BASF sorgt mit Evonik-Gerüchten für Börsenwirbel

September 25, 2026
BASF sorgt mit Evonik-Gerüchten für Börsenwirbel

Evonik-Aktie legt zweistellig zu

Die Aktien von Evonik haben am Freitag einen kräftigen Kurssprung hingelegt. Auslöser waren Berichte über ein mögliches Interesse des Chemiekonzerns BASF an einer Übernahme des Essener Spezialchemieunternehmens.

Zwischenzeitlich stieg die Evonik-Aktie um bis zu 11 Prozent. Anleger reagierten damit unmittelbar auf Spekulationen über eine mögliche Transaktion, die die Eigentümerstruktur und die strategische Ausrichtung beider Unternehmen erheblich verändern könnte.

Während Evonik an der Börse deutlich zulegte, geriet die BASF-Aktie unter Druck. Das Papier des Ludwigshafener Chemiekonzerns verlor zeitweise mehr als 2 Prozent.

Bericht über möglichen Zusammenschluss

Nach einem Bericht der Financial Times soll BASF kürzlich sowohl Evonik als auch dessen größtem Anteilseigner, der RAG-Stiftung, einen Vorschlag für eine mögliche Fusion beziehungsweise Übernahme unterbreitet haben.

Die Zeitung berief sich dabei auf mit den Vorgängen vertraute Personen. Dem Bericht zufolge beschäftigt sich BASF bereits seit Beginn des Jahres mit den Möglichkeiten einer Übernahme und hat dazu Gespräche mit Banken geführt.

Die Überlegungen sollen weiterhin laufen. Damit handelt es sich nach den vorliegenden Informationen nicht um eine bereits abgeschlossene Vereinbarung, sondern um eine mögliche Transaktion, deren konkrete Ausgestaltung und Umsetzung noch offen ist.

Bereits in den Tagen zuvor hatten mehrere Medien über mögliche Gespräche zwischen den beiden deutschen Chemieunternehmen berichtet. Der neue Bericht sorgte jedoch für eine deutlich stärkere Reaktion an den Finanzmärkten.

Milliardenwert macht Übernahme komplex

Evonik wird an der Börse mit einer Marktkapitalisierung von rund 8,4 Milliarden Euro bewertet. Bei einer möglichen Übernahme dürfte nach Angaben der Financial Times allerdings ein deutlich höherer Betrag im Raum stehen.

Dem Bericht zufolge könnte Evonik auf einer erheblichen Übernahmeprämie bestehen. Der Unternehmenswert einschließlich der Nettoverschuldung wird demnach auf ungefähr 12 Milliarden Euro beziffert.

Für BASF würde ein solcher Kauf daher eine Transaktion in erheblicher Größenordnung bedeuten. Neben dem eigentlichen Kaufpreis müsste auch die bestehende Verschuldung berücksichtigt werden.

Die unterschiedlichen Größenordnungen erklären zugleich, weshalb Spekulationen über einen möglichen Zusammenschluss die Aktienkurse beider Unternehmen unterschiedlich beeinflussen. Während Anleger bei Evonik auf einen möglichen Aufschlag auf den aktuellen Börsenwert setzen können, stehen bei BASF unter anderem die Finanzierung und die wirtschaftlichen Folgen eines solchen Schrittes im Mittelpunkt.

Evonik äußert sich nicht zum Bericht

Evonik selbst bestätigte die Übernahmepläne zunächst nicht. Ein Unternehmenssprecher kommentierte den Bericht nicht.

Auch von BASF lag zunächst keine Stellungnahme vor. Damit blieb zunächst offen, ob tatsächlich konkrete Verhandlungen über einen Erwerb geführt werden oder ob sich die Gespräche lediglich in einer frühen Prüfungsphase befinden.

Ein Insider sagte gegenüber Reuters hingegen, Evonik liege kein Übernahmeangebot von BASF vor. Diese Aussage steht damit einer möglichen Interpretation des Financial-Times-Berichts als bereits konkretem Kaufangebot entgegen.

Auch die RAG-Stiftung war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

RAG-Stiftung hält 43 Prozent

Bei einer möglichen Transaktion kommt der RAG-Stiftung eine zentrale Bedeutung zu. Die Essener Stiftung ist mit rund 43 Prozent der Anteile der mit Abstand größte Anteilseigner von Evonik.

Damit könnte ihre Haltung für die Zukunft des Unternehmens und insbesondere für einen möglichen Eigentümerwechsel entscheidend sein.

Die Stiftung verfolgt allerdings selbst das Ziel, ihre Abhängigkeit von der Chemiebranche langfristig zu reduzieren. Sie hatte bereits angekündigt, ihren Anteil an Evonik perspektivisch auf 25,1 Prozent zurückzuführen.

Ein möglicher Rückgang der Beteiligung könnte die Eigentümerstruktur des Chemiekonzerns deutlich verändern und zugleich den Spielraum für strategische Veränderungen erhöhen.

BASF sucht nach strategischen Möglichkeiten

Für BASF würde eine Übernahme von Evonik einen bedeutenden Schritt darstellen. Beide Unternehmen sind in der Chemieindustrie aktiv, verfügen jedoch über unterschiedliche Geschäftsbereiche und Portfolios.

Dass BASF laut dem Bericht bereits seit Anfang 2026 Gespräche mit Banken über eine mögliche Transaktion führt, deutet zumindest darauf hin, dass verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten geprüft worden sein könnten. Ob daraus tatsächlich ein verbindlicher Übernahmeversuch entsteht, ist bislang nicht geklärt.

Für den Ludwigshafener Konzern wäre ein solcher Kauf zugleich mit erheblichen finanziellen und strategischen Entscheidungen verbunden.

Börse reagiert schneller als die Unternehmen

Die heftige Reaktion der Aktienkurse zeigt, wie sensibel die Märkte auf mögliche Veränderungen in der deutschen Chemiebranche reagieren.

Bei Evonik sorgten die Übernahmespekulationen für einen Kurssprung von bis zu 11 Prozent. Bei BASF überwogen dagegen zunächst die Sorgen über mögliche Kosten und die Folgen eines milliardenschweren Zusammenschlusses. Die Aktie fiel um mehr als 2 Prozent.

Ob aus den Spekulationen tatsächlich eine Übernahme oder ein Zusammenschluss entsteht, bleibt offen. Bislang stehen sich Medienberichte, Aussagen aus dem Umfeld der Unternehmen und das Ausbleiben offizieller Bestätigungen gegenüber.

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