Gaspreise steigen: Was jetzt auf Verbraucher zukommt

August 27, 2026
gaspreise-steigen:-was-jetzt-auf-verbraucher-zukommt

Die Kosten für Erdgas ziehen erneut spürbar an. Besonders Haushalte, die derzeit einen neuen Gasvertrag abschließen müssen, bekommen die Entwicklung bereits deutlich zu spüren. Seit Anfang März 2026 haben sich die günstigsten Neukundentarife von etwa 8 auf 10 Cent je Kilowattstunde verteuert.

Sollte das derzeitige Preisniveau am Großhandelsmarkt länger Bestand haben, könnte sich die Belastung für private Haushalte weiter erhöhen. Experten halten bei bestehenden Verträgen letztlich Preissteigerungen von 10 bis 20 Prozent für möglich.

Die Energiekrise erreicht die Haushalte

Hinter dem Preisanstieg steht vor allem die angespannte Situation am Persischen Golf. Die weiterhin blockierte Straße von Hormus beeinträchtigt den weltweiten Energiehandel und entzieht dem internationalen Markt wichtige Mengen an Öl und Gas.

Deutschland verfügt zwar weiterhin über Gaslieferungen, doch die internationale Marktlage hat sich deutlich verschärft. Gleichzeitig muss das Land seine Gasspeicher für die bevorstehende Heizperiode füllen. Treffen eine höhere Nachfrage und ein angespanntes Angebot aufeinander, kann dies zusätzlichen Druck auf die Preise ausüben.

Für Verbraucher wird die Entwicklung bereits konkret sichtbar: Ein Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden müsste bei einem Wechsel von einem im März verfügbaren günstigen Tarif zu den heutigen Konditionen ungefähr 400 Euro mehr pro Jahr bezahlen.

Großhandelspreis nähert sich früheren Krisenniveaus

Wie schnell sich Energiepreise verändern können, zeigte bereits die Krise von 2022 und 2023. Damals war die Situation für Deutschland allerdings noch wesentlich dramatischer, weil die direkten russischen Gaslieferungen über die Nord-Stream-Pipelines ausblieben.

Am 9. Januar 2023 kostete Erdgas im Großhandel rund 64 Euro je Megawattstunde. Der aktuelle Preis liegt mit etwa 66 Euro je Megawattstunde sogar etwas darüber.

Auch bei den Endkundenpreisen lässt sich die damalige Entwicklung als Vergleich heranziehen. Mitte Januar 2023 lagen die durchschnittlichen Gaspreise für Neukunden bei ungefähr 14,3 Cent je Kilowattstunde.

Die heutige Situation unterscheidet sich allerdings grundlegend: Deutschland erhält weiterhin Gas, während vor allem die weltweite Versorgungslage und die geopolitischen Spannungen die Preise beeinflussen.

Bestandskunden bleiben zunächst geschützter

Haushalte, die bereits einen Gasvertrag besitzen, müssen nicht automatisch mit sofortigen Preissprüngen rechnen. Viele Energieversorger haben ihre benötigten Mengen teilweise bereits zu günstigeren Konditionen eingekauft. Dadurch können steigende Beschaffungskosten zeitverzögert bei den Kunden ankommen.

Diese Entlastung ist jedoch nicht unbegrenzt.

Thorsten Storck, Energiemarktexperte bei Verivox, warnt:

„Sollte das aktuelle Preisniveau der Großhandelspreise jedoch noch länger bestehen bleiben, sind früher oder später auch für Bestandskunden Preiserhöhungen zwischen zehn und 20 Prozent zu erwarten.“

Damit könnte die derzeitige Belastung der Neukunden zeitversetzt auch auf zahlreiche Haushalte mit bestehenden Verträgen übergreifen.

Ein neuer Vertrag wird zur schwierigen Entscheidung

Wer jetzt einen neuen Tarif benötigt, steht vor einem Dilemma. Ein Vertragsabschluss zu den heutigen Konditionen kann sinnvoll sein, wenn die Preise weiter steigen. Sollte sich die Lage am Persischen Golf jedoch überraschend entspannen, könnte Erdgas wieder deutlich günstiger werden.

Eine schnelle politische Einigung zwischen den beteiligten Staaten und eine Öffnung der Straße von Hormus könnten den internationalen Energiemarkt erheblich entlasten. Für Verbraucher würde dies möglicherweise sinkende Preise bedeuten.

Wer dagegen jetzt einen langfristig abgesicherten Tarif abschließt, könnte bei einem weiteren Preisanstieg profitieren, hätte bei einem späteren Preisverfall aber unter Umständen einen vergleichsweise teuren Vertrag.

Experten erwarten zunächst keine Entspannung

Auf einen schnellen Rückgang der Gaspreise sollten Verbraucher derzeit nach Einschätzung von Jannik Schall, Mitgründer des Energieunternehmens 1Komma5°, nicht setzen.

Schall sagt:

„Derzeit rechnen wir nicht mit einem schnellen Preisverfall. Durch die höhere Gasnachfrage mit Ende des Sommers und Beginn der Heizsaison erhöht sich der Druck auf die Märkte jetzt zusätzlich.“

Damit kommt zur geopolitischen Unsicherheit ein saisonaler Faktor hinzu. Wenn die Temperaturen sinken und Millionen Haushalte ihre Heizungen wieder stärker nutzen, steigt der Gasbedarf. Gleichzeitig müssen die Versorger ihre Vorräte rechtzeitig auffüllen.

Preisgarantie bietet mehr Kalkulationssicherheit

Für Verbraucher, die sich gegen weitere Preissprünge absichern möchten, können Tarife mit 12 oder 24 Monaten Preisgarantie interessant sein.

Eine längere Garantie schafft mehr Sicherheit für die Haushaltsplanung. Allerdings verlangen Anbieter für diese Absicherung häufig einen höheren Preis. Ein Sprecher von Verivox erklärt:

„24-monatige Tarife können im Durchschnitt etwas teurer sein, da der Anbieter das Preisrisiko über einen längeren Zeitraum absichern muss.“

Der Vorteil liegt laut Verivox in der besseren Kalkulierbarkeit:

„Dafür erhalten Verbraucher bei einer entsprechend langen Preisgarantie mehr Planungssicherheit.“

Grundsätzlich gilt dabei: Je länger die Preisbindung, desto größer die Absicherung – aber häufig auch der Aufpreis.

Nicht jede Preisgarantie schützt vollständig

Bei der Auswahl eines neuen Gasvertrags sollten Verbraucher deshalb nicht allein auf den Begriff Preisgarantie achten. Entscheidend ist, welche Bestandteile des Tarifs tatsächlich eingefroren werden.

Der Energiepreis setzt sich unter anderem aus folgenden Komponenten zusammen:

  • Beschaffung und Vertrieb
  • Netzentgelte
  • Steuern, Abgaben und Umlagen

Bei einer eingeschränkten Preisgarantie können Beschaffung, Vertrieb und Netzentgelte festgeschrieben sein. Staatlich veranlasste Kosten können sich dagegen verändern und unter bestimmten Bedingungen an die Kunden weitergegeben werden.

Eine volle Preisgarantie bietet grundsätzlich einen weitergehenden Schutz. Doch auch sie ist nicht absolut. Für außergewöhnliche Krisensituationen bestehen gesetzliche Ausnahmen, die unter bestimmten Voraussetzungen eine Preisanpassung ermöglichen.

Bemerkenswert ist dabei die Erfahrung aus der vergangenen Energiekrise: Nach Angaben von Verivox kam dieses besondere Recht zur Preisanpassung „selbst während der Energiekrise 2022 nicht zur Anwendung.“

Für Verbraucher bedeutet die aktuelle Marktlage damit vor allem eines: Wer jetzt einen neuen Gasvertrag abschließt, sollte nicht nur den Arbeitspreis vergleichen, sondern Preisgarantie, Vertragslaufzeit und mögliche Ausnahmen genau prüfen.

nicht verpassen