichsweise geringe monatliche Gebühren über längere Zeit zu einer spürbaren Belastung werden.

Bei 4,90 Euro monatlich summieren sich die Gebühren beispielsweise auf 58,80 Euro im Jahr.

Entscheidend ist deshalb nicht allein die Frage, ob eine Bank mit einem „kostenlosen Girokonto“ wirbt. Verbraucher müssen auch prüfen, unter welchen Bedingungen die Gebührenfreiheit gilt.

1.000-Euro-Regel entscheidet über die Kosten

Bei der ING Deutschland ist derzeit vor allem der monatliche Geldeingang entscheidend.

Wer mindestens 1.000 Euro pro Monat auf das Konto bekommt, zahlt nach den aktuell geltenden Konditionen keine monatliche Kontoführungsgebühr. Für Kunden, die diese Schwelle nicht erreichen und zugleich 28 Jahre oder älter sind, fallen derzeit 4,90 Euro monatlich an.

Das zeigt, warum die angekündigte kostenlose Kontovariante nicht automatisch mit einem bedingungslosen Gratis-Konto gleichzusetzen ist.

Wie genau die Bedingungen der neuen vier Kontomodelle ab 2027 aussehen werden, ist derzeit noch nicht vollständig festgelegt.

Kostenlose Konten werden immer seltener

Die ING bewegt sich mit ihrer Gebührenstruktur in einem Bankensektor, in dem kostenlose Girokonten zunehmend unter Druck geraten.

Viele Institute verlangen inzwischen entweder eine monatliche Grundgebühr oder knüpfen die Gebührenfreiheit an bestimmte Voraussetzungen. Dazu gehören beispielsweise ein Mindestgeldeingang, ein bestimmtes Alter oder weitere Bedingungen.

Für Kunden wird dadurch der Vergleich komplizierter. Ein Konto, das auf den ersten Blick kostenlos erscheint, kann bei bestimmten Nutzungsprofilen durchaus Kosten verursachen.

Die ING setzt nun ein Signal, indem der Konzern ausdrücklich versichert, dass es auch künftig ein kostenloses Girokonto in Deutschland geben soll.

Was sich 2027 tatsächlich verändert

Die große Umstellung steht dennoch bevor. Die ING arbeitet daran, ihre Kontomodelle international stärker zu vereinheitlichen und künftig vier Varianten anzubieten.

Noch ist nicht bekannt, welche konkreten Leistungen, Preise und Voraussetzungen jedes einzelne Modell enthalten wird. Die Planungen laufen.

Der derzeitige Zeitplan sieht vor, die neuen Modelle Mitte 2027 in Deutschland auszurollen.

Für Kunden dürfte daher weniger die grundsätzliche Frage entscheidend sein, ob es weiterhin ein Gratis-Konto gibt. Viel wichtiger wird sein, welche Bedingungen daran geknüpft werden und welche Leistungen die einzelnen Kontomodelle enthalten.

Bis dahin bleibt bei der ING Deutschland nach den derzeit geltenden Konditionen das Girokonto bei einem monatlichen Geldeingang von mindestens 1.000 Euro oder für Kunden unter 28 Jahren kostenlos.

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